Guinea 2009: Präventionsmaßnahmen gegen die Malaria: Ärzte ohne Grenzen verteilt Moskitonetze in Matam, einem Stadtteil von Conakry. © Johann Buchot/MSF
 
Guinea 2009: Präventionsmaßnahmen gegen die Malaria: Ärzte ohne Grenzen verteilt Moskitonetze in Matam, einem Stadtteil von Conakry.


Guinea (Republik)

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Gesundheitseinrichtungen sind in Guinea schlecht verteilt, zudem mangelt es an Personal, Medikamenten und Ausrüstung. Überall dort, wo das nationale Gesundheitssystem die Bedürfnisse nicht decken kann, wenden sich die Menschen entweder an teure private Kliniken oder an traditionelle Heiler. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in der Hauptstadt Conakry und in der entlegenen Region Guéckédou. Die Teams bieten pädiatrische Dienste an, behandeln Malaria - die Haupttodesursache bei Kindern - und HIV/Aids.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Die Bewohner von Matam, einem Distrikt von Conakry, können sich eine Behandlung in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen nur selten leisten. Dies wirkt sich besonders nachteilig auf das Wohlergehen von kleinen Kindern und schwangeren sowie stillenden Frauen aus. Fast die Hälfte aller Kinder, die im ersten Monat sterben, ist nie in einer Klinik untersucht worden. Ärzte ohne Grenzen arbeitet daher gemeinsam mit den nationalen Gesundheitsbehörden daran, in drei Kliniken in Matam ein pädiatrisches Programm einzuführen. 60 Gemeindegesundheitshelfer wurden angestellt, um die Bevölkerung zu ermuntern, die Kliniken in Anspruch zu nehmen. Mehr als 42.400 Konsultationen wurden im Jahr 2010 durchgeführt, darunter etwa 14.200 aufgrund von Malaria. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten auch am Nationalen Institut für Kindergesundheit in Conakry. Sie trainieren und beraten dort medizinisches Personal. Zudem stellen sie sicher, dass alle Kinder kostenlos behandelt werden, die an die Neugeborenenstation oder das Ernährungszentrum des Instituts überwiesen werden. Im Jahr 2010 wurden fast 2.300 Kinder auf die Neugeborenenstation und mehr als 1.000 Kinder ins Ernährungszentrum aufgenommen, das die Teams im März eröffnet hatten.
  • Jedes Jahr erkrankt mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Guéckédou, einer Region im Süden des Landes, an Malaria. Die auf Artemesinin basierende Kombinationstherapie, die wirksamer ist als traditionelle Malaria-Medikamente und zudem die Entwicklung von Resistenzen vermeidet, ist in Guinea verfügbar. Trotzdem ist es in entlegenen Regionen weiterhin schwierig, diese Arzneimittel zu erhalten. Ärzte ohne Grenzen hat in Guéckédou begonnen, ein gemeindeorientiertes Präventions- und Behandlungssystem für Malaria aufzubauen. Die Teams unterstützen die Notfall- und Kinderstation im Krankenhaus von Guéckédou und arbeiten darüber hinaus in 15 Gesundheitszentren. Sie verteilen Moskitonetze, führen Aufklärungskampagnen durch und leiten Maßnahmen ein, um frühzeitig Erkrankte aufzuspüren. Gemeindegesundheitshelfer stellen sicher, dass Patienten mit Malaria so schnell wie möglich behandelt werden. In den letzten vier Monaten des Jahres 2010, als Ärzte ohne Grenzen dieses Projekt startete, führten die Mitarbeiter mehr als 9.700 Sprechstunden für Patienten mit Verdacht auf Malaria durch. Rund 5.800 Patienten wurden auf Malaria diagnostiziert und behandelt.
  • Verglichen mit anderen Ländern Subsahara-Afrikas ist HIV/Aids nicht sehr verbreitet. Allerdings gibt es größere Lücken im nationalen HIV-Programm. Ärzte ohne Grenzen behandelte zum Jahresende 2010 mehr als 5.000 HIV-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten. Dies entspricht etwa einem Drittel aller HIV-Patienten, die in Guinea therapiert werden. Vier Gesundheitszentren in Conakry werden zudem von Ärzte ohne Grenzen mit Medikamenten und Material, Strom und Wasser versorgt. Außerdem kontrollieren und trainieren die Teams das nationale HIV/Aids-Personal. Für 2011 ist geplant, mit zwei weiteren Gesundheitszentren in der Stadt zusammenzuarbeiten und auf die Anwendung von Methoden hinzuwirken, mit denen  insbesondere die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind vermieden werden kann.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Resistenz
Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1984 in Guinea aktiv.

 

31. Mai 2011
Fotos: Johann Buchot/MSF



Länderinformationen

Guinea
Guinea
Fläche:245 857 km²
Einwohner:9,833 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
97/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):54 J.
Lebenserwartung (Frauen):54 J.
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