Elfenbeinküste 2008: Ärzte ohne Grenzen fährt mit mobilen Kliniken zu den Menschen. © Frauke Kleinschmit
 
Elfenbeinküste 2008: Ärzte ohne Grenzen fährt mit mobilen Kliniken zu den Menschen.


Elfenbeinküste

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach vier Jahren Bürgerkrieg und politischem Stillstand ist 2007 das Jahr des Wandels: Im März unterzeichnen die Konfliktparteien ein Friedensabkommen, das zu einem Vereinigungsprozess zwischen dem von der Regierung kontrollierten Süden des Landes und dem Norden führt, der zuvor in den Händen der Rebellen lag. Nach der Bildung einer nationalen Unionsregierung wird im April die militärische Pufferzone zwischen den ehemals getrennten Landesteilen aufgelöst. Polizeikräfte aus beiden Lagern sichern nun dieses Gebiet. Da zunehmend Verwaltungsangestellte und medizinisches Personal in den Norden und Westen des Landes entsandt werden, kann Ärzte ohne Grenzen einige Projekte an die Behörden übergeben. Allerdings bleibt trotz des politischen Wandels die medizinische Versorgung für die meisten Ivorer schwierig, da sie kostenpflichtig ist. Ärzte ohne Grenzen setzt sich daher bei der Regierung dafür ein, dass die Menschen unentgeltlich medizinisch behandelt werden.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Bis April 2007 ist der Distrikt Bangolo in der damaligen Pufferzone sehr unsicher. Ärzte ohne Grenzen behandelt dort mehrere Menschen mit Schusswunden. Die Organisation entschließt sich angesichts der Gewalt, die wiederholten Angriffe, Diebstähle, Morde und Vergewaltigungen von Zivilisten in diesem Distrikt anzuprangern und gesammelte Zeugenaussagen zu veröffentlichen. Im Juni strukturieren die Mitarbeiter das Gesundheitszentrum von Bangolo zu einem Distriktkrankenhaus um. Seitdem können Patienten hier kostenlos stationär behandelt werden und eine ambulante Notversorgung erhalten. Darüber hinaus betreuen die Teams ein Gesundheitszentrum, fahren mit mobilen Kliniken durch den Distrikt und kümmern sich um unterernährte Menschen. Insgesamt führen sie 2007 mehr als 85.000 ambulante Konsultationen durch.
  • Im Westen des Landes nahe der liberianischen Grenze unterstützt Ärzte ohne Grenzen weiterhin das Krankenhaus von Danané. Im Zentrum der Aktivitäten stehen hier die stationäre Versorgung der Patienten, eine integrierte Tuberkulose- und HIV/Aids-Therapie, die Behandlung von Unterernährten sowie geburtshilfliche und pädiatrische Dienste.
  • Bis Oktober 2007 laufen Aktivitäten im lokalen Hospital von Bin Houyé sowie im Distriktkrankenhaus von Zouan Hounien, im Süden der ehemaligen Pufferzone. Diese Projekte werden im Herbst an die Behörden übergeben.
  • In den Distrikten Danané und Zouan Hounien betreuen die Teams bis Jahresende drei mobile Kliniken und 13 ambulante Ernährungszentren. Diese Projekte werden voraussichtlich 2008 beendet.
  • Da die Regierung zunehmend die Verantwortung für die medizinische Versorgung übernimmt, übergibt Ärzte ohne Grenzen einige Projekte an die Behörden, wie beispielsweise das Krankenhaus in Bouaké. In den ersten vier Monaten behandeln die Teams hier 1.243 Patienten stationär und 6.360 Menschen ambulant. Im Juni beenden die Mitarbeiter auch ihre Arbeit im Krankenhaus von Man, im Westen des Landes, wo sie seit 2003 tätig sind. Zu den Aktivitäten zählen die ambulante und stationäre Versorgung der Patienten, die Behandlung von HIV/Aids-Infizierten mit antiretroviralen Medikamenten, Kriegschirurgie sowie die operative Versorgung von Frauen mit geburtshilflichen Fisteln. Zwischen Januar und Juni 2007 führen die Mitarbeiter mehr als 1.200 chirurgische Eingriffe sowie 28.000 ambulante Untersuchungen durch. Im September laufen auch die Aktivitäten in der westlich gelegenen Stadt Guiglo aus. Die Anzahl der Konsultationen im Gesundheitszentrum beläuft sich bis zur Übergabe auf 26.800. Zudem nehmen die Mitarbeiter bis September 611 Kinder unter fünf Jahren in ein Ernährungsprogramm auf.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1990 in der Elfenbeinküste.

 

August 2008

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Fotos: Frauke Kleinschmit



Länderinformationen

Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
Fläche:322 462 km²
Einwohner:20,591 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
118/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):45 J.
Lebenserwartung (Frauen):47 J.
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