Republik Kongo 2006: Integrierte Gesundheitsversorgung im Krankenhaus von Kindamba: die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln unter anderem Infektionskrankheiten wie TB und HIV und führen bei Notfällen chirurgische Eingriffe durch. © Jiro Ose
 
Republik Kongo 2006: Integrierte Gesundheitsversorgung im Krankenhaus von Kindamba: die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln unter anderem Infektionskrankheiten wie TB und HIV und führen bei Notfällen chirurgische Eingriffe durch.


Republik Kongo

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Zum Jahresende 2009 überquerten Zehntausende Menschen den Fluss Ubangi, um Zuflucht in der Republik Kongo zu finden. Sie flohen vor den Kämpfen in der Provinz Äquator, die zur Demokratischen Republik Kongo gehört.
  • Die Bevölkerung der Provinz Likouala, Republik Kongo, hat sich durch die Flüchtlinge verdoppelt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen boten den Menschen entlang des Flusses medizinische Hilfe an. Als die Mitarbeiter in die Stadt Bétou kamen, funktionierte nur das Krankenhaus und eines der Gesundheitszentren im Distrikt. Das Hospital war im Jahr 2003 von Ärzte ohne Grenzen gebaut worden. Umgehend reorganisierten die Teams die Notaufnahme und ambulante Versorgung sowie die allgemeinmedizinische, pädiatrische und chirurgische Station. Später kamen noch die gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung hinzu sowie ein Ernährungszentrum und Labor. Jeden Monat wurden rund 340 Patienten ins Krankenhaus aufgenommen und etwa 3.000 Sprechstunden geführt. Zu den häufigsten Krankheiten gehörten Atemwegsinfektionen, Malaria und Durchfall. Heute verfügt der Distrikt über sechs funktionierende Gesundheitszentren. Die Teams fahren zudem mit mobilen Boot-Kliniken den Fluss entlang, um auch entlegene Ansiedlungen zu erreichen. Sie bieten allgemeinmedizinische und vorgeburtliche Hilfe an und behandeln schwere Mangelernährung. Monatlich führten die Mitarbeiter im Jahr 2010 rund 10.000 Konsultationen durch. Dringende Fälle wurden ins Krankenhaus nach Bétou überwiesen.
  • In der weiter südlich gelegenen Stadt Impfondo unterstützte Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme sowie die medizinische, geburtshilfliche, chirurgische und pädiatrische Station des Krankenhauses. Die Teams arbeiteten zudem in Gesundheitszentren und betreuten mobile Kliniken im Norden und Süden der Stadt. Monatlich hielten sie etwa 3.600 Sprechstunden. Im Juli 2010 wurden die Aktivitäten in das 20-Betten-Krankenhaus in Bolembé verlegt, 60 Kilometer südlich von Impfondo, da es näher bei den Flüchtlingen liegt.
  • Zum Ende des Jahres brach im Südosten des Landes eine Polio-Epidemie aus. Besonders betroffen war die Stadt Pointe-Noire. Die Behörden registrierten insgesamt 542 Kranke und 220 Todesfälle. Das Wiederauftauchen dieser Krankheit, die extrem hohe Todesrate und die Tatsache, dass vor allem Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren betroffen waren, gaben Anlass zu großer Sorge. Auf Bitten des Gesundheitsministeriums und der Weltgesundheitsorganisation übernahm Ärzte ohne Grenze Ende Dezember die Intensivstation im Krankenhaus der Stadt. Auch wenn der Höhepunkt der Epidemie bereits vorbei war, wurden täglich Dutzende Patienten aufgenommen. Die medizinischen Teams behandelten die Symptome der Krankheit, wie Atembeschwerden und Muskelkrämpfe, und richteten zwei ambulante physiotherapeutische Zentren ein. Hier wurden die Patienten unterstützt, die bereits vor dem Ende ihrer Behandlung das Krankenhaus verließen. Dieses Projekt wird im Jahr 2011 beendet. Die Organisation Handicap International wird den physiotherapeutischen Teil übernehmen und den Patienten Hilfsgeräte für ihre Bewegungsfähigkeit zur Verfügung stellen. Die Gesundheitsbehörden und internationale Organisationen führten eine Polio-Impfkampagne durch, die drei Millionen Menschen umfasste. Ärzte ohne Grenzen stellte logistische Unterstützung für die Impfung von etwa 90.000 Menschen in der Umgebung von Bétou zur Verfügung.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Impfkampagne
Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 in der Republik Kongo präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: Jiro Ose



Länderinformationen

Kongo Republik
Kongo Republik
Fläche:342 000 km²
Einwohner:3,615 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
81/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):52 J.
Lebenserwartung (Frauen):54 J.
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