Nigeria 2007: Gewaltopfer und Opfer von Verkehrsunfällen stellen den Hauptanteil der Patienten im Traumazentrum in Port Harcourt. © Vanessa Vick
 
Nigeria 2007: Gewaltopfer und Opfer von Verkehrsunfällen stellen den Hauptanteil der Patienten im Traumazentrum in Port Harcourt.


Nigeria

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im Jahr 2010 loderten erneut ethnische und religiöse Spannungen im Norden und Süden des Landes auf. Die Gesundheitsversorgung litt weiterhin unter mangelnden Ressourcen.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Ein Nothilfe-Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitete von Sokoto aus, im Nordwesten Nigerias. Es reagierte auf den Ausbruch von Krankheiten sowie die Folgen von Naturkatastrophen, gewalttätigen Konflikten oder Bevölkerungsbewegungen in vier Bundesstaaten. So verteilten die Mitarbeiter nach dem Hochwasser im Bundesstaat Sokoto Hilfsgüter und leisteten medizinische Hilfe an Tausende vertriebene Familien. Zudem behandelten sie Patienten, die sich mit Masern, Meningitis oder Cholera infiziert hatten. In den Bundesstaaten Katsina, Bauchi und Borno versorgen die Teams zwischen August und November rund 9.480 Cholera-Patienten. In der Landesmitte reagierte Ärzte ohne Grenzen auf den Ausbruch von Cholera und Masern in den Bundesstaaten Kaduna und Plateau. Die Teams impften mehr als 15.600 Kinder in Kaduna und behandelten etwa 2.600 Masern-Patienten. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in der Stadt Jos lieferte Ärzte ohne Grenzen Medikamente und medizinisches Material an die wichtigsten Gesundheitseinrichtungen.
  • Die Großstadt Lagos hat 18 Millionen Einwohner - dort begann Ärzte ohne Grenzen im Juli 2010 ein Projekt im Armenviertel Makoto. Das Team bot hier medizinische und reproduktive Hilfe sowie Notfallversorgung an. Im Oktober startete zudem eine mobile Klinik, für das Jahr 2011 ist eine weitere im Lagunengebiet von Badia und Riverine geplant.
  • Die schlechte medizinische Versorgung im Norden Nigerias wirkt sich sehr nachteilig auf die Gesundheit von Müttern und Kindern aus. Im Bundesstaat Sokoto unterstützte daher ein mobiles Team die Klinik von Goronyo. Im Jahr 2010 begannen die Mitarbeiter damit, die Übertragung der HIV-Infektion von der Mutter auf das Kind bei der Geburt medikamentös zu vermeiden.
  • Im Bundesstaat Jigawa wurden in der Klinik in Jahun 402 Frauen operiert, die sich bei der Geburt eine Fistelverletzung zugezogen hatten. Diese entsteht, wenn die Geburt stoppt oder ungewöhnlich lange dauert und kein Kaiserschnitt möglich ist. Als Folge sind die Frauen oft inkontinent und werden von der Gemeinschaft verstoßen. In der Klinik in Jahun wurden 2010 rund 3.650 Babys entbunden. Im Krankenhaus von Kazaure behandelte Ärzte ohne Grenzen ab Juni zudem mehr als 6.600 schwer mangelernährte Kinder, von denen 1.700 stationär versorgt werden mussten.
  • Im Niger-Delta bleibt Gewalt ein großes Problem. Ärzte ohne Grenzen betreibt daher in Port-Harcourt, der Hauptstadt des Bundesstaates River, ein Krankenhaus mit 75 Betten. Im Jahr 2010 behandelten die Mitarbeiter rund 10.850 Patienten in der Notaufnahme, 42 Prozent von ihnen wiesen gewaltbedingte Verletzungen auf. Mehr als 2.000 Personen wurden ins Trauma-Zentrum aufgenommen und etwa 3.500 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Zudem behandelten die Mitarbeiter 645 Opfer sexueller Gewalt.
  • Bis April 2010 gaben die Teams in einer Klinik im Ogbia-Distrikt, Bundesstaat Bayelsa, 4.700 Konsultationen und impften 5.400 Kinder gegen Masern. Dann wurde das Projekt an die Behörden übergeben.
  • Das Schürfen von Gold war in sieben Dörfern des Bundesstaates Zamfara, im Nordwesten Nigerias, direkt verantwortlich für schwere Bleivergiftungen. Auf Bitten des Gesundheitsministeriums behandelte Ärzte ohne Grenzen etwa 400 bleivergiftete Kinder in zwei Behandlungszentren. Außerdem klärten die Teams die Bevölkerung über die Risiken bei der Goldgewinnung auf.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1996 in Nigeria präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: Vanessa Vick



Länderinformationen

Nigeria
Nigeria
Fläche:923 768 km²
Einwohner:151,319 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,3/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
100/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):44 J.
Lebenserwartung (Frauen):44 J.
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