Somalia 2010: Programm von Ärzte ohne Grenzen in Galcayo. © Frederic Courbet
 
Somalia 2010: Programm von Ärzte ohne Grenzen in Galcayo.


Somalia

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Sicherheitslage verschlechterte sich erneut im Jahr 2010. Obwohl einige Sicherheitsvorfälle direkt die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen betrafen, blieb die Organisation im Land. Aufgrund des Sicherheitsrisikos war es für internationale Mitarbeiter allerdings nicht möglich, längere Zeit in Somalia zu arbeiten. Die Projekte im Land hingen daher stark vom Engagement der somalischen Kollegen ab. Sie wurden von erfahrenen internationalen Mitarbeitern in Nairobi unterstützt, die die Projekte punktuell besuchten, wenn die Sicherheitslage es erlaubte.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Die Kämpfe in Mogadischu hielten während des ganzen Jahres an. Größere Offensiven fanden im Februar und August statt. Es wird geschätzt, dass nur noch eine halbe Million Menschen in der Hauptstadt leben. Medizinische Hilfe gibt es für sie praktisch nicht mehr. Ärzte ohne Grenzen arbeitete im Krankenhaus Daynile, das nordwestlich der Hauptstadt liegt. Das 59-Betten-Hospital verfügt über zwei Operationssäle und eine Intensivstation. Im Jahr 2010 behandelte das Team 5.500 Patienten in der Notaufnahme und führte 1.135 chirurgische Eingriffe durch. Für 2011 ist geplant, auch im Süden Mogadischus die Nothilfe wiederaufzunehmen.
  • Die medizinische Hilfe für Vertriebene in Hawa Abdi, einem Gebiet am Rande von Mogadischu, wurde im Jahr 2010 beendet, das Krankenhaus in Afgooye weiterhin unterstützt.
  • In den ländlichen Distrikten Jowhar, Mahadaay und Balcad, im Zentrum Somalias, ist Ärzte ohne Grenzen in vier Gesundheitszentren und mit mehreren mobilen Kliniken tätig. Im Juni 2010 starteten die Teams mit der Diagnose und Behandlung von Tuberkulose (TB) in Mahadaay und Gololey.
  • Ärzte ohne Grenzen arbeitete in Krankenhäusern und Kliniken der Städte Belet Weyne, Dinsor, Dhusa Mareb, Galkayo, Guri El, Hinder, Jamaame und Marere. Die Mitarbeiter boten Mutter-Kind-Versorgung, allgemeinmedizinische Hilfe und die Behandlung von Mangelernährung an. Sie führten insgesamt 240.000 Sprechstunden durch. Im April 2010 fand in Galkayo in Kooperation mit der Organisation "Right to Sight" ein einwöchiges "Augen-Chirurgie-Camp" statt. 3.000 Personen mit Augenproblemen wurden untersucht, mehr als 600 von ihnen operiert.
  • Obwohl die lokalen Behörden in Marere, Region Lower Juba, die medizinische Nothilfe durch Auflagen erschwerten, führten die Teams rund 46.300 Konsultationen durch und nahmen 2.000 Patienten stationär auf.
  • Im Dezember testete Ärzte ohne Grenzen erfolgreich im Istarlin-Krankenhaus von Guri El telemedizinische Untersuchungen. Ein Facharzt für Kinderheilkunde in Nairobi unterstützte so seine Kollegen auf der pädiatrischen Station. Es ist geplant, die Telemedizin auch auf andere Abteilungen auszuweiten.
  • Als in Belet Weyne, im Zentrum Somalias, mehr als 10.000 Menschen durch Überschwemmungen vertrieben wurden, verteilte Ärzte ohne Grenzen Hilfsgüter und untersuchte Kinder auf Mangelernährung. Zum Jahresbeginn kam es indes in Galgaduud zu einer längeren Trockenperiode. Die Teams in Dhusa Mareb, Guri El und Hinder stellten in dieser Zeit rund 2.940.000 Liter Trinkwasser zur Verfügung.
  • In Hargeisa, der Hauptstadt von Somaliland, gaben die Teams mehr als 11.400 Konsultationen für Kinder unter fünf Jahren und 3.500 vorgeburtliche Sprechstunden. Im Juni  nahm Ärzte ohne Grenzen die Arbeit im Hospital  von Ceerigabo auf. Die Teams führten 28 größere Operationen durch, nahmen 127 Patienten auf die chirurgische Station auf, entbanden 181 Babys und behandelten 68 Kinder stationär.
  • In Somalia und Somaliland wurden 6.400 Kinder gegen Masern und rund 6.300 Frauen gegen Tetanus geimpft.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 in Somalia.

 

31. Mai 2011

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Fotos: Frederic Courbet



Länderinformationen

Somalia
Somalia
Fläche:637 657 km²
Einwohner:8,954 Mio. Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
133/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):47 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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