Liberia
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Obwohl Liberia auf dem Weg zu politischer Stabilität Fortschritte macht und der Wiederaufbau nach dem 14-jährigen Bürgerkrieg gut vorangeht, leben immer noch viele Menschen in Armut. Der Gesundheitssektor hat zudem aufgrund finanzieller Engpässe Schwierigkeiten, eine adäquate Versorgung zu gewährleisten. Besonders Frauen und Kinder sind gefährdet.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):
- Im Jahr 2009 stellte Ärzte ohne Grenzen in zwei Krankenhäusern und zwei Gesundheitszentren in der nordwestlichen Montserrado-Region kostenlos medizinische Hilfe zur Verfügung. Hier leben mehr als 30 Prozent der Bevölkerung: In einem Vorort der Stadt Paynesville arbeiteten die Teams in einem Krankenhaus für Frauen und Kinder, das über 106 Betten verfügt. Die Klinik bot vor allem Intensivpflege für Neugeborene sowie geburtshilfliche Dienste für Schwangere an, einschließlich chirurgischer Eingriffe. Während des Jahres behandelten die Mitarbeiter fast 7.000 Patienten. Dazu gehörten auch mehr als 1.100 Entbindungen und 2.600 chirurgische Notoperationen.
- Ärzte ohne Grenzen stellte auch kostenlose medizinische Hilfe in einem privaten Kinderkrankenhaus zur Verfügung, dass über 187 Betten verfügt. Es liegt in Bushrod Island, einem überbevölkerten Viertel der Hauptstadt Monrovia. Hier leben mehr als 500.000 Menschen. Rund 12.400 Kinder wurden im Jahr 2009 aufgenommen. Die Teams konzentrierten sich vor allem auf die Müttergesundheit und auf mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen. Außerdem integrierten sie die Behandlung chronischer Krankheiten wie HIV/Aids und Tuberkulose in die Gesundheitsversorgung.
- Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium betreute Ärzte ohne Grenzen Kliniken in zwei Vororten von Monrovia, in Clara Town und New Kru Town. Die Mitarbeiter boten unter anderem vor- und nachgeburtliche Hilfe an, führten Impfungen durch und stellten Arzneimittel zur Verfügung, um eine HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Insgesamt führten sie mehr als 112.000 Sprechstunden durch und entbanden 2.200 Babys.
- Im Jahr 2007 begann Ärzte ohne Grenzen mit der schrittweisen Übergabe der Projekte an das Gesundheitsministerium und andere Partner. Die Projekte in der Region Nimba, im Nordosten Liberias, wurden im April übergeben. Im August 2009 folgten die Aktivitäten im Gesundheitszentrum von Clara Town. Ärzte ohne Grenzen fuhr zudem die Tätigkeiten in zwei Krankenhäusern in Monrovia zurück.
- Kurz vor der Übergabe des Gesundheitszentrums in der Stadt Saclepea in der Region Nimba beendete Ärzte ohne Grenzen ein Forschungsprojekt, bei dem ein artemesininhaltiges Kombinationspräparat erfolgreich gegen Malaria getestet wurde.
- In einem Krankenhaus in Monrovia sowie in zwei Kliniken erhielten monatlich etwa 70 Opfer sexueller Gewalt medizinische und psychologische Hilfe. Mehr als drei Viertel der Patienten waren jünger als 18 Jahre. In den letzten Monaten des Jahres 2009 lief daher in Monrovia eine umfassende Aufklärungskampagne von Ärzte ohne Grenzen. Ziel war es, dass künftig mehr Opfer sexueller Gewalt innerhalb von drei Tagen medizinische und psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen.
- Ärzte ohne Grenzen setzte sich auch 2009 für eine kostenlose Gesundheitsversorgung in Liberia ein. Hierfür sind ein starker politischer Wille seitens der Regierung sowie finanzielle Ressourcen der internationalen Gemeinschaft nötig.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Impfung
- Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1990 in Liberia tätig.
April 2010
Fotos: Alessandra Vilasboas