Sudan : Wie dieser kleine Junge in Nasir spielen auch heute viele Kinder auf gefährlichem Boden - in vielen Teilen Südsudans werden noch vier Jahre nach Abschluss des Friedensabkommens zwischen Nord- und Südsudan Blindgänger gefunden. © Sven Torfinn
 
Sudan : Wie dieser kleine Junge in Nasir spielen auch heute viele Kinder auf gefährlichem Boden - in vielen Teilen Südsudans werden noch vier Jahre nach Abschluss des Friedensabkommens zwischen Nord- und Südsudan Blindgänger gefunden.


Sudan

Eine Geschichte aus Nasir - Blindgänger, Überbleibsel des Krieges im Süden des Landes gefährden das Leben von Kindern

Die Blindgänger werden jedes Jahr während der Regenzeit vom Wasser an die Oberfläche gespült. Das beobachten die Mitarbeiter in den meisten Regionen, in denen Ärzte ohne Grenzen im Südsudan Projekte hat.

"Niemand weiß, wo die Blindgänger auftauchen. Wir denken, dass wir während der Regenzeit noch mehr finden werden", sagt Dave Croft, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Nasir. "Gestern habe ich auf der Landebahn ein scharfes Patronenmagazin gefunden, die vom Regen an die Oberfläche gespült wurde. Die Kinder spielen hier überall. Sie sind neugierig und heben alles auf, was sie finden. Es muss dringend eine Minenaufklärungskampagne durchgeführt werden, speziell für Kinder."

Die Situation kann schwerwiegende Folgen haben, das zeigte leider am Dienstag, den 14. Juli der Unfall, den der 7-jährige Junge erlitt. Er wurde von einem Blindgänger schwer verletzt. Als er von der Schule nach Hause ging, hat er eine Spitze aus glänzendem Metall gefunden, die aus der Erde herausragte. Er versuchte das Objekt aufzuheben, und dabei ist es explodiert und hat ihn schwer verletzt. Er wurde sofort in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen gebracht, in dem Basisgesundheitsversorgung, aber auch stationäre und chirurgische Hilfe angeboten werden.

 

 

Wie soll die Zukunft des Jungen aussehen?

"Als die Familie die Explosion gehört hat, ist sie zu dem Jungen gerannt und hat ihn sofort zu uns ins Krankenhaus gebracht. Seine beiden Hände waren komplett zerstört. Ich musste seine Arme von den Ellbogen abwärts amputieren. Er hatte außerdem Verletzungen im Gesicht, an seinem Nacken, seinem Rücken, seinem Bauch und an einem seiner Beine. Außerdem hat er sein Augenlicht durch die Detonation verloren", sagt Jose Sanchez Giron, Chirurg von Ärzte ohne Grenzen in Nasir.

Giron hat den Jungen operiert. Er ist mittlerweile stabil, aber es ist schwer vorstellbar, wie seine Zukunft aussehen wird.

"Er hat beide Arme verloren und er wird blind sein. Es bricht einem das Herz. Einerseits sind seine Eltern glücklich, dass er überlebt hat. Andererseits machen sie sich Sorgen um seine Zukunft. Er ist ein starker Junge. Aber wie soll seine Zukunft in einem Land aussehen, in dem es bereits unter normalen Bedingungen schwierig ist, zu überleben", sagt Giron. "Gestern konnte er endlich wieder sprechen und hat uns erzählt, was ihm genau passiert ist", ergänzt Croft.

 

 

Minenaufklärungs- und -räumungsprogramme sind dringend nötig

Ärzte ohne Grenzen ist eine medizinische Organisation und kann nur Pflege für die Opfer anbieten. Es ist aber mehr Hilfe nötig, um die Blindgänger zu beseitigen. Außerdem muss in den betroffenen Gebieten bessere Aufklärungsarbeit über die Bedrohung von Blindgängern geleistet werden. Ärzte ohne Grenzen fordert Geldgeber auf, sich mehr für die Minenräumung und Risikoaufklärung für Kinder einzusetzen.

Ärzte ohne Grenzen leistet im Sudan seit 1978 medizinische Nothilfe. Neben der Gewalt in der Region sind Mangelernährung, Tuberkulose und Kala Azar ein Problem. Die Muttersterblichkeit ist eine der höchsten weltweit. Es gibt regelmäßig Meningitis-, Masern-, Cholera- und Malariaepidemien.

 

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Kala Azar
Gefährlichste Form der Infektionskrankheit Leishmaniose, die durch Mücken (Phlebotomen) übertragen wird. Kala-Azar greift das Immunsystem an und kann tödlich verlaufen. Betroffen sind jährlich etwa 500.000 Menschen, vor allem in Bangladesch, Brasilien, Indien, Nepal und im Sudan; in letzter Zeit verstärkt auch in einigen Mittelmeerländern.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

21. Juli 2009

Fotos: Sven Torfinn



Länderinformationen

Sudan
Sudan
Fläche:2 505 813 km²
Einwohner:41,348 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
62/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):55 J.
Lebenserwartung (Frauen):58 J.
Jetzt online spenden! Spendenkonto 97 0 97 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00 Servicetelefon für Spender - Mo-Fr. 8:00 - 18:00 Uhr - 030 - 700 130 130