Somalia 2009: Der Chirurg Dr. Maslah ist einer von 144 somalischen Mitarbeitern, die im Krankenhaus Süd-Galcayo für Ärzte ohne Grenzen arbeiten. © Ärzte ohne Grenzen
 
Somalia 2009: Der Chirurg Dr. Maslah ist einer von 144 somalischen Mitarbeitern, die im Krankenhaus Süd-Galcayo für Ärzte ohne Grenzen arbeiten.


Somalia

Leben retten – rund um die Uhr

Der Konflikt in Somalia hat im Jahr 2008 zugenommen, und obwohl die medizinischen Bedürfnisse gestiegen sind, musste Ärzte ohne Grenzen die internationalen Mitarbeiter aus dem Land evakuieren. Seitdem arbeiten nur noch somalische Mitarbeiter in den Projekten, die von einem internationalen Managementteam in Nairobi unterstützt werden. Die internationalen Mitarbeiter versuchen so oft wie möglich, die Projekte zu besuchen. Ohne die Hilfe Hunderter somalischer Mitarbeiter, die im ganzen Land für Ärzte ohne Grenzen arbeiten, würden Tausende Menschen keine lebensrettende Gesundheitsversorgung bekommen.

Dr. Maslah ist einer von 144 somalischen Mitarbeitern, die für Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus in Süd-Galcayo arbeiten. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die chirurgischen Aktivitäten weitergeführt werden. Für Dr. Maslah ist es Routine geworden, nachts zu Notoperationen gerufen zu werden, da das Krankenhaus in Süd-Galcayo das einzige Krankenhaus in der Region ist, das kostenlose Notoperationen anbietet. „Ich operiere jeden Monat etwa 40 Bauchverletzungen", sagt Dr. Maslah. „Es sind Schuss- und Stichwunden, Verletzungen am Dickdarm und von Autounfällen."

Das Ernährungszentrum ist aufgrund der anhaltenden Dürre, der Kämpfe und hohen Nahrungsmittelpreise oft bis aufs Äußerste gefüllt. Jibril, der Stationsleiter, zeigt auf die frustriert schauenden Frauen, die schwache und dehydrierte Babys halten und darauf warten, im Ernährungszentrum aufgenommen zu werden. „Wir nehmen jeden Monat Menschen mit Durchfallerkrankungen, Masern, Dehydration und manchmal auch Meningitis auf“, erklärt er. „Das größte Problem ist im Moment aber die schwere Mangelernährung. Wir behandeln derzeit 90 Patienten in einem Raum, der für 60 Menschen gedacht ist."

Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.

 

Erschöpfung in den Gesichtern der Frauen

Die Erschöpfung in den Gesichtern der Frauen zeugt von der langen Reise, die die meisten auf dem Weg zum Krankenhaus hinter sich haben. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen können aufgrund der anhaltenden Unsicherheit keine Patienten mit dem Auto einsammeln. „Viele in den Dörfern wissen, dass es hier kostenlose Hilfe gibt. Die Reise ist aber ein großes Problem", sagt eine Mutter. „Viele können sie sich nicht leisten und bleiben daher zu Hause. Einige von ihnen sterben im Dorf."  Die Brandmale auf den Körpern einiger kleiner Kinder zeigen, dass die Mütter zuerst bei traditionellen Heilern Hilfe suchen. Das Krankenhaus ist oft ein letzter Ausweg.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, wie Jibril und Dr. Maslah, arbeiten mit anderen somalischen Kollegen im Krankenhaus in Süd-Galcayo rund um die Uhr. „Die Mitarbeiter in diesem Krankenhaus retten viele Leben", sagt Dr. Maslah. Kostenlose und unabhängige medizinische Hilfe ist in einem Land lebensnotwendig, in dem Gewalt, Leiden und Tod durch vermeidbare Krankheiten alltäglich sind.

 

Hilfe seit mehr als 17 Jahren

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als 17 Jahren in Somalia und leistet auch heute noch in acht Regionen des Landes kostenlose medizinische Hilfe. Die Mitarbeiter haben im Jahr 2008 mehr als 720.000 Patienten ambulant und 24.000 stationär behandelt. Mehr als 55.000 Frauen haben Geburtshilfe erhalten. Es wurden mehr als 3.800 Operationen durchgeführt. Darunter waren etwa 1.200 Verletzungen, die auf Gewalt zurückzuführen sind. Es wurden mehr als 1.000 Kala Azar- und 4.000 Malaria-Patienten behandelt und nahezu 1.600 Menschen haben mit einer Tuberkulose-Behandlung begonnen. Etwa 35.000 mangelernährte Menschen wurden versorgt, und mehr als 82.000 Patienten geimpft.
Kala Azar
Gefährlichste Form der Infektionskrankheit Leishmaniose, die durch Mücken (Phlebotomen) übertragen wird. Kala-Azar greift das Immunsystem an und kann tödlich verlaufen. Betroffen sind jährlich etwa 500.000 Menschen, vor allem in Bangladesch, Brasilien, Indien, Nepal und im Sudan; in letzter Zeit verstärkt auch in einigen Mittelmeerländern.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

16. November 2009

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Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Somalia
Somalia
Fläche:637 657 km²
Einwohner:8,954 Mio. Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
133/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):47 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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