Dschibuti
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Trockenheit, steigende Nahrungsmittelpreise und eine zunehmende Anzahl von Migranten im Land wirkten sich stark auf die Versorgung der Bevölkerung in Dschibuti aus: Mangelernährung überschritt an verschiedenen Orten den Notfalllevel. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich daher im Jahr 2010 darauf, in den Armenvierteln von Dschibuti-Stadt den Grad an Mangelernährung bei Kindern zu verringern.
Die Aktivitäten im Überblick (Auszug)
- Im Jahr 2010 leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe für akut mangelernährte Kinder in den Distrikten von Balbala, Hayableh, Arhiba und PK 12. In diesen Distrikten leben vor allem Migranten und Asylbewerber sowie arme Dschibuter, die vom Land in die Stadt gezogen sind. Um so viele der 200.000 Slumbewohner wie möglich zu erreichen, gingen die Teams von Tür zu Tür. Sie untersuchten die Kinder auf akute Mangelernährung und klärten die Bevölkerung über die Krankheit auf. Je nach Grad der Mangelernährung wurden die Kinder an eines der sechs Ernährungszentren von Ärzte ohne Grenzen in den Armenvierteln überwiesen, wo sie ambulant behandelt wurden. Bei Mangelernährung mit medizinischen Komplikationen wurden die Kinder rund um die Uhr stationär im therapeutischen Ernährungszentrum versorgt, das über 35-Betten verfügt. Im Jahr 2010 erhielten 1.030 mangelernährte Kinder stationäre und mehr als 3.620 Kinder ambulante Hilfe.
- Ärzte ohne Grenzen impfte auch junge Patienten gegen Masern und leistete medizinische Nachsorge. Im Jahr 2010 wurden zudem fast 140 mangelernährte Kinder in den Ernährungszentren positiv auf Tuberkulose (TB) gestestet. Die Mitarbeiter behandelten die Kinder sowohl auf TB als auch gegen Mangelernährung, bevor sie an das nationale TB-Programm überwiesen wurden.
- In trockenen und halbtrockenen Gegenden wie in Dschibuti wechseln sich Regenfälle und Trockenheit normalerweise ab. Die Bauern schaffen es nur, rund 25 Prozent des nationalen Nahrungsmittelbedarfs zu decken. Das Land hängt daher stark von Importen ab. Steigende Nahrungsmittelpreise sowie die Anzahl der Migranten, die oftmals ihr Zuhause aufgrund von Nahrungsmittelengpässen verlassen haben, verschärfen die Ernährungsunsicherheit. Mangelernährung ist chronisch, wobei die Fälle zwischen August und November zunehmen. In dieser Phase kommt es zu Nahrungsmittelengpässen, da die Erntevorräte dann oft zu Ende gehen. Ärzte ohne Grenzen stellte fest, dass sich in dieser Zeit in einigen Ernährungszentren die Neuaufnahme mangelernährter Kindern verdoppelte.
- Im August 2010 machte ein Feuer im Distrikt Ambouli 125 Familien obdachlos. Ärzte ohne Grenzen organisierte die Verteilung von Nahrungsmitteln und überließ den betroffenen Familien Hilfsgüter.
- Ernährungszentrum
- Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
- Masern
- Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2008 in Dschibuti.
31. Mai 2011
Fotos: Claude Mahoudeau