Die Menschen in Gala Al-Nahal und in Al-Quereisha sind arm und leben mehrheitlich von der Landwirtschaft. Ihr Haupteinkommen beziehen sie vom Verkauf von Vieh und von landwirtschaftlichen Produkten. Im vergangenen Jahr hat es nur wenig geregnet, und die Ernte fiel schlecht aus. Die Menschen konnten somit auf den Märkten weniger Produkte verkaufen. Zudem sind aufgrund der letztjährigen Dürreperiode zahlreiche Kühe, Ziegen und Schafe an Mangelernährung oder Krankheiten gestorben. Die Menschen mussten von ihren Ersparnissen leben, um die Trockenzeit zu überbrücken. Und obwohl die Regenzeit dieses Jahr großzügig ausfällt, haben viele Menschen bereits ihre gesamten Nahrungsmittel vom vergangenen Jahr aufgebraucht, und es bleibt den Dorfbewohnern nicht mehr viel, um die Trockenzeit zu überstehen. Die Dörfer liegen weit auseinander, und der Regen hat die Straßen für Autos unpassierbar gemacht. Für die Behandlung akuter Mangelernährung sind die Bewohner in diesen Gebieten ganz auf die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen angewiesen. Es gibt keine Verkehrsmittel und die Distanzen sind zu groß, um sie zu Fuß zurückzulegen.
Ärzte ohne Grenzen hat vier Ernährungszentren eingerichtet und vier mobile Einsatzteams in abgelegene Regionen entsandt, um dort Nahrungshilfe zu leisten. Bisher sind 3.000 akut mangelernährte Kinder bei uns in Behandlung. Wir können uns in diesem Gebiet jedoch nur schwer mit herkömmlichen Fahrzeugen fortbewegen. Die Straßen sind verschlammt, und die Mitarbeiter müssen Nahrungsmittel und Medikamente in Traktoren transportieren, um die betroffene Bevölkerung zu erreichen. Bislang haben wir über 290.000 Kisten mit therapeutischer Fertignahrung verteilt, und alle registrierten Patienten konnten von einem Arzt besucht und behandelt werden. Das Team arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium und den Gemeinden zusammen. Das Engagement der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und der Helfer, die aufgrund der miserablen Wetterbedingungen auf Traktoren ausweichen mussten, hat mich sehr beeindruckt. Zudem sind ihre Lebensbedingungen vor Ort sehr hart.
Die Tatsache, dass wir einige Gebiete durch den schlechten Zustand der Straßen und die Distanzen nicht erreichen konnten, hat mich sehr getroffen. Wir wissen, dass unsere Hilfe an vielen Orten benötigt wird, wir können jedoch nicht überall sein. Manche Mütter haben mit ihren sehr geschwächten Kindern über zehn Stunden Weg auf sich genommen, um in unsere Behandlungszentren zu kommen. Ärzte ohne Grenzen konnte einen Weg finden, um die Hungerzeit vor der neuen Ernte für zahlreiche gefährdete Kinder in diesen abgelegenen und harschen Gebieten zu überbrücken. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Monaten noch viele weitere Kinder ins Programm aufnehmen können.
| Sudan | |
|---|---|
| Fläche: | 2 505 813 km² |
| Einwohner: | 41,348 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,2/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 62/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 55 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 58 J. |