Sierra Leone
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Sierra Leone ist seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2002 politisch relativ stabil. Allerdings hat sich die Wirtschaft noch nicht erholt. Es herrscht extreme Armut, und die fehlende Gesundheitsversorgung hat zur höchsten Kindersterblichkeitsrate weltweit geführt. Mangelernährung und Malaria sind zudem weit verbreitet. Im Jahr 2009 führte Ärzte ohne Grenzen rund 355.000 Sprechstunden durch. Etwa 202.000 Patienten wurden wegen Malaria behandelt und rund 6.000 Personen wegen akuter schwerer Mangelernährung.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Als im Januar 2009 Gelbfieber in der im Süden gelegenen Stadt Bo und Umgebung ausbrach, startete Ärzte ohne Grenzen eine Impfkampagne und impfte 178.500 Personen.
- Ärzte ohne Grenzen leistet bis heute medizinische Hilfe in einem Krankenhaus nahe der Stadt Bo. Es verfügt über 215 Betten, eine Kinder-, Entbindungs- und Intensivstation sowie ein intensiv-therapeutisches Ernährungszentrum für schwer mangelernährte Kinder. Zudem unterstützen die Teams fünf Gesundheitszentren und 30 Gesundheitsposten in den Distrikten Bo und Pujehun. Sie geben Konsultationen, Geburtshilfe und behandeln Malaria und Mangelernährung. Darüber hinaus unterstützen die Mitarbeiter ein Netzwerk von 140 Freiwilligen, die trainiert wurden, um in ihren eigenen Dörfern einfache Fälle von Malaria zu diagnostizieren und zu behandeln. In den vergangenen Jahren gab es einen starken Anstieg der Patientenzahlen in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen. In erster Linie ist dies darauf zurückzuführen, dass eine zunehmende Anzahl von Menschen aus dem Landesinneren kommt, um sich behandeln zu lassen. Zum Jahresende 2009 war die pädiatrische Station des Krankenhauses überfüllt und die Kapazität des Ernährungszentrums um 40 Prozent überschritten. Die Überbelegung bedeutet, dass die Patienten sich Betten teilen oder auf dem Boden schlafen müssen.
- Die Erfahrung von Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone hat gezeigt, dass der Wechsel zu einem kostenlosen Gesundheitssystem dazu führt, dass plötzlich sehr viele Patienten mit schweren Krankheiten medizinische Hilfe aufsuchen. Zurzeit müssen alle Patienten, die das nationale Gesundheitssystem in Anspruch nehmen, eine Gebühr zahlen. Sie kann für eine ärztliche Sprechstunde der Einnahme von 25 Arbeitstagen entsprechen. Ärzte ohne Grenzen hat sich daher in der Vergangenheit öffentlich für die Abschaffung der Patientengebühren eingesetzt. Im Jahr 2009 unterstützten die Regierung und internationale Geber diese Forderung und begannen mit der kostenlosen Gesundheitsversorgung von Kindern unter fünf Jahren und Schwangeren. Noch ist allerdings unklar, ob die Behörden genügend Geldmittel und technische Unterstützung erhalten, um diese Strategie auch durchsetzen zu können. Ärzte ohne Grenzen gehört zu den wichtigen Organisationen, die landesweit medizinische Hilfe anbieten. Zudem bietet nur Ärzte ohne Grenzen außerhalb der Hauptstadt Freetown medizinische Hilfe für Kinder und Schwangere an. Jedes Jahr leisten die Teams Gesundheitsversorgung für mehr als 300.000 Patienten.
- Ernährungszentrum
- Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. Mütter erhalten beispielsweise eine kalorienreiche, mit Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien angereicherte Erdnusspaste, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum. Da mangelernährte Kinder anfälliger für Infektionskrankheiten sind, werden sie dort zum Beispiel gegen Masern geimpft.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken 300 bis 500 Millionen Menschen jährlich an Malaria, mehr als eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen setzt sich für die Behandlung mit schnell wirksamen und gut verträglichen Kombinationspräparaten auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin (ACT) ein.
- Impfkampagne
- Besteht die Gefahr einer Epidemie beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 in Sierra Leone aktiv.
April 2010
Fotos: William Daniels