Somalia 2010: Im überbelegten Dayniil-Krankenhaus werden schwerverletzte Patienten versorgt. © Ärzte ohne Grenzen
 
Somalia 2010: Im überbelegten Dayniil-Krankenhaus werden schwerverletzte Patienten versorgt.


Somalia

Zahl der Gewaltopfer bringt medizinische Einrichtungen an ihre Grenzen

Die intensiven kriegerische Auseinandersetzungen in Somalia lassen nicht nach. Schwere Kämpfe in der Hauptstadt Mogadischu haben am Donnerstag, den 23. September dazu geführt, dass ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus völlig mit Schwerverletzten - darunter Frauen und Kinder - überlastet war. Bis zum gestrigen Morgen wurden 81 Menschen ins Dayniile-Krankenhaus am Rande von Mogadischu eingeliefert. Sie hatten ganz überwiegend Verletzungen durch Explosionen davongetragen. Vier Patienten starben.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen hat ein zusätzliches Zelt auf dem Krankenhausgelände aufgebaut, um dem neuen Anstrum von Verwundeten gewachsen zu sein. Drei weitere Zelte waren bereits vorher aufgestellt worden, um der Überfüllung des 59-Betten-Krankenhauses Herr zu werden, das bereits an einem einzigen Tag der vergangenen Woche 45 Kriegsverletzte aufnehmen musste. Zurzeit werden dort 161 Menschen behandelt.

"Die Menschen in Mogadischu tragen die Hauptlast des andauernden schrecklichen Krieges, und unser medizinisches Personal hat Schwierigkeiten, die Oberhand zu behalten", sagt Thierry Goffeau, Landeskoordinator für Ärzte ohne Grenzen in Somalia. "Diese letzten Gewaltausbrüche, die über den letzten Monat an Intensität gewonnen haben, strapazieren unsere Kapazitäten, dem enormen Bedarf an medizinischer Hilfe gerecht zu werden."

 

Medizinisches Material wird knapp

Seit dem 23. August hat das Team von Ärzte ohne Grenzen 500 Kriegsverletzte behandelt. 370 von ihnen hatten Verletzungen durch Explosionen und 130 Schusswunden erlitten. Beinahe 200 Operationen wurden durchgeführt. Einige medizinische Materialien werden in Mogadischu mittlerweile knapp. Ärzte ohne Grenzen bemüht sich, die Versorgungsengpässe, die von Dränageschläuchen bis hin zu Matratzen reichen, im Dayniile-Krankenhaus schnellstmöglich in den Griff zu bekommen.

"Männer, Frauen und kleine Kinder sind mit den schrecklichsten Explosionsverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden", sagt Goffeau. "Tragischerweise ist der Konflikt in Mogadischu nichts Neues, trotzdem dürfen die Auswirkung, die er auf die Bevölkerung hat, nicht in Vergessenheit geraten."

Ärzte ohne Grenzen ist im Süden Zentralsomalias in acht Regionen tätig. Mehr als 1.300 somalische Mitarbeiter leisten Basisgesundheitsversorgung, führen Operationen durch, bieten Tuberkulosebehandlungen und Ernährungsprogramme an und kümmern sich um die Bereitstellung von Wasser und Hilfsgütern für Vertriebene. Unterstützt werden sind von rund 100 Kollegen in Nairobi, Kenia. Ärzte ohne Grenzen akzeptiert keine staatlichen Gelder für seine Projekte in Somalia sondern finanziert diese ausschließlich durch private Spendengelder aus der ganzen Welt.

Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

24. September 2010

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Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Somalia
Somalia
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