Ärzte ohne Grenzen hatte im Distrikt Masisi eine Impfkampagne gestartet, um das Gesundheitsministerium bei der Bekämpfung einer Masernepidemie zu unterstützen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben am 17. Oktober in sieben Orten in den Regionen Ngomashi und Kimua Tausende Kinder geimpft. Die Regionen werden von der FDLR kontrolliert. Alle an den Kämpfen beteiligten Akteure hatten Ärzte ohne Grenzen zugesichert, dass eine Impfung in den Orten ohne Gefahr durchgeführt werden könne. Die kongolesische Armee hat die Bevölkerung trotzdem in den Orten angegriffen. Die Menschen, die mit ihren Kindern zu der Impfkampagne gekommen waren, mussten aufgrund heftiger Kämpfe fliehen und haben sich in alle Richtungen zerstreut. Ärzte ohne Grenzen hat die Arbeit in der Region daraufhin eingestellt und die Mitarbeiter in die Stadt Goma evakuiert.
“Wir haben das Gefühl, als Köder missbraucht worden zu sein”, sagte Luis Encinas, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für die Programme in Zentralafrika. „Die Angriffe trafen genau mit dem Beginn der Impfkampagne zusammen und haben damit das Leben vieler Menschen riskiert. Tausende Menschen und unsere Mitarbeiter waren von der Schießerei eingeschlossen. Der Angriff ist ein inakzeptabler Missbrauch der humanitären Hilfe für militärische Zwecke. Es stellen sich sofort folgende Fragen: Wie wird Ärzte ohne Grenzen jetzt von der Bevölkerung wahrgenommen? Fühlen sich unsere Patienten noch sicher genug, um medizinische Hilfe aufzusuchen? Wir sehen uns gezwungen, die Situation öffentlich anzuprangern, da solche Aktionen unsere Neutralität gefährden.“
Ärzte ohne Grenzen ist eine unabhängige humanitäre Organisation, die unparteiliche medizinische Hilfe leistet, den Prinzipien der Neutralität entsprechend. Die Neutralität ermöglicht es, Impfkampagnen in der von der FDLR kontrollierten Zone durchzuführen, zu der das Gesundheitsministerium bis zu dem Zeitpunkt keinen Zugang hatte.
Die Angriffe der verschiedenen bewaffneten Gruppierungen auf humanitäre Organisationen haben in Nord- und Südkivu in den vergangenen Monaten zugenommen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 1992 in Nordkivu.
| Kongo Dem.Rep. | |
|---|---|
| Fläche: | 2 344 885 km² |
| Einwohner: | 64,205 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,1/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 129/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 43 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 45 J. |