Morgens bekamen wir 25 Peitschenhiebe. Das war unser Frühstück", erzählt Mboli. Und er berichtet weiter: "Wir haben die Toten auf der Straße gesehen. Sie hatten die Menschen mit Stöcken geschlagen, mit Bajonetten erstochen und ihre Körper in den Fluss geworfen."
"Meine Eltern haben sich in der Nähe im Busch versteckt und auf Neuigkeiten von uns gewartet. Als ich ihnen erzählt habe, dass Muka noch festgehalten wird, hat mein Vater angefangen zu weinen. Er sagte aber auch, dass wir nicht auf meinen Bruder warten dürfen, dass wir fliehen müssen."
Doch der Südsudan ist selbst eine Region, in der es in vielen Gebieten Spannungen gibt. Gewalttätige Angriffe nehmen in verschiedenen Regionen zu, außerdem gibt es große Armut und einen akuten Mangel an Basisversorgung. "Es ist traurig, dass die Menschen in einer Region Schutz suchen müssen, die an sich schon nicht sicher ist", sagt Karl Nawezi, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für den Südsudan. "Unsere medizinischen Teams im Südsudan haben bereits mit den immensen Bedürfnissen der Sudanesen zu kämpfen. Dennoch erzählen uns die kongolesischen Patienten, dass sie sich im Südsudan etwas sicherer fühlen, obwohl die LRA auch hier aktiv ist."
Ärzte ohne Grenzen ist seit mehreren Jahren im Südsudan tätig und konnte daher schnell Nothilfeprojekte einrichten, um für die Flüchtlinge und Vertriebenen medizinische Hilfe, Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen bereitzustellen. Mitarbeiter unterstützten im Staat Western Equatoria seit September 2008 mehr als 15.000 Flüchtlinge und Vertriebene. Im Februar 2009 hat die Organisation im Staat Central Equatoria ein zweites Nothilfeprogramm gestartet, in dem weitere 7.000 Menschen Hilfe finden.
"Eine Frau werde ich nie vergessen. Sie saß immer weinend unter einem Baum. Ihre Tochter wurde vor ihren Augen vergewaltigt und dann entführt. Sie wusste nicht, ob sie noch am Leben oder schon tot war", erinnert sich Francesca Mangia, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Staat Central Equatoria.
"Ich mache mir solche Sorgen um Muka und unsere Zukunft. Die LRA ist dort, wo ich zuhause bin. Ich bin ein Flüchtling im Sudan, aber auch hier sind Rebellen. Wir können nicht über die Zukunft nachdenken. Welche Zukunft?", sagt Mboli.
| Sudan | |
|---|---|
| Fläche: | 2 505 813 km² |
| Einwohner: | 41,348 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,2/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 62/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 55 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 58 J. |