Sudan
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Während der Bedarf an medizinischer Hilfe im Sudan weiterhin groß ist, behindern Unsicherheit und administrative Auflagen den Zugang zu den hilfsbedürftigen Menschen. Besonders im Süden ist die Gesundheitsversorgung schlecht. Ärzte ohne Grenzen reagierte im Jahr 2010 auf mehrere medizinische Notfälle: Dazu gehörten der größte Ausbruch der Infektionskrankheit Kala-Azar seit acht Jahren im Südsudan sowie die Behandlung von Gewaltopfern in Darfur.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- -Ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Khartoum und den Rebellen im Süden des Landes beendete im Jahr 2005 den 22-jährigen brutalen Bürgerkrieg. Gleichwohl hörten die Konflikte im Südsudan nicht auf. Denn die wirtschaftlichen und politischen Änderungen, die nach dem Friedensabkommen vorgenommen wurden, entfachten gewalttätige Machtkämpfe. Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens waren bereits rund zwei Millionen Südsudanesen in ihre Heimat zurückgegangen. Im Vorfeld des Unabhängigkeitsreferendums im Januar 2011 kehrten erneut Tausende Menschen aus dem Norden in den Süden zurück. Die dortige schlechte Gesundheitsversorgung führte dazu, dass nur wenige Menschen Zugang zu adäquater medizinischer Hilfe hatten. Unsicherheit und Gewalt sowie Bevölkerungsbewegungen ermöglichten die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, Durchfall, Atemwegsinfektionen, Darmparasiten, Schlafkrankheit und Kala Azar. Ärzte ohne Grenzen arbeitete im Jahr 2010 in sieben Bundesstaaten im Südsudan sowie in der Region Abyei. Insgesamt hielten die Teams mehr als 588.000 Konsultationen und hielten 96.000 vorgeburtliche Sprechstunden ab. Mehr als 25.900 Patienten wurden wegen Mangelernährung behandelt.
- In den Bundesstaaten Upper Nile, Unity und Jonglei behandelte Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2010 rund 2.600 Kala-Azar-Patienten mit einem neuen Medikament. Es verkürzt die Behandlungsdauer beträchtlich und hat weniger Nebenwirkungen als andere Arzneimittel. Im Norden des Landes eröffnete Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium ein Behandlungszentrum im Bundesstaat El Gedaref. Hier wurden 1.100 Patienten behandelt.
- In Darfur blieb es auch im Jahr 2010 eine große Herausforderung für Ärzte ohne Grenzen, den Menschen rechtzeitig medizinische Nothilfe zukommen zu lassen. Die Sicherheitslage war weiterhin schlecht, was die Bewegungsfreiheit der Mitarbeiter erheblich einschränkte. Dennoch reagierten die Teams auf mehrere akute medizinische Notlagen.
- In Shangil Tobaya, Norddarfur, hielten die Teams rund 30.000 Konsultationen ab. In Kaguro betreuten sie eine Klinik und führten etwa 65.300 Sprechstunden durch. In Kooperation mit dem Gesundheitsministerium wurden zudem in den Vertriebenenlagern in Abushok und El Salam Ernährungsprogramme gestartet.
- Im Osten des Landes, im Bundesstaat El Gedaref, begannen die Mitarbeiter ein Ernährungsprojekt und behandelten rund 6.000 Kinder unter fünf Jahren.
- In der nordöstlich gelegenen Stadt Port Sudan unterstützte Ärzte ohne Grenzen die Geburtshilfeabteilung des Tagadom-Krankenhauses. Anfang 2010 wurde ein Operationssaal gebaut und ausgestattet. Zudem hielten die Mitarbeiter rund 14.000 vorgeburtliche Sprechstunden, halfen bei 2.000 Entbindungen und führten 71 Kaiserschnitte durch. Zum Jahresende wurden die Aktivitäten an das Gesundheitsministerium übergeben. Ärzte ohne Grenzen spendete noch Medikamente und Material für sechs weitere Monate.
- Kala Azar
- Gefährlichste Form der Infektionskrankheit Leishmaniose, die durch Mücken (Phlebotomen) übertragen wird. Kala-Azar greift das Immunsystem an und kann tödlich verlaufen. Betroffen sind jährlich etwa 500.000 Menschen, vor allem in Bangladesch, Brasilien, Indien, Nepal und im Sudan; in letzter Zeit verstärkt auch in einigen Mittelmeerländern.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Schlafkrankheit
- Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1979 im Sudan.
31. Mai 2011