D.R. Kongo 2009: Im Rahmen der Impfkampagne in dem Distrikt Masisi wurden 165.000 Kinder im Alter von sechs Monaten bis 15 Jahre gegen Masern geimpft. © Clémentine Lacroix
 
D.R. Kongo 2009: Im Rahmen der Impfkampagne in dem Distrikt Masisi wurden 165.000 Kinder im Alter von sechs Monaten bis 15 Jahre gegen Masern geimpft.


D.R. Kongo

Impfkampagne von Ärzte ohne Grenzen für militärische Zwecke missbraucht

Als Ärzte ohne Grenzen in sieben Orte in Nordkivu eine Impfkampagne durchgeführt hat, zu der sich Tausende Menschen versammelt hatten, wurden diese Orte im Rahmen der Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und den Rebellen der Demokratischen Kräften der Befreiung Ruandas (FDLR) angegriffen. Ärzte ohne Grenzen verurteilt den Missbrauch der humanitären Hilfe für militärische Zwecke aufs Schärfste.

 

Ärzte ohne Grenzen hatte im Distrikt Masisi eine Impfkampagne gestartet, um das Gesundheitsministerium bei der Bekämpfung einer Masernepidemie zu unterstützen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben am 17. Oktober in sieben Orten in den Regionen Ngomashi und Kimua Tausende Kinder geimpft. Die Regionen werden von der FDLR kontrolliert. Alle an den Kämpfen beteiligten Akteure hatten Ärzte ohne Grenzen zugesichert, dass eine Impfung in den Orten ohne Gefahr durchgeführt werden könne. Die kongolesische Armee hat die Bevölkerung trotzdem in den Orten angegriffen. Die Menschen, die mit ihren Kindern zu der Impfkampagne gekommen waren, mussten aufgrund heftiger Kämpfe fliehen und haben sich in alle Richtungen zerstreut. Ärzte ohne Grenzen hat die Arbeit in der Region daraufhin eingestellt und die Mitarbeiter in die Stadt Goma evakuiert.

“Wir haben das Gefühl, als Köder missbraucht worden zu sein”, sagte Luis Encinas, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für die Programme in Zentralafrika. „Die Angriffe trafen genau mit dem Beginn der Impfkampagne zusammen und haben damit das Leben vieler Menschen riskiert. Tausende Menschen und unsere Mitarbeiter waren von der Schießerei eingeschlossen. Der Angriff ist ein inakzeptabler Missbrauch der humanitären Hilfe für militärische Zwecke. Es stellen sich sofort folgende Fragen: Wie wird Ärzte ohne Grenzen jetzt von der Bevölkerung wahrgenommen? Fühlen sich unsere Patienten noch sicher genug, um medizinische Hilfe aufzusuchen? Wir sehen uns gezwungen, die Situation öffentlich anzuprangern, da solche Aktionen unsere Neutralität gefährden.“

Ärzte ohne Grenzen ist eine unabhängige humanitäre Organisation, die unparteiliche medizinische Hilfe leistet, den Prinzipien der Neutralität entsprechend. Die Neutralität ermöglicht es, Impfkampagnen in der von der FDLR kontrollierten Zone durchzuführen, zu der das Gesundheitsministerium bis zu dem Zeitpunkt keinen Zugang hatte.

Die Angriffe der verschiedenen bewaffneten Gruppierungen auf humanitäre Organisationen haben in Nord- und Südkivu in den vergangenen Monaten zugenommen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 1992 in Nordkivu.

Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Impfkampagne
Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.

 

6. November 2009

Fotos: Clémentine Lacroix



Länderinformationen

Kongo Dem.Rep.
Kongo Dem.Rep.
Fläche:2 344 885 km²
Einwohner:64,205 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
129/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
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