Madagaskar
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Im Jahr 2011 startete Ärzte ohne Grenzen ein Programm in einem entlegenen Gebiet im Süden Madagaskars. Hier leben viele Menschen, die kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, da die regionalen Krankenhäuser weit entfernt liegen.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):
- Es gibt zahlreiche ernsthafte Probleme innerhalb des madegassischen Gesundheitssystems, die durch die aktuelle Finanzkrise noch verschlimmert werden. So wurde das Gesundheitsbudget kürzlich um 50 Prozent gekürzt, und die Hälfte des aktuell tätigen medizinischen Personals wird in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen.
- Im April nahm Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in einem Krankenhaus der kleinen Stadt Bekily auf, die im Bezirk Androy liegt. Die Klinik verfügt über 20 Betten und bietet allgemeinmedizinische und pädiatrische Hilfe sowie die Versorgung von Müttern an. Da es keinen Operationssaal gibt, werden chirurgische und geburtshilfliche Notfälle in die Krankenhäuser nach Ejeda oder Isoanala gebracht, die vier und zwei Fahrstunden entfernt liegen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet auf allen drei Stationen des Krankenhauses in Bekily. Die Teams halfen bei rund 25 Geburten monatlich und nahmen mehr als 450 Patienten zwischen April und Dezember ins Krankenhaus auf. Sie unterstützten zudem drei Gesundheitszentren und mobile Kliniken in der Umgebung. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die Versorgung von Müttern, renovierten Kliniken, spendeten Material, boten Fortbildungen an und führten mit dem lokalen Personal gemeinsame Sprechstunden durch.
Ende Dezember wurde die Arbeit temporär eingestellt, da es zu Unstimmigkeiten zwischen Ärzte ohne Grenzen und dem Personal der Gesundheitsbehörden in Bezug auf ethische Fragen gekommen war. Diese betrafen u.a. die Entscheidung, wann die Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Da diese Fragen geklärt werden konnten, nahm das Team die Aktivitäten wieder auf.
- Zum Jahresende begann Ärzte ohne Grenzen, mit dem `Zentrum für Tuberkulose (TB), Tests und Behandlung´ zusammenzuarbeiten. Die Mitarbeiter im Krankenhaus in Bekily klärten über die Krankheit auf, screenten die Patienten auf TB und behandelten sie.
- In Madagaskar ereignet sich durchschnittlich einmal pro Jahr eine Naturkatastrophe. Zyklone und Überschwemmungen sind eine besondere Bedrohung und treffen die Insel meist zwischen November und März. Ärzte ohne Grenzen ist in engem Kontakt mit den `Nationalen Behörden für Katastrophen- und Risiko-Management´. Die Teams teilen Informationen und führen Evaluierungen durch, um schnell auf derartige Notfälle reagieren zu können.
- Tuberkulose
- Weltweit verbreitete und hoch infektöse Krankheit, die durch Mykobakterien verursacht wird. Häufig tritt sie zusammen mit der Immunschwächekrankheit HIV auf. Jährlich erkranken rund neun Millionen Menschen an Tuberkulose, mehr als 500.000 an einer multiresistenten Form. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die beiden wichtigsten Tuberkulose-Medikamente resistent, was die Behandlung erschwert. Die Heilungsrate liegt etwa bei 60 Prozent, die Kosten für die langwierige Behandlung betragen viele Tausend Euro.
Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1987 in Madagaskar.
01. Mai 2012