Somalia 2011: Die sechsjährige Yurub im Krankenhaus Süd-Galcayo war nach einer Masernerkrankung mangelernährt - inzwischen geht es ihr besser, sie kann wieder essen. © Sven Torfinn
 
Somalia 2011: Die sechsjährige Yurub im Krankenhaus Süd-Galcayo war nach einer Masernerkrankung mangelernährt - inzwischen geht es ihr besser, sie kann wieder essen.


Somalia

Ärzte ohne Grenzen weitet trotz großer Hindernisse medizinische Hilfe aus

In den vergangenen Wochen haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen trotz der anhaltenden Gewalt in der Hauptstadt Mogadischu und trotz anderer Einschränkungen ihre Aktivitäten ausgeweitet. Da die Anzahl mangelernährter Kinder weiter zunimmt, ist mehr Hilfe für die ohnehin bereits gefährdete somalische Bevölkerung notwendig, die in den vergangenen 20 Jahren praktisch keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung hatte.

 

Im Moment befinden sich 8.135 Kinder in Ernährungsprogrammen von Ärzte ohne Grenzen in Somalia. Davon sind 561 schwer mangelernährt und müssen stationär behandelt und intensiv betreut werden. Ärzte ohne Grenzen plant, Teams in entlegene Dörfer zu schicken, um die Sterblichkeitsrate unter den schwer mangelernährten Kindern zu senken. Die Mitarbeiter werden in den Dörfern nach Kindern suchen, die Hilfe brauchen, sie behandeln und therapeutische Nahrung an Familien mit mangelernährten Kindern ausgeben. Die Kinder, die eine Intensivbehandlung rund um die Uhr benötigen, werden in stationäre therapeutische Ernährungszentren gebracht.

In der Hauptstadt Mogadischu hat die Organisation ein 60-Betten-Ernährungszentrum eröffnet, in dem derzeit 50 schwer unterernährte Kinder stationär behandelt werden. Mobile Teams sind unterwegs und betreuen isolierte Bevölkerungsgruppen, die derzeit in Lagern in und um die Stadt Zuflucht gesucht haben.

Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.

 

Kampf gegen Masern und Cholera

Seit dem 8. August haben die medizinischen Teams über 11.000 Kinder gegen Masern geimpft, um das Risiko einer Epidemie zu senken. Ärzte ohne Grenzen überwacht auch einen Cholera-Ausbruch in der Stadt und in den Lagern und hat soeben im Zentrum von Mogadischu ein 50-Betten-Cholera-Behandlungszentrum eröffnet.

Im Süden des Landes und in Zentralsomalia hat Ärzte ohne Grenzen seit dem 18. August 319 schwer unterernährte Kinder in Behandlungszentren in Marere, Dinsor, Belet Huen, Afgoye, Jowahr und Guriel stationär aufgenommen. Außerdem versorgen mobile Teams Vertriebene und leisten auch Nahrungsmittelhilfe in der Umgebung von Marere und in Guriel.

Trotz dieser Anstrengungen hat die Organisation noch keinen kompletten Überblick über die Ernährungslage in diesem Teil des Landes. Ärzte ohne Grenzen verhandelt nach wie vor um einen besseren Zugang zur Bevölkerung.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

"Die Lage ist kritisch"

Im Norden Somalias wurden seit dem 18. August 192 Kinder in Ernährungszentren in Süd- und in Nord-Galcayo aufgenommen. "Die Lage ist zweifellos kritisch", erklärt der Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen für Somalia, Duncan Mclean. "Aber wir haben nur einen lückenhaften Überblick über die Lage, der sich auf die Einsatzorte beschränkt."

Ärzte ohne Grenzen betreibt derzeit 13 Projekte in acht Regionen Somalias. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Organisation einer der größten Anbieter medizinischer Versorgung im Land. Trotz der Schwierigkeiten hat Ärzte ohne Grenzen als eine der wenigen Organisationen weiterhin medizinische Projekte in Dörfern im Süden und im Zentrum Somalias.

 

23. August 2011

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 kontinuierlich in Somalia und bietet derzeit in acht Regionen im Süden des Landes kostenlose medizinische Versorgung an. Mehr als 1.400 somalische Mitarbeiter, unterstützt von etwa 100 Mitarbeitern in Nairobi, stellen eine medizinische Grundversorgung sicher, behandeln Mangelernährung, führen Operationen durch, betreuen Vertriebene und verteilen Hilfsgüter und Trinkwasser. Ärzte ohne Grenzen leistet außerdem in den Flüchtlingslagern Dadaab in Kenia und Dolo Ado in Äthiopien medizinische Hilfe für somalische Flüchtlinge.

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Fotos: Sven Torfinn



Länderinformationen

Somalia
Somalia
Fläche:637 657 km²
Einwohner:8,954 Mio. Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
133/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):47 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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