Sierra Leone 2008: Ein Krankenpfleger von Ärzte ohne Grenzen versorgt ein schwer an Malaria erkranktes Kind im Gondama Krankenhaus in Bo. © William Daniels
 
Sierra Leone 2008: Ein Krankenpfleger von Ärzte ohne Grenzen versorgt ein schwer an Malaria erkranktes Kind im Gondama Krankenhaus in Bo.


Sierra Leone

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im April 2010 führte die Regierung von Sierra Leone die kostenlose Gesundheitsversorgung für Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und stillende Frauen ein. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich während des Jahres weiterhin auf die bereits seit Jahren laufende medizinische Hilfe für Mütter und Kinder. In der zweiten Jahreshälfte unterstützten die Teams das Gesundheitsministerium dabei, die neue Gesundheitsstrategie einzuführen.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Das Gesundheitsministerium hat weniger als 200 Ärzte für die Versorgung von mehr als 5,8 Millionen Menschen angestellt. Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Bo, der zweitgrößten Stadt des Landes, und ihrer Umgebung fokussierten im Jahr 2010 auf die Versorgung von Müttern und Kindern sowie auf die Behandlung von Mangelernährung und Malaria. Die Mitarbeiter betreuten das Referenzzentrum Gondama, eine auf Notfälle spezialisierte Klinik mit 215 Betten, die am Stadtrand liegt. Das Zentrum verfügt über eine pädiatrische Station, eine Geburtsstation mit Operationssaal, eine Intensivstation sowie ein therapeutisches Ernährungszentrum für schwer mangelernährte Kinder.
  • In den Distrikten Bo und Pujehun leistete Ärzte ohne Grenzen auch technische Hilfe und lieferte Material an Gesundheitszentren in fünf Gemeinden. In diesen Kliniken wurden allgemeinmedizinische Sprechstunden und einfache Geburtshilfe angeboten sowie die Behandlung von Mangelernährung und Malaria. Die Teams führten klinische, verwaltungstechnische und logistische Fortbildungen durch, lieferten Medikamente, andere medizinische Materialien und Ausrüstung. Außerdem betreuten sie einen Rettungswagen-Service, um Patienten ins Krankenhaus bringen zu können.
  • Außerhalb der Hauptstadt Freetown ist Ärzte ohne Grenzen einer der größten Gesundheitsanbieter für Geburtshilfe und Pädiatrie in Sierra Leone. Ende 2010 wurde die Geburtshilfe sogar noch ausgeweitet. Die Mitarbeiter unterstützten und trainierten ihre nationalen Kollegen für die Arbeit auf den Frauenstationen, halfen beim Management von kritischen pädiatrischen Fällen und führten Aktivitäten zur Gesundheitserziehung in den fünf Gesundheitszentren in Bo und Pujehun durch, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden.
  • Viele Patienten, die das Referenzzentrum Gondama aufsuchten, kamen in einem kritischen Zustand und mit sehr schweren Komplikationen. Ärzte ohne Grenzen verbesserte daher im Jahr 2010 den Rettungswagen-Service für Notfälle, indem die Rettungswagen an strategischen Orten positioniert wurden. Die Teams suchten auch engeren Kontakt mit dem nationalen Krankenhaus in Bo sowie mit anderen Anbietern von Rettungswagen, um die Kapazität für den Transport von Notfällen von ländlichen Kliniken in die Stadt zu erhöhen.
  • Malaria ist in Sierra Leone sehr verbreitet. Die Möglichkeit, sich diagnostizieren und behandeln zu lassen, hat sich zwar verbessert. Doch es dauert oft lange, bis die Symptome für Malaria erkannt werden. Außerdem ist die Distanz zu den Gesundheitszentren weit, und die nötigen Medikamente werden unregelmäßig geliefert. All das verhindert, dass die Patienten rechtzeitig behandelt werden. Ärzte ohne Grenzen hat daher insgesamt 140 Freiwillige trainiert, die in ihren Gemeinden Malaria diagnostizieren und behandeln können. Auf diese Weise wird die Therapie näher an die Patienten im Distrikt Bo herangebracht. Insgesamt behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 14.000 Patienten in kritischem Zustand stationär und führte mehr als 210.000 Konsultationen im Jahr 2010 durch.
Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 in Sierra Leone präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: William Daniels



Länderinformationen

Sierra Leone
Sierra Leone
Fläche:71 740 km²
Einwohner:5,560 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,05/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
165/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):40 J.
Lebenserwartung (Frauen):43 J.
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