Malawi
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Die HIV/Aids Pandemie hat Malawi hart getroffen: Beinahe eine Million Menschen sind HIV-infiziert. Das entspricht zwölf Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren. Zudem herrscht ein chronischer Mangel an medizinischen Fachkräften, und der Bedarf an antiretroviralen Medikamenten ist beträchtlich hoch. Zum Jahresende 2009 erhielten mehr als 183.000 Patienten in rund 300 Gesundheitszentren antiretrovirale Arzneimittel. Doch noch immer standen 300.000 Patienten auf der Warteliste.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Ärzte ohne Grenzen leistet zwar in den Distrikten von Chiradzulu und Thyolo eine qualitativ hochwerte HIV-Behandlung, doch im Rest des Landes ist sie selten. Da der Therapiebedarf sehr hoch ist, es aber an Fachpersonal mangelt, hat Ärzte ohne Grenzen die Behandlungsstrategie an die Bedingungen vor Ort angepasst. Die Behandlungsprotokolle wurden vereinfacht und die Therapie von Patienten an Pflegekräfte in lokalen Gesundheitseinrichtungen delegiert, damit die Patienten für ihre Behandlung nicht so weite Wege hinter sich bringen müssen. Nur wenn es um Kinder oder Schwangere geht oder wenn es Komplikationen gibt, werden die Patienten an Spezialisten überwiesen. Außerdem erhalten die Patienten psychosoziale Hilfe und Ernährungsunterstützung durch Berater, die ihnen helfen, die Behandlung richtig durchzuführen. Ärzte ohne Grenzen bemüht sich zudem, die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind zu verhindern, Behandlungsfehler aufzudecken und HIV-positive Kinder zu behandeln. Die Mitarbeiter versuchen insbesondere, die HIV-Therapie in die allgemeinmedizinische Behandlung zu integrieren. Die HIV-Angebote von Ärzte ohne Grenzen sollen so in die Strukturen der öffentlichen Gesundheitsversorgung eingegliedert werden. Seit Juli 2009 erhielt Malawi nur unregelmäßig antiretrovirale Medikamente. Ärzte ohne Grenzen schickte deshalb Notlieferungen an die Distrikte Chiradzulu und Thyolo, um zu verhindern, dass die 30.000 Patienten der Projekte ihre Behandlung unterbrechen müssen. Jede Unterbrechung der Therapie erhöht das Risiko, dass Patienten eine Arzneimittelresistenz entwickeln. Zum Jahresende 2009 stellte Ärzte ohne Grenzen antiretrovirale Medikamente für 30.000 Patienten in Chiradzulu und Thyolo zur Verfügung. Bei der Internationalen Aids-Konferenz im südafrikanischen Kapstadt präsentierte Ärzte ohne Grenzen im Juli 2009 die Arbeit in Malawi, um zu zeigen, dass eine breit angelegte antiretrovirale Therapie nicht den Druck auf das Gesundheitssystem erhöhen muss.
- Ende 2008 brach in der Hauptstadt Lilongwe Cholera aus, da die Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitäranlagen hatten. Da die Behörden Ärzte ohne Grenzen um Unterstützung baten, stellte die Organisation Hilfsgüter und Personal zu Verfügung und trainierte die einheimischen Gesundheitskräfte. Die Teams behandelten mehr als 3.700 Patienten während der Epidemie. Außerdem gaben sie logistische Unterstützung, um die Trinkwasser- und Sanitäranlagen in neun Gesundheitszentren sowie in einem Distriktkrankenhaus zu verbessern.
- Am 20. Dezember erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,2 die ländliche Karonga-Provinz im Norden des Landes. Mehr als 200 Personen wurden verletzt und 1.500 Bewohner obdachlos. Ärzte ohne Grenzen errichtete ein Gesundheitszentrum in einem Camp für Obdachlose und stellte die Trinkwasser- und Sanitärversorgung zur Verfügung. Die Teams garantierten auch, dass die Erdbebenopfer ihre HIV-Therapie weiterführen konnten.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Cholera
- Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Trinkwasser
- Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
- Virus
- Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 in Malawi aktiv.
April 2010
Fotos: Isabelle Merny / MSF