Mosambik 2009: Untersuchung von Blutproben im Chamanculo Krankenhaus, wo Ärzte ohne Grenzen unter anderem HIV-Patienten behandelt. © Tomas Munita
 
Mosambik 2009: Untersuchung von Blutproben im Chamanculo Krankenhaus, wo Ärzte ohne Grenzen unter anderem HIV-Patienten behandelt.


Mosambik

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Trotz des jüngsten wirtschaftlichen Aufschwungs bleiben viele Bewohner Mosambiks von internationaler Hilfe abhängig. Von den 1,6 Millionen HIV-Positiven benötigen 430.000 dringend die überlebenswichtigen antiretroviralen Medikamente. Neben HIV ist Tuberkulose (TB) ein großes Problem, zumal bis zu 60 Prozent der TB-Patienten mit HIV infiziert sind. Die vielen HIV- und TB-Infizierten sind dabei eine große Last für das schwache Gesundheitssystem.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Seit dem Jahr 2001 kümmert sich Ärzte ohne Grenzen um HIV-Infizierte in Mosambik. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Teams Standards für die HIV-Pflege und -Behandlung eingeführt, wobei sie sich besonders auf die Therapie von HIV- und TB-Koinfektionen konzentrierten. Da immer mehr Menschen die überlebensnotwendigen antiretroviralen Medikamente benötigen, wird es immer schwieriger, sie in Behandlungsprogramme aufzunehmen. Vor allem, wenn sich kein Krankenhaus in ihrer Region befindet. Ärzte ohne Grenzen hat daher die HIV-Pflege und -Behandlung von den Krankenhäusern in die lokalen Gesundheitszentren dezentralisiert. Die umfassenden HIV/Aids-Projekte bieten freiwillige Tests, Beratung, Behandlung und Vorbeugung von opportunistischen Begleiterkrankungen, psychologische Hilfe, pädiatrische Diagnose und Therapie sowie die Verhinderung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind an. Bis Ende August 2010 erhielten mehr als 200.000 Patienten antiretrovirale Medikamente in Mosambik. Rund 33.000 von ihnen wurden von Ärzte ohne Grenzen behandelt. Aufgrund des enormen Ärztemangels im Land haben die Teams damit begonnen, einige ärztliche Aufgaben auf Pflegekräfte zu übertragen. Krankenschwestern und Pfleger werden fortgebildet, damit sie Patienten untersuchen, opportunistische Infektionen diagnostizieren und behandeln sowie die antiretrovirale Therapie verschreiben und überwachen können. Sie übernehmen also klassische Aufgaben von Ärzten. In der ländlichen Provinz Tete unterstützte Ärzte ohne Grenzen in einem Pilotprojekt Gruppen innerhalb der Gemeinden, die antiretrovirale Medikamente einnehmen. Die Gruppen bestehen aus etwa sechs Mitgliedern. Jeden Monat geht eine Person zum nächsten Gesundheitszentrum und holt für alle Gruppenmitglieder die antiretroviralen Medikamente ab. Gleichzeitig lässt sich die Person in der Klinik untersuchen. Die Gruppe wiederum achtet darauf, dass jedes Mitglied die Arzneimittel regelmäßig einnimmt. Wenn es im Verlauf der Behandlung zu Komplikationen kommt, werden diese im Gesundheitszentrum besprochen. Dieses neue Gruppen-Modell nimmt Druck von den Kliniken, da weniger Patienten kommen, um ihre Medikamente abzuholen. Es hilft zudem HIV-Positiven in entlegenen Regionen, regelmäßig ihre Arzneimittel zu bekommen, ohne jedes Mal selbst zur Klinik gehen zu müssen. Das Gesundheitsministerium hat dieses Konzept angenommen und wird es wahrscheinlich landesweit einführen.
  • Im September 2010 führte Ärzte ohne Grenzen eine epidemiologische Studie in der Provinz Niassa durch. Zuvor hatte es Berichte über Masernfälle und den Ausbruch einer Epidemie im benachbarten Malawi gegeben. Schließlich unterstützten die Teams die nationalen Behörden bei der Impfung von rund 250.000 Kindern gegen Masern in sechs Distrikten. Sie waren in erster Linie für die Planung der Logistik zuständig und trainierten zehn Impfteams des Ministeriums.
  • Ärzte ohne Grenzen hat in Mosambik einen Not-Bereitschaftsdienst installiert, der bei Naturkatastrophen und dem Ausbruch von Krankheiten reagiert, um die nationalen Katastrophen-Dienste zu unterstützen.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Logistik
Planung und Organisation aller Aufgaben, die zur Durchführung der Projekte notwendig sind.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1984 in Mosambik präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: Tomas Munita



Länderinformationen

Mosambik
Mosambik
Fläche:799 380 km²
Einwohner:21,781 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,05/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
100/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):41 J.
Lebenserwartung (Frauen):42 J.
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