Somalia 2011: Medizinisches und logistisches Material für den Aufbau von Behandlungszentren für Cholera und Masern trifft am Flughafen von Mogadischu ein. © Feisal Omar
 
Somalia 2011: Medizinisches und logistisches Material für den Aufbau von Behandlungszentren für Cholera und Masern trifft am Flughafen von Mogadischu ein.


Somalia

Große Hürden bei der Bekämpfung von Cholera und Masern in Marere

Ärzte ohne Grenzen bekämpft zurzeit Cholera- und Masernausbrüche in der Stadt Marere und Umgebung (Südsomalia). Marere und die umliegenden Städte Jilib, Keytoy und Osman Moto beherbergen 5.000 Vertriebene, die aus anderen von Dürre und den Auswirkungen des Konflikts gezeichneten Regionen geflohen sind. Dort, wie an allen anderen Orten in Somalia an denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist, sind die Möglichkeiten und Freiheiten der Einsatzplanung limitiert. Die Bekämpfung der Ausbrüche bleibt so eine äußerst schwierige Herausforderung.

 

Hunderttausende Somalier sind im Land unterwegs bzw. fliehen in andere Länder, um der humanitären Krise in ihrem Land zu entkommen. Der Bürgerkrieg, Gewalt, fehlende Entwicklung und Hilfe sowie die gegenwärtige Dürre haben die Menschen extrem geschwächt. Mangelernährung und entsprechende Begleiterkrankungen sind weit verbreitet. Cholera und Masern sind typisch für Situationen, in denen geschwächte und mangelernährte Menschen ohne Abwehrkräfte an Orten zusammenleben, an denen es an Trinkwasser und sanitären Einrichtungen fehlt.

"Seit dem Ausbruch der Masern-Epidemie unter den Vertriebenen konnten wir 150 von ihnen behandeln", erklärt Silvia Colona, Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Marere. "Ideal wäre es, wenn wir alle Kinder in den betroffenen Dörfern impfen könnten. Es gibt nur diesen Weg, eine Epidemie unter sehr geschwächten Menschen zu stoppen. Bislang ist das aber noch nicht geschehen. Wenn uns die Behörden die Möglichkeit zu Massenimpfungen bei Kindern in den Orten geben würden, könnten wir eine Epidemie und unnötige Tote verhindern."

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Massenimpfung
Gleichzeitige Impfung einer großen Anzahl von Menschen mit dem Ziel, eine Epidemie einzudämmern oder zu verhindern.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

Eröffnung eines Cholera- und eines Masern-Behandlungszentrum in Jilib

Ärzte ohne Grenzen hat auch ein Cholera-Behandlungszentrum in einem Krankenhaus in Marere eingerichtet, das bereits seit acht Jahren von der Organisation geleitet wird. Darüber hinaus eröffnet Ärzte ohne Grenzen nahe dem Flüchtlingslager in Jilib ein Cholera- und ein Masern-Behandlungszentrum und reagiert damit auf die erhöhte Patientenzahl. In den vergangenen Wochen wurden mehr als 80 Cholerakranke behandelt. Da Cholera stark ansteckend ist, müssen die Erkrankten isoliert werden. Die Situation ist beunruhigend. Ärzte ohne Grenzen versucht durch Hygiene-Schulungen und die Desinfektion der Brunnen weitere Infektionen zu verhindern.

An die Flüchtlinge in Jilib hat Ärzte ohne Grenzen diese Woche zusätzlich Hilfsgüter verteilt und Decken, Eimer und Kochgeschirr an mehr als 1.600 Haushalte ausgegeben.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Desinfektion
Abtötung, Reduzierung bzw. Entfernung von krankheitserregenden Mikroorganismen wie Bakterien und Viren
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

13. September 2011

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia und leistet kostenlose medizinische Hilfe in acht Regionen. Mehr als 1.400 nationale Mitarbeiter, unterstützt von rund 100 Mitarbeitern in Nairobi, leisten medizinische Basisversorgung, behandeln Mangelernährung und helfen den Flüchtlingen mit der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und Hilfsgütern in neun Einrichtungen in Süd- und Zentral-Somalia. Ärzte ohne Grenzen leistet auch medizinische Hilfe für somalische Flüchtlinge in Kenia und Äthiopien.

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Fotos: Feisal Omar



Länderinformationen

Somalia
Somalia
Fläche:637 657 km²
Einwohner:8,954 Mio. Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
133/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):47 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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