Somalia 2011: Eine mobile Klinik von Ärzte ohne Grenzen versorgt Vertriebene im Süden Mogadischus. © Feisal Omar
 
Somalia 2011: Eine mobile Klinik von Ärzte ohne Grenzen versorgt Vertriebene im Süden Mogadischus.


Somalia

Ärzte ohne Grenzen weitet Hilfe in Mogadischu aus

Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen Tagen mehrere Mitarbeiter sowie 55 Tonnen Medikamente, medizinische Ausrüstung und therapeutische Fertignahrung nach Mogadischu gebracht. In den zurückliegenden Wochen sind schätzungsweise 100.000 Somalier aus dem Süden und dem Zentrum des Landes in die Hauptstadt geflohen, um dort Hilfe zu suchen. Sie haben sich in zahlreichen Lagern in und um Mogadischu herum niedergelassen, in denen es keine oder kaum eine medizinische Versorgung gibt.

 

Ärzte ohne Grenzen hat in Dutzenden provisorischen Lager damit begonnen, die Bewohner gegen Masern zu impfen. Bisher wurden etwa 3.000 Kinder geimpft. In den Lagern haben Tausende vor der Dürre und der Gewalt in weiten Teilen des Landes Zuflucht gesucht. Mehr als die Hälfte der Kinder sind mangelernährt, wie eine Untersuchung an etwa 1.000 Kindern ergeben hat.

„Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Situation der Vertriebenen. Die Lage ist kritisch“, erklärt Unni Karunakara, der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen. „Wir verstärken die Nothilfeaktivitäten in Mogadischu und erkunden die Lage in der Region um die Hauptstadt herum, um angemessen reagieren zu können.“

In einer mobilen Klinik behandeln Mitarbeiter täglich etwa 100 Patienten. Die Teams verteilen außerdem Hilfsgüter, etwa Hygieneartikel und Plastikplanen für Zelte.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit mehreren Jahren in Gesundheitseinrichtungen in den Vierteln Daynile und Darkheley medizinische Hilfe in Mogadischu. In der vergangenen Woche wurden dort mehr als 370 Patienten behandelt. Ärzte ohne Grenzen plant außerdem, in den kommenden Tagen ein Ernährungszentrum zur stationären Behandlung von Kindern, eine Abteilung zur Behandlung von Masern und ein Cholera-Behandlungszentrum mit 50 Betten in Mogadischu einzurichten.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia und leistet derzeit kostenlose medizinische Hilfe in acht Regionen des Landes. Mehr als 1.400 somalische Mitarbeiter, die von 100 internationalen Mitarbeitern in Nairobi unterstützt werden, sichern in neun Einrichtungen im Süden und im Zentrum Somalias eine medizinische Grundversorgung, operieren Verletzte und Kranke, behandeln Mangelernährung und verteilen Wasser und Hilfsgüter an Vertriebene.

Ärzte ohne Grenzen leistet auch in den Flüchtlingslagern Dadaab in Kenia und Dolo Ado in Äthiopien medizinische Hilfe. Im Lager Dagahaley, einem von mehreren Lagern in Dadaab mit allein 130.000 Bewohnern, ist die Organisation die einzige, die medizinische Hilfe leistet. Derzeit werden dort 6.400 mangelernährte Kinder behandelt. Außerhalb des Lagers Ifo, das ebenfalls zum Dadaab-Komplex gehört, versorgt Ärzte ohne Grenzen 25.000 Flüchtlinge medizinisch. In Dolo Ado in der Region Liben, leisten Mitarbeiter in sechs Lagern medizinische Hilfe, in denen 119.000 Flüchtlinge leben. Hier werden 10.000 Kinder in Ernährungsprogrammen behandelt.

 

12. August 2011

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Fotos: Feisal Omar



Länderinformationen

Somalia
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Einwohner:8,954 Mio. Einw.
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