Simbabwe 2008: Ein Paar wird auf HIV getestet. © Joanna Stavropoulou
 
Simbabwe 2008: Ein Paar wird auf HIV getestet.


Simbabwe

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach der politischen und wirtschaftlichen Krise der vergangenen Jahre stabilisierte sich die Lage im Land. Allerdings blieben die HIV/Aids-Epidemie und Tuberkulose eine riesige Herausforderung für das geschwächte Gesundheitssystem.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In Simbabwe leben rund 1,2 Millionen Erwachsene und Kinder mit HIV. Nur 55 Prozent der etwa 600.000 HIV-Positiven, die dringend antiretrovirale Medikamente benötigen, erhalten sie auch. Ärzte ohne Grenzen betreut HIV/Aids-Projekte in Bulawayo-Stadt, Beitbridge, Epworth, Gweru, Tsholotsho und Buhera. Sie umfassen HIV/Aids-Pflege, Beratung, Tests und Behandlung. Außerdem wird die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind verhindert. Im Jahr 2010 versorgten die Teams 34.000 Patienten mit antiretroviralen Arzneimitteln. Ärzte ohne Grenzen bemühte sich zudem, die Behandlung von HIV-Positiven auch in ländliche Kliniken zu dezentralisieren. Dafür wurden Pflegekräfte trainiert, die unkomplizierte HIV-Fälle behandeln und antiretrovirale Medikamente verschreiben können. In Bulawayo konzentrierten sich die Teams darauf, eine auf HIV-positive Kinder und Jugendliche zugeschnittene Therapie anzubieten. Kinder in stabilem Zustand können jetzt in lokalen Kliniken anstatt im Krankenhaus behandelt werden. Außerdem führten die Teams erstmals medizinische und psychologische Programme für Jugendliche durch.
  • Tuberkulose (TB) ist die Haupttodesursache von Menschen mit HIV/Aids in Subsahara-Afrika. Es wird befürchtet, dass sich die medikamentenresistente Form der Tuberkulose (DR-TB) aufgrund der Migrationsbewegungen ausbreiten könnte. Noch ist unklar, wie viele Menschen in Simbabwe mit DR-TB infiziert sind. Die Krankheit ist schwer zu diagnostizieren und zu behandeln. Außerdem ist das simbabwische nationale TB-Programm bereits voll ausgelastet. Das Team von Ärzte ohne Grenzen in Harare unterstützte die Gesundheitsbehörden dabei, eine nationale DR-TB-Strategie einzuführen. Im Dezember 2010 wurde der erste Patient behandelt und ein gemeindeorientiertes Behandlungskonzept in Epworth gestartet. Bis Ende 2011 sollen es rund 60 DR-TB-Patienten sein.
  • Im Dezember 2010 wies der Globale Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria den Antrag Simbabwes auf 220 Millionen US-Dollar für die Ausweitung der HIV- und TB-Programme zurück. Eine solche Kürzung der finanziellen Mittel kann die Behandlung neuer Patienten limitieren. Die simbabwischen Behörden werden so zudem davon abgehalten, die neuen, progressiven Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation für die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten einzuführen.
  • Alle HIV-Programme von Ärzte ohne Grenzen bieten Hilfe für Opfer sexueller Gewalt an. Im Jahr 2010 behandelten die Teams in Bulawayo, Epworth, Gweru, Beitbridge und Tsholotsho insgesamt 1.325 Überlebende sexueller Gewalt. Die Mitarbeiter bemühten sich, die Anzahl derjenigen zu erhöhen, die Hilfe suchen, indem sie Unterstützungsgruppen für Opfer sexueller oder genderbasierter Gewalt bildeten. Außerdem führten sie eine landesweite Aufklärungskampagne zu diesem Thema durch.
  • Im Jahr 2010 reagierte Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden und anderen Organisationen auf einen Masernausbruch. Insgesamt wurden fünf Millionen Kinder geimpft.
  • Als im Tsholotsho-Distrikt die H1N1-Virusinfektion ausbrach, behandelten die Teams mehr als 14.000 Patienten.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Virus
Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2000 in Simbabwe.

 

31. Mai 2011
Fotos: Joanna Stavropoulou



Länderinformationen

Simbabwe
Simbabwe
Fläche:390 757 km
Einwohner:12,463 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
81/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):38 J.
Lebenserwartung (Frauen):37 J.
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