Somalia

Ärzte ohne Grenzen versucht, die bedürftigsten Menschen zu erreichen - Kapazitäten wurden mit Einschränkungen aufgestockt

Ärzte ohne Grenzen hat in Somalia, wo die Organisation bereits seit 20 Jahren arbeitet, die Anstrengungen verstärkt, die bedürftigsten Menschen zu erreichen. Als Reaktion auf den jüngsten Anstieg der Mangelernährungsraten wurden die Kapazitäten zur Behandlung betroffener Kinder in neun landesweiten Projekten mit Einschränkungen aufgestockt. Einen Monat nachdem die erste Nothilfe angelaufen ist, sind die Fortschritte in der medizinischen Unterstützung außerhalb Mogadischus immer noch langsam. Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Süd- und Zentralsomalia sind Behinderungen ausgesetzt, und in der Hauptstadt Mogadischu gibt es Einschränkungen der Sicherheit. Daher konnte Ärzte ohne Grenzen die Arbeit bislang nur bedingt ausweiten.

 

Die Menschen in Süd- und Zentral leiden bereits seit 20 Jahren unter den bewaffneten Konflikten, wiederkehrender Dürre und dem Mangel an sozialen Dienstleistungen und medizinischer Versorgung. "Die aktuell kritische Ernährungssituation kommt zu dem bereits ungeheuren medizinischen Bedarf noch hinzu", erklärt Alfonso Verdu, Projektmanager von Ärzte ohne Grenzen in Somalia.

Die Organisation hat in den vergangenen 20 Jahren daran gearbeitet, die medizinischen Bedürfnisse zu decken. Ärzte ohne Grenzen hat zahlreiche medizinische Projekte mit einer großen Palette an Dienstleistungen gestartet - von allgemeiner Gesundheitsversorgung über Mutter-Kind-Versorgung und Tuberkulose-Behandlung bis hin zu Kriegs- und Augenchirurgie. Derzeit fungieren die meisten dieser Projekte als Nothilfeprogramme für Menschen, die von der schweren Dürre betroffen sind.

Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Sicherheitsbedenken und eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Die Teams konzentrieren sich vorrangig auf die Behandlung von Mangelernährung in Galcayo, Jowhar, Guri El, Dinsor und Marere. Es erweist sich aber als extrem schwierig, über die von Ärzte ohne Grenzen errichteten Gesundheitseinrichtungen hinauszukommen, um die bedürftigsten Menschen zu erreichen. "Trotz wiederholter Bemühungen und Verhandlungen können wir nach wie vor weder neue Projekte eröffnen noch neue Aktivitäten im Süden Somalias starten", erklärt Verdu.

In Süd- und Zentralsomalia ist die Bewegungsfreiheit durch bewaffnete Gruppen eingeschränkt. In Mogadischu hat die Organisation Bedenken wegen der Sicherheit ihrer Mitarbeiter: Dort ist die Lage äußerst explosiv, und der Zugang zu bestimmten Bezirken ist aufgrund sporadischer Gewaltausbrüche nicht möglich.

 

Masern und Mangelernährung für Kinder sehr gefährlich

In Mogadischu bekämpfen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Masern und akute Mangelernährung, die insbesondere wenn sie zusammentreffen für Kinder eine tödliche Bedrohung darstellen. In den vergangenen zwei Wochen hat die Organisation zwei therapeutische Ernährungszentren aufgebaut, in denen insgesamt 145 Kinder behandelt werden können. Mehr als 100 schwer mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen wurden bereits in diese Zentren eingeliefert und werden dort intensiv überwacht und versorgt. In einem der Zentren wurde vergangene Woche bei 38 Prozent der eingelieferten Kinder Masern diagnostiziert. Mehrere mobile Teams haben ambulante therapeutische Ernährungszentren eingerichtet, um schwer mangelernährte Kinder zu behandeln, die nicht an Komplikationen leiden. Seit dem 8. August haben Mitarbeiter zudem mehr als 16.000 Kinder gegen Masern geimpft.

Die mobilen Teams haben unzählige Personen angetroffen, die an Atemwegserkrankungen, Hautentzündungen und Cholera leiden. Am 25. August eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Cholera-Behandlungszentrum, 22 Patienten wurden bereits behandelt.

In Mogadischu und im restlichen Somalia besteht nach wie vor ein großer Handlungsbedarf bei der Versorgung der Bevölkerung, die zurzeit unter den prekärsten Lebensbedingungen leidet, die weltweit herrschen.

Atemwegserkrankungen
allgemeiner Ausdruck für ein großes Spektrum von Erkrankungen, die die Atemwege (Hals, Nasennebenhöhlen, Bronchien, Lunge) betreffen.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

02. September 2011

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Länderinformationen

Somalia
Somalia
Fläche:637 657 km²
Einwohner:8,954 Mio. Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
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Lebenserwartung (Männer):47 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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