Malawi 2006: Im Chiradzulu District Krankenhaus hört ein Pfleger die Lunge einer HIV-Patientin ab, die mit Tuberkulose koinfiziert ist. © Julie Rémy
 
Malawi 2006: Im Chiradzulu District Krankenhaus hört ein Pfleger die Lunge einer HIV-Patientin ab, die mit Tuberkulose koinfiziert ist.


Malawi

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

In den vergangenen Jahren hat sich die malawische Regierung bemüht, mehr Menschen eine antiretrovirale Therapie zu ermöglichen, um der Ausbreitung von HIV/Aids entgegenzuwirken. Schätzungsweise zwölf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist infiziert. Doch noch immer gibt es einen akuten Mangel an Pflegekräften und Ärzten. Viele Menschen können daher nicht behandelt werden.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Ärzte ohne Grenzen versorgt in den beiden südlichen ländlichen Distrikten Chiradzulu und Thyolo HIV/Aids-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten. Seit dem Start der Projekte (2001 Chiradzulu, 2003 Thyolo) haben mehr als 28.000 Patienten ihre antiretrovirale Therapie begonnen: 12.000 in Chiradzulu und 16.000 in Thyolo. 2007 erreicht Ärzte ohne Grenzen das Ziel, in Thyolo allen Erkrankten antiretrovirale Medikamente anzubieten. Damals werden 11.520 Menschen behandelt. Im Jahr 2008 nehmen mehr als 4.300 Patienten in Chiradzulu erstmals die lebensverlängernden Arzneimittel ein. In Thyolo sind es mehr als 4.400 HIV-Infizierte. Ärzte ohne Grenzen bemüht sich, die Anzahl und die Kapazität der Gesundheitszentren in diesen zwei Distrikten zu erhöhen. In 25 Kliniken sind Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums geschult worden, um antiretrovirale Medikamente zu verschreiben und die Patienten, die gesundheitlich stabil sind, weiterhin zu behandeln. Die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind wird an 20 Standorten in Thyolo verhindert und an zehn Standorten in Chiradzulu. Da viele Patienten in Malawi eine HIV/Tuberkulose-Koinfektion haben, bemüht sich Ärzte ohne Grenzen um eine frühzeitige Diagnose von Tuberkulose (TB). 2008 führen die Teams in Chiradzulu eine Studie mit solchen Patienten durch, die ihre Behandlung abgebrochen haben. Ziel ist es, die Ursachen für den Abbruch zu erfahren. Zu den Hauptgründen gehören das mit der Krankheit verbundene Stigma und die Reaktion der Familie und Dorfgemeinschaft, die mangelnde Information über die Medikamente und die Krankheit selbst sowie die subjektive Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands. Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen, um einen nationalen HIV/Aids-Behandlungsplan zu erstellen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nehmen an technischen Arbeitsgruppen auf nationaler Ebene teil und entwickeln so Gesundheitsprotokolle und Richtlinien mit, die landesweit angewandt werden. HIV/AIDS ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch ein kulturelles und soziales. Wir möchten erreichen, dass die Menschen für sich selbst die Verantwortung übernehmen. Deshalb verbreiten wir in den Gemeinden viele Informationen über HIV/Aids. Wir erklären, wo Hilfe angeboten wird, welche Nebenwirkungen die Medikamente verursachen und wie man gesund bleiben kann", erklärt Jomah Kollie, der verantwortliche Leiter der Gemeindeprojekte. Um die bisherigen Patienten an die Therapie zu binden und die steigenden Patientenzahlen bewältigen zu können, hat Ärzte ohne Grenzen Krankenschwestern und Pfleger darin geschult, die antiretrovirale Behandlung zu verschreiben. Diese Verantwortung haben zuvor nur Assistenzärzte, medizinische Hilfskräfte und Ärzte getragen. Ärzte ohne Grenzen hat einige Behandlungsaktivitäten in eher ländliche Gegenden dezentralisiert, damit die Patienten für ihre Routineuntersuchungen oder zum Abholen der Medikamente nicht mehr so weit laufen müssen. Das Pflegepersonal behandelt Begleitinfektionen und chronische Krankheiten. Laien-Berater und engagierte Freiwillige aus den Gemeinden - oft selbst HIV-positiv - führen die Tests durch und übernehmen die Beratung. Gleichzeitig helfen sie den Patienten, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Patienten aufzuspüren, die nicht mehr zur Therapie kommen. Fortschritte in der Behandlungsmethode ermöglichen es, dass stabile Patienten, die seit mindestens einem Jahr therapiert werden, nur noch alle sechs Monate anstatt alle zwei bis drei Monate zu ihrer medizinischen Untersuchung kommen müssen.
  • Mitte November 2008 wütet eine Cholera-Epidemie im Land. Ärzte ohne Grenzen hilft in drei ländlichen Gemeinden sowie in der Hauptstadt Lilongwe. Die Mitarbeiter behandeln mehr als 3.700 Patienten während der Epidemie. Zudem kümmern sie sich um die Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung in neun Gesundheitszentren und in einem Distriktkrankenhaus. Die Mitarbeiter schulen lokale medizinische und logistische Kräfte, unterstützen eine Klinik in Blantyre und führen Erkundungen an der Grenzen zu Mosambik durch.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt. Teams von Ärzte ohne Grenzen isolieren die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapieren vor allem mit einer speziellen Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Tuberkulose
Rund neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose, vor allem in ärmeren Ländern. Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Tuberkulose ist häufig eine opportunistische Infektion bei HIV/Aids. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwändig. Zunehmend werden die multiresistente (MDR-TB) sowie die extrem multiresistente Form (XDR-TB) der Tuberkulose diagnostiziert. In diesem Fall sind die Krankheitserreger gegen die meisten Medikamente resistent, und die Patienten müssen 18 bis 24 Monate lang täglich rund 20 Tabletten mit starken Nebenwirkungen einnehmen. Die Behandlung der extrem multiresistenten Form der Tuberkulose (XDR-TB) ist praktisch unmöglich.
Virus
Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1986 in Malawi.

 

Juli 2009
Fotos: Julie Rémy



Jetzt online spenden! Spendenkonto 97 0 97 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00 Servicetelefon für Spender - Mo-Fr. 8:00 - 18:00 Uhr - 030 - 700 130 130 Informationen zu 1-Cent-Überweisungen auf Ihr Konto Spendenquittung anfordern