Südafrika
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Schätzungsweise 5,7 Millionen Menschen leben in Südafrika mit HIV/Aids. Das entspricht der Weltgesundheitsorganisation zufolge etwa 17 Prozent aller HIV-Infizierten weltweit.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Ärzte ohne Grenzen betreut zusammen mit den Gesundheitsbehörden ein integriertes HIV/Aids- und Tuberkulose-Behandlungsprogramm in Khayelitsha, einem Township am Rande von Kapstadt. Nirgends sonst im Land gibt es mehr HIV/Aids-Infizierte. Etwa 71 Prozent der HIV-Patienten von Ärzte ohne Grenzen in Khayelisha sind gleichzeitig an Tuberkulose (TB) erkrankt. Die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten startete im Jahr 2001. Seitdem haben mehr als 17.650 Patienten diese Therapie begonnen. Dieses Projekt hat dazu beigetragen, dass sich die Haltung Südafrikas gegenüber HIV/Aids geändert hat. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen und nationalen Behörden, durch Forschungspartnerschaften mit der Universität von Kapstadt sowie das Engagement von zivilgesellschaftlichen Gruppen und der Gemeinde von Khayelitsha hat sich viel bewegt: Das mit HIV/Aids verbundene Stigma wurde verringert, mehr Öffentlichkeit hergestellt und die nationale Gesundheitsstrategie verändert. Im Jahr 2011 werden das Gesundheitsministerium und die Gemeinde von Khayelitsha auf zehn Jahre kostenlose antiretrovirale Behandlung zurückblicken. Das gemeindeorientierte Behandlungskonzept von Ärzte ohne Grenzen hat zudem lokale, nationale und globale Wirkung gezeigt. Die Unterstützungsgruppen für HIV- und medikamentenresistente TB-Patienten in der Gemeinde sind für den Behandlungserfolg sehr wichtig. Denn diese Gruppen helfen den Infizierten, das Stigma zu verringern, sich gegenseitig Trost zu spenden und die komplexe Therapie durchzuhalten. In der Zip-Zap-Zirkusschule, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird, lernen HIV-infizierte Kinder zudem, besser mit ihrer Krankheit umzugehen.
- In den vergangenen Jahren sind Millionen von Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben nach Südafrika geflohen. Die Flucht aus der Heimat ist oft nicht einfach, und nach ihrer Ankunft sind die Migranten nicht selten fremdenfeindlichen Angriffen ausgesetzt. Oft werden sie zudem ausgenutzt, ihnen wird der Flüchtlingsstatus verwehrt, und ohne Papiere leben sie in ständiger Angst, entdeckt und ausgewiesen zu werden. Viele Migranten aus Simbabwe werden informell als Arbeiter auf den Farmen angestellt, die in der Umgebung der Grenzstadt Musina liegen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen besuchen die größten Farmen und bieten den Arbeitern kostenlose Gesundheitsversorgung an, die auch die Diagnose und Behandlung von HIV und TB einschließt. Im Jahr 2010 führten die Mitarbeiter rund 16.400 Konsultationen in Musina durch. Zudem behandelten sie mehr als 250 Überlebende sexueller Gewalt, die während ihrer Flucht nach Südafrika angegriffen worden waren. Im Zentrum von Johannesburg betreut Ärzte ohne Grenzen darüber hinaus ein Gesundheitszentrum nahe einer Kirche, die traditionell den Migranten Zuflucht geboten hat.
- Im innerstädtischen Johannesburg gibt es etwa 1.300 Gebäude für Arme. Viele werden von organisierten kriminellen Netzwerken kontrolliert. Oftmals leben die Menschen dort unter armseligen Bedingungen, die ihre Gesundheit und persönliche Sicherheit gefährden. Im Jahr 2010 besuchten mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen 40 dieser Gebäude und behandelten mehr als 26.100 Patienten. Die Mitarbeiter unterstützten die Bewohner auch darin, die Gebäude zu reinigen, indem sie ihnen das notwendige Material lieferten und die Müllentsorgung organisierten.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Südafrika.
31. Mai 2011
Fotos: Wayne Conradie