Niger
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Ernährungskrisen sind chronisch in Niger. Doch eine sehr schlechte Ernte im Jahr 2009 führte im Folgejahr zu einer besonders schlimmen Krise. Die globale akute Mangelernährungsrate bei Kindern überschritt im Jahr 2010 den Notfall-Schwellenwert von 15 Prozent. Mehr als drei Prozent der Kinder unter fünf Jahren litt unter akuter schwerer Mangelernährung.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Das Ausmaß der Ernährungskrise wurde frühzeitig erkannt. Das Gesundheitsministerium, internationale Organisationen und nationale Vereine versorgten 328.000 akut schwer mangelernährte Kinder. Ärzte ohne Grenzen behandelte 148.000 Kinder. Selbst wenn die Kinder in qualitativ hochwertigen Ernährungsprogrammen behandelt werden, sterben zwischen drei und fünf Prozent der akut schwer mangelernährten Kinder. Aus diesem Grund arbeitet Ärzte ohne Grenzen seit einigen Jahren in den Ernährungsprojekten mit einem vorbeugenden Ansatz: Kinder unter zwei Jahren, die an moderater Mangelernährung leiden oder Gefahr laufen, mangelernährt zu werden, erhalten präventiv eine verzehrfertige ergänzende Nahrung. Im Jahr 2010 übernahmen die nigrische Regierung und die UN-Organisationen erstmals diesen innovativen Ansatz. 650.000 Kinder sollten erreicht werden. Ärzte ohne Grenzen stellte die ergänzenden Nahrungsmittelrationen für mehr als 202.000 Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren zur Verfügung. Vorläufige Ergebnisse einer Studie in der Region Zinder zeigen, dass diese Strategie eine bedeutende Auswirkung auf die Sterblichkeitsrate hatte. Maradi, Tahoua und Zinder waren die Regionen, die am stärksten von der Ernährungskrise betroffen waren. Insgesamt betreuten die Teams hier 44 Gesundheitszentren mit angeschlossenen Ernährungsprojekten.
- Mangelernährung und Malaria gehen einen unheilvollen Bund ein: Mangelernährung schwächt das Immunsystem des Kindes, so dass die Widerstandskraft gegen Malaria sinkt. Andererseits gehören Blutarmut, Durchfall und Erbrechen zu den Symptomen von Malaria, was wiederum zu Mangelernährung führen kann. In Zinder behandelte Ärzte ohne Grenzen 72.500 Malariafälle. Mehr als ein Viertel aller Kinder, die wegen Mangelernährung stationär versorgt wurden, litten auch an Malaria. In den drei Regionen Zinder, Maradi und Tahoua wurden insgesamt 216.330 Kinder unter fünf Jahren gegen Malaria behandelt.
- In vielen Landesteilen unterstützte Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser oder Gesundheitszentren und konzentrierte sich dabei auf die Mutter-Kind-Versorgung. Allein in Maradi behandelten die Teams 9.100 Kinder stationär und halfen bei 2.500 Geburten. In Dakoro führten sie 183.000 Konsultationen für Kinder unter fünf Jahren durch.
- Ärzte ohne Grenzen unterstützte zudem die Gesundheitsbehörden bei einer Meningitis-Impfkampagne. Insgesamt wurden 490.000 Menschen gegen verschiedene Stämme der Krankheit in Zinder, Maradi, Agadez und Madaoua (Region Tahoua) geimpft. Im Dezember führte das Gesundheitsministerium eine zweite Impfkampagne im Gebiet von Dosso und Boboye aus. Mehr als 90 Prozent der 627.000 Menschen wurde geimpft. Hierbei wurde ein neuer Impfstoff gegen Meningitis-A verwendet. Der Schutz dieses Impfstoffes ist viermal größer als der bisherig verwendete und hält bis zu zehn Jahre (zuvor drei Jahre). Der neue Impfstoff tötet zudem die Keime in gesunden Trägern der Krankheit, so dass diese ihn nicht mehr übertragen können. Wenn dieser Impfstoff flächendeckend eingesetzt würde, könnte sich die Anzahl der Meningitis-A-Epidemien drastisch verringern.
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
- Immunsystem
- Abwehrsystem des Körpers
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Meningitis
- Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.
- Impfkampagne
- Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Niger.
31. Mai 2011
Fotos: Laurent Chamussy/Sipa Press