Kamerun
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
In Kamerun betreut Ärzte ohne Grenzen ein HIV-Pilotprojekt, in dem Patienten, die eine Resistenz gegen die HIV-Medikamente der ersten Therapielinie entwickelt haben, auf Arzneimittel der zweiten Linie umgestellt werden.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Die ersten HIV-Infizierten in Kamerun begannen im Jahr 2000 mit ihrer antiretroviralen Behandlung. Es gibt daher eine seit vielen Jahren bestehende Gruppe von Menschen, die therapiert wird. Etwa zehn Prozent aller Patienten, die antiretrovirale Medikamente zu sich nehmen, entwickeln nach ein paar Jahren Resistenzen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Ärzte ohne Grenzen in Douala, der größten Stadt Kameruns, durchführte. Diese Patienten müssen dann auf Medikamente der zweiten Therapielinie umgestellt werden, damit ihre Behandlung weiterhin erfolgreich ist. In ärmeren Ländern sind diese Arzneimittel jedoch meist nicht verfügbar, da sie sehr teuer sind.
Im Distriktkrankenhaus Nylon, in Douala, unterstützte Ärzte ohne Grenzen ein Pilotprojekt, um Patienten auf die zweite Therapielinie umzustellen. Die Mitarbeiter brachten medizinisches Fachwissen ein, führten Trainings durch, stellten die Medikamente zur Verfügung und machten Öffentlichkeitsarbeit. Ziel dieses Projektes ist es zu zeigen, dass es nötig und machbar ist, Medikamente der zweiten Therapielinie in ärmeren Ländern einzuführen. 58 Patienten begannen in den letzten Monaten des Jahres 2010 mit dieser lebensverlängernden Therapie.
- Die Mitarbeiter arbeiteten auch daran, die Behandlung derjenigen Patienten zu verbessern, die noch Arzneimittel der ersten Therapielinie nahmen. So ersetzten sie die am häufigsten benutzten Medikamente durch neuere, die weniger Nebenwirkungen haben. Dies sollte zu weniger Resistenzen führen. Im Jahr 2010 wechselten 187 Patienten die Medikation, und 295 HIV-Infizierte begannen ihre antiretrovirale Therapie mit neuen Arzneimitteln.
- Buruli Ulker ist eine bakterielle Infektion, deren Erreger verwandt ist mit dem Erreger von Lepra und Tuberkulose. Die Krankheit kann zu schmerzhaften Wunden und körperlichen Deformationen führen. Oft werden die Erkrankten von der Gemeinschaft ausgegrenzt. Die frühe Diagnose und Behandlung ist wichtig, um unabänderliche Verformungen zu verhindern. Die Therapie ist kompliziert, teuer und kann über ein Jahr dauern. Oft sind Antibiotika, Hauttransplantationen, spezielle Wundsäuberungen und Physiotherapie nötig.
Seit dem Jahr 2002 behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.000 Patienten in Akonolinga, einer Stadt im Zentrum Kameruns. Die Teams errichteten im städtischen Krankenhaus einen „Buruli-Pavillon“, in dem 2010 rund 120 Patienten Hilfe erhielten. Das Gesundheitsministerium erklärte den Pavillon zum nationalen Referenzzentrum für die Behandlung von Buruli Ulker.
- Cholera ist im äußersten Norden Kameruns endemisch. Der Ausbruch im Mai 2010, der auch die Nachbarländer Tschad, Niger und Nigeria betraf, war jedoch größer als sonst. Ärzte ohne Grenzen unterstützte die kamerunischen Behörden mit Hygienematerial und medizinischen Hilfsgütern. Außerdem errichteten die Teams zwei Cholera-Behandlungszentren in den Städten Maroua und Mokolo. In Kolofata und Mogode unterstützten sie das lokale Personal bei Hygienemaßnahmen und dem Management der Patienten. Zwischen Mai und September 2010 wurden in der Region Extrême-Nord 6.200 Fälle registriert. 410 Menschen starben an der Krankheit.
- Cholera
- Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
- Physiotherapie
- Krankengymnastik
- Resistenz
- Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2000 in Kamerun.
31. Mai 2011
Fotos: Marcell Nimführ