Kenia
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
1,5 Millionen Menschen mit HIV/Aids leben in Kenia. Die Behandlung von HIV-Positiven ist daher ein Schwerpunkt für Ärzte ohne Grenzen. Außerdem versorgten die Teams Hunderttausende somalische Flüchtlinge in den Lagern nahe der Stadt Dadaab mit humanitärer und medizinischer Hilfe.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):
- Seit 2009 trägt Ärzte ohne Grenzen die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge im Lager Dagahaley, das zu mehreren Camps nahe Dadaab gehört. 300.000 Flüchtlinge leben hier sehr beengt auf einem Terrain, das nur für 90.000 Personen ausgerichtet ist. Neuankömmlinge müssen sich daher gezwungenermaßen außerhalb der Lager in Notunterkünften ansiedeln.
Die Teams betreuten im Camp Dagahaley ein Krankenhaus mit 100 Betten und vier Gesundheitsposten. Sie gaben 10.000 Konsultationen und nahmen etwa 600 Patienten pro Monat stationär auf. Außerdem versorgten sie 700 Familien mit Material für Unterkünfte und stellten gemeinsam mit anderen Organisationen Trinkwasser für Neuankömmlinge zur Verfügung.
Im Juli einigte sich Ärzte ohne Grenzen mit dem UN-Flüchtlingskommissariat darauf, die medizinische Versorgung in einem zweiten Lager, Ifo 2, zu übernehmen. Es liegt etwa zehn Kilometer von Dagahaley entfernt und ist für 80.000 Personen angelegt. Da die Verhandlungen zwischen der kenianischen Regierung und den Vereinten Nationen jedoch ins Stocken gerieten, konnten die Flüchtlinge bis zum Jahresende nicht umziehen.
Im entlegenen Ijara-Distrikt, der viele Flüchtlinge beherbergt, unterstützten die Teams die Geburtshilfe im Gesundheitszentrum von Sangailu sowie im Krankenhaus von Hulugho. Es ist geplant, die Aktivitäten auf Impfkampagnen und die Behandlung von Tuberkulose auszuweiten.
- Kenia hat enorme Fortschritte im Kampf gegen HIV/Aids und Tuberkulose (TB) gemacht. Trotzdem leiden weiterhin viele Menschen unter diesen Krankheiten. Um möglichst viele Menschen versorgen zu können, hat Ärzte ohne Grenzen die dezentralisierten Behandlungsprojekte ausgeweitet. Homa Bay ist der Distrikt, der am meisten von der HIV-Epidemie betroffen ist. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium behandelten die Teams in acht Kliniken rund 10.000 Patienten, darunter auch 850 Kinder unter 15 Jahren.
In der Hauptstadt Nairobi bot Ärzte ohne Grenzen HIV/Aids- und TB-Behandlung in den beiden Armenvierteln Mathare und Kibera an: Von den 7.400 Menschen, die hier mit HIV/Aids leben, erhielten 5.800 Patienten antiretrovirale Medikamente. In beiden Slums behandelten die Teams zudem monatlich rund 70 Opfer sexueller Gewalt, darunter viele Kinder.
In Kibera wurde gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium eine Arbeitsgruppe gebildet, um die Übergabe von drei Kliniken an die Behörden vorzubereiten. Als Teil der Übergabe wird Ärzte ohne Grenzen eine neue Klinik außerhalb des Armenviertels eröffnen.
Nach zehn Jahren übergab Ärzte ohne Grenzen das HIV/Aids-Projekt in Busia, einer ländlichen Region im Westen des Landes, an andere Organisationen. Das Projekt hat erfolgreich gezeigt, dass es möglich ist, auch in ressourcenarmen Regionen gute Ergebnisse mit der antiretroviralen Therapie zu erzielen.
- Nach sieben Jahren Kala-Azar-Behandlung in Pokot, nahe der Grenze zu Uganda, startete Ärzte ohne Grenzen ein Trainingsprogramm für das nationale Gesundheitspersonal der benachbarten Distrikte Turkana-Zentral und Turkana-Süd. Die Teilnehmer sollen Medikamente der ersten Therapielinie und - wenn nötig - auch der zweiten Therapielinie verschreiben können. Kala-Azar wird durch Sandfliegen übertragen und führt unbehandelt zum Tod.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Trinkwasser
- Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
- Impfkampagne
- Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1987 in Kenia präsent.
31. Mai 2011
Fotos: Dominic Nahr/Reportage by Getty Images