Mali 2009: Von Ärzte ohne Grenzen geschulte sogenannte Malaria-Helfer führen direkt vor Ort in den Dörfern einfache Schnelltests durch, und behandeln leichte Fälle von Malaria mithilfe einer Kombinationstherapie auf Artemisinin-Basis schnell und wirksam. © Barbara Sigge/MSF
 
Mali 2009: Von Ärzte ohne Grenzen geschulte sogenannte Malaria-Helfer führen direkt vor Ort in den Dörfern einfache Schnelltests durch, und behandeln leichte Fälle von Malaria mithilfe einer Kombinationstherapie auf Artemisinin-Basis schnell und wirksam.


Mali

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

In Mali wurde die humanitäre Hilfe eingeschränkt, da sich Gruppierungen im Land befinden, die mit Al-Kaida im Maghreb (AQIM) in Verbindung gebracht werden. Der medizinische Bedarf im Land ist jedoch groß. Vor allem gibt es eine hohe Kindersterblichkeitsrate. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich daher auf die Gesundheitsversorgung von Kindern in den Regionen Sikasso und Koulikoro.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In Mali leiden viele Kinder unter Mangelernährung und Malaria. Im südlichen Distrikt Koutiala (Region Sikasso), nahe der Grenze zu Burkina Faso, stirbt jedes fünfte Kind vor dem fünften Geburtstag. Im Juli 2009 startete Ärzte ohne Grenzen ein pädiatrisches Projekt, das die Behandlung von Mangelernährung einschließt. Es richtet sich an Kinder unter fünf Jahren in der Stadt Koutiala und in fünf der 42 Gesundheitsbereiche des Distrikts. Im Jahr 2010 führten die Mitarbeiter mehr als 48.100 pädiatrische Sprechstunden durch. 33.300 dieser Kinder wurden auf Malaria diagnostiziert und 5.360 schwer mangelernährte Kinder behandelt.
  • Im Distriktkrankenhaus von Koutiala erweiterte Ärzte ohne Grenzen die Kapazität der Kinderstation: Gemeinsam mit Kollegen des Gesundheitsministeriums errichteten die Teams eine pädiatrische Intensivstation und eine Abteilung für die Versorgung von mangelernährten Kindern, arbeiteten im Krankenhaus, boten Trainings an und stellten die regelmäßige Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material sicher. Mehr als 9.900 Kinder wurden im Jahr 2010 ins Krankenhaus aufgenommen und Malaria in mehr als 82 Prozent der stationären Aufnahmen festgestellt.
  • Das Gesundheitsministerium und Ärzte ohne Grenzen begannen im März 2010 ein gemeinsames Projekt im Distrikt von Konseguela, Region Sikasso. Ziel ist es, die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren zu verringern. Das Projekt konzentriert sich darauf, die Behandlung zu vereinfachen und zu dezentralisieren sowie die Krankheiten Malaria, Mangelernährung, Lungenentzündung und Durchfall früh zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Im Gesundheitszentrum von Konseguela boten die Teams daher regelmäßige Sprechstunden für gesunde Kleinkinder unter zwei Jahren an. Dort bekamen sie auch zusätzlich verzehrfertige Nahrung, um Mangelernährung vorzubeugen. Im Dezember 2010 erhielten mehr als 1.250 Kinder diese Nahrung. Außerdem verteilten die Teams Moskitonetze an Familien mit kleinen Kindern. Fast 50 Prozent der 15.000 Sprechstunden im Jahr 2010 bezogen sich auf Malaria.
  • Jeden Monat besuchte zudem ein Team alle 17 Dörfer des Distrikts und führte Impfungen durch gegen Tuberkulose, Polio, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Masern und Gelbfieber. Außerdem behandelten die Mitarbeiter 9.400 Kinder unter fünf Jahren, die an einer unkomplizierten Malariaform erkrankt waren.
  • Im Dezember 2010 nahm Ärzte ohne Grenzen an einer nationalen Impfkampagne teil, die vorbeugend gegen Meningitis wirkt. Dabei wurde ein neuer Impfstoff verwendet, der zehn Jahre lang wirksam ist (früher drei Jahre) und die Übertragung von Mensch zu Mensch stoppt. Insgesamt wurden 728.900 Personen im Alter von 1-29 Jahren in drei Distrikten der Region Koulikoro geimpft.
  • Seit dem Jahr 2005 unterstützt Ärzte ohne Grenzen elf Gesundheitszentren in der Provinz Kangaba, Region Koulikoro. Neben basismedizinischer Versorgung konzentrierten sich die Teams vor allem auf Malaria. Kinder unter fünf Jahren und Schwangere wurden kostenlos behandelt. Die Kindersterblichkeitsrate verringerte sich dadurch um die Hälfte. Ärzte ohne Grenzen setzte sich daher bei der Regierung dafür ein, dass alle Kinder unter fünf Jahren in Mali kostenlos medizinisch versorgt werden.
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Impfkampagne
Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1984 in Mali.

 

31. Mai 2011
Fotos: Barbara Sigge/MSF



Länderinformationen

Mali
Mali
Fläche:1 240 192 km²
Einwohner:12,711 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
120/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):48 J.
Lebenserwartung (Frauen):49 J.
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