Zimbabwe 2009: Dennis Taronga ist einer von zahlreichen Patienten, die Ärzte ohne Grenzen in der Murwira Klinik behandelt. Regelmäßig erhält er dort seine antiretrovirale Medikamente gegen HIV/Aids. © Ärzte ohne Grenzen
 
Zimbabwe 2009: Dennis Taronga ist einer von zahlreichen Patienten, die Ärzte ohne Grenzen in der Murwira Klinik behandelt. Regelmäßig erhält er dort seine antiretrovirale Medikamente gegen HIV/Aids.


Simbabwe

"Ich dachte, ich muss sterben"

Vor genau einem Jahr - im August 2008 - hat sich in Simbabwe eine verheerende Choleraepidemie ausgebreitet. Mehr als 100.000 Menschen waren infiziert und Tausende haben mit ihrem Leben bezahlt. Ärzte ohne Grenzen hatte umgehend eine Nothilfeintervention gestartet und die Cholera-Patienten behandelt. Dennis Taronga war einer von ihnen. Er erhält in der Klinik in Murwira, in der Ärzte ohne Grenzen im südöstlichen Simbabwe arbeitet, antiretrovirale Medikamente. Dennis hat als Bauarbeiter gearbeitet, ist Ehemann und Vater von drei Kindern. Er hat sich im Januar mit Cholera infiziert. Dies ist seine Geschichte.
Im vergangenen Januar fing es an, dass es mir richtig schlecht ging. Mein Körper war geschwächt, und ich konnte mich nicht bewegen. Ich war so krank, dass ich dachte, dass ich sterben muss. Ich hatte Durchfall, habe furchtbar gefroren und war vollkommen ausgetrocknet. Ich habe zu der Zeit nicht gearbeitet. Meine Familie musste sich um mich kümmern.

Mein Cousin hat mich in einem Karren in die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Murwira gebracht, in der ich auch meine Medikamente gegen HIV/Aids bekomme. Ich konnte drei Tage lang nicht essen und trinken und wurde nur über einen Katheter versorgt. Nach vier Tagen ging es mir dann besser. Ich war so glücklich, dass ich mich wieder bewegen und zu meiner Familie zurückkehren konnte.

In meinem Dorf waren noch viele andere Menschen krank. Mein Onkel war sehr schwer an Cholera erkrankt und ist auf dem Weg in das Krankenhaus gestorben. Ich war sehr traurig, da niemand von uns zu seiner Beerdigung gehen konnte.

Ich dachte, ich würde auch sterben. Ich wusste nicht, wo ich hingehen sollte. Ich weiß nicht, wie andere der Cholera entkommen sind. Jetzt weiß ich, dass die Ursache der Krankheit im schmutzigen Wasser liegt. Ich weiß jetzt, wie ich vermeiden kann, während der nächsten Regenzeit wieder krank zu werden. Ich werde die Wasserreinigungstabletten von Ärzte ohne Grenzen benutzen, dann werde ich nicht mehr krank.

Ich gehe jetzt wegen der antiretroviralen Medikamente in die Klinik. Im vergangenen Jahr haben wir mein Kind in das Krankenhaus in Murambinda gebracht, in dem sie im Alter von nur eineinhalb Jahren an Aids gestorben ist. Sie haben mich auch getestet. Meine Frau und ich sind ebenfalls positiv. Wir bekommen jetzt beide in der Klinik in Murwira antiretrovirale Medikamente.

Ich hoffe sehr, dass Ärzte ohne Grenzen uns weiterhin unterstützt und die antiretroviralen Medikamente gibt. Mir geht es besser, aber ich kann noch immer nicht arbeiten. Außerdem haben wir nicht genug zu essen. Ich hoffe, ich finde Arbeit, als Zimmermann, irgendetwas, das uns hilft, unser Leben zu finanzieren. Wir leben hier kein Leben mehr. Der Arbeitsmarkt wird nicht besser, das Land ist wie eine Wüste. Es gibt kein Geld zum Bezahlen. Wir sitzen hier einfach rum, ohne etwas zu haben. Ich möchte so gerne arbeiten, damit es meiner Familie besser geht.

 

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.

 

17. August 2009

Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Simbabwe
Simbabwe
Fläche:390 757 km
Einwohner:12,463 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
81/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):38 J.
Lebenserwartung (Frauen):37 J.
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