Mali
"Wir helfen den Menschen, sich selbst zu helfen" - Wie die Gesundheitsaufklärerin Madinata Maiga die Menschen im Kampf gegen Malaria stärkt
"Wisst ihr, wer ich bin?"
"Sie arbeiten für Ärzte ohne Grenzen."
"Und was macht Ärzte ohne Grenzen in Mali?"
"Sie helfen, Krankheiten wie Malaria zu heilen."
"Wir behandeln Malaria, ja. Und genau darüber will ich heute mit euch sprechen."
Madinata Maiga spricht mit Schülern der achten und neunten Klasse in der Schule von Kangaba, einer Stadt im Süden von Mali. Die junge Frau ist Gesundheitsaufklärerin für Ärzte ohne Grenzen. Sie besucht rund um Kangaba Dörfer, Schulen und Gesundheitszentren.
Madinata Maiga hält die 111 Schüler in dem überfüllten Klassenzimmer ganz in ihrem Bann. "Was ist Malaria?", "wie stecken wir uns an?" und: "Wie schützen wir uns vor der Krankheit?" Auf Antworten muss sie nicht lange warten: Die Schülerinnen und Schüler strecken die Hände in die Höhe, schnipsen mit den Fingern, rufen laut durcheinander. "Moi, Madame, moi!": "Ich, Madame, ich!" tönt es von allen Seiten.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Mali 2009: Wer viele richtige Antworten gegeben hat, erhält ein Moskitonetz.
Gemeinsam Lösungen finden
Die Jugendlichen kennen die
Malaria: Die meisten von ihnen sind bereits mehrmals in ihrem Leben daran erkrankt. Der fünfzehnjährige Cissé Koné sagt, dass Mücken die Krankheitserreger der
Malaria übertragen. Sein Freund Ibrahim Traoré weiß, dass Wasser, Müll und Pflanzen die Mücken anziehen. Und Mariam Si zählt die wichtigsten Symptome der
Malaria auf: Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schüttelfrost. "Die Jugendlichen wissen sehr viel", sagt Madinata Maiga. "Deshalb halte ich auch keine Vorträge. Die Kinder erarbeiten selbst die Probleme, die ihre Familien bedrohen. Gemeinsam suchen wir dann nach Lösungen".
Zum Beispiel das Problem, sich wirksam vor Mückenstichen zu schützen. "Wir verteilen zwar Mückennetze, die mit Insektenschutzmittel imprägniert sind. Die Menschen schlafen darunter und werden nachts nicht gestochen. Doch die Mücken schwirren auch in den frühen Abendstunden durch die Dörfer. Das ist ein großes Problem, denn das Leben findet fast ausschließlich draußen statt: auf den Feldern, wo am Abend die Kinder spielen, und um die Hütten herum, wo die Familien bis spät in die Nacht hinein sitzen, essen und sich unterhalten." Die Jugendlichen besprechen mit Madinata, wie sie und ihre Familien sich dennoch schützen können. Zum Beispiel lange Kleidung tragen, durch die die Mücken nicht durchstechen können. Und: Pfützen vermeiden, die Brunnen abdecken und ihre Hütten so sauber wie möglich halten.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Vorsorgeuntersuchungen retten Leben
Szenenwechsel: Im
Gesundheitszentrum von Kangaba impfen die Krankenpfleger heute Kleinkinder und führen Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere durch. Es ist Mittwoch, Markttag in Kangaba. An diesem Tag laufen die Frauen und Mütter ohnehin die weite Strecke in die Stadt, von manchen Dörfern sind es zwei Stunden zu Fuß. Viele sind gekommen, sie warten im Schatten auf ihre Untersuchung. Madinata Maiga nutzt die Zeit für Gesundheitsaufklärung. Ihr Thema heute:
Malaria in der Schwangerschaft. Für Schwangere ist die Krankheit sehr gefährlich, denn ihr
Immunsystem funktioniert nur eingeschränkt. Außerdem bleiben bei Schwangeren die üblichen Symptome der Krankheit häufig aus. Doch eine unbemerkte, nicht behandelte
Malaria kann zu Fehlgeburten führen oder das Kind schwer schädigen.
Deswegen sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Dabei testen die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die Frauen routinemäßig auf Malaria und geben ihnen Mückennetze für zu Hause mit. Außerdem erhalten die Frauen die sogenannte "mehrmalige vorsorgliche Behandlung" (Intermittent Preventive Treatment). Dabei nehmen sie zweimal, im vierten und im siebten Monat der Schwangerschaft, vorsorglich Tabletten zum Schutz vor Malaria ein.
Zusammen mit vierzehn weiteren malischen Kollegen von Ärzte ohne Grenzen betreibt Madinata Maiga Gesundheitsaufklärung in der Region Kangaba - eine Gegend, in der rund 100.000 Menschen leben. Die Teams sind viel unterwegs, sie besuchen jede Woche vier Dörfer. "Ich bin stolz, dass ich diese Arbeit machen kann", sagt Madinata Maiga. "Die Menschen hier sind stark, aber sie sind auch sehr verwundbar. Sie leben in großer Armut und häufig in großer Entfernung zum nächsten Gesundheitszentrum. Wir helfen den Menschen, sich selbst zu helfen. Damit sie und ihre Familien gesund bleiben."
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Immunsystem
- Abwehrsystem des Körpers
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
21. Februar 2010
Fotos: Barbara Sigge