"Wir erleben gerade einen neuen Höhepunkt der Gewalt", sagt Romain Gitenet, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der kongolesischen Stadt Goma. "Wenn sich die Angriffe den Dörfern oder Vertriebenenlagern nähern, fliehen die Menschen in den Busch."
Ärzte ohne Grenzen hat mobile Kliniken und unterstützt Gesundheitszentren in Nord- und Südkivu. Die Mitarbeiter haben in der ersten Hälfte des Jahres 2009 nahezu 30.000 medizinische Untersuchungen durchgeführt und Cholerapatienten versorgt.
Ärzte ohne Grenzen passt die Aktivitäten den Vertriebenenbewegungen an, so dass jetzt auch die betroffene Bevölkerung in Südkivu erreicht wird. Die Teams unterstützen Gesundheitsposten und behandeln die Betroffenen. Es ist allerdings schwierig, die Vertriebenen zu erreichen, da die Sicherheitslage riskant und die Straßen schlecht sind. Die Kämpfe haben beispielsweise um die Stadt Hombo zugenommen und die Zahl der Vertriebenen steigt dort ebenfalls. Ärzte ohne Grenzen hat im Juli außerdem ein Projekt in der Stadt Lulingu gestartet, um dort die Vertriebenen wie auch die einheimische Bevölkerung zu versorgen.
"Als unser Dorf Katusi angegriffen wurde, bin ich mit meinem Ehemann und meinen vier kleinen Kindern in den Wald geflüchtet", sagte B, eine 30 Jahre alte Frau. "Ich hatte Angst, dass sie uns töten. Wir hatten uns im Wald versteckt. Ich sah einen Rebellen, der einige Häuser in einem nahegelegenen Dorf ausgeraubt hat. Sie haben zwei Frauen mit in den Wald genommen. Wir sind dann aufgebrochen und in den Ort Byangama geflüchtet, in dem wir bei einer Gastfamilie untergekommen sind. Ich gehe erst wieder in unser Dorf zurück, wenn ich ganz sicher weiß, dass dort keine Rebellen mehr sind."
Die Kämpfe haben während der vergangenen Wochen auch nordwestlich der Stadt Masisi im Westen von Nordkivu getobt. Es wird berichtet, dass in den Dörfern Kibati und Lwibo zwölf Menschen getötet und ihre Häuser verbrannt wurden. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben einige Verwundete in das Krankenhaus in Masisi überwiesen.
Ärzte ohne Grenzen ist die einzige internationale humanitäre Organisation, die in Nordkivu chirurgisch arbeitet. Im Krankenhaus in der Stadt Rutshuru führt das Team durchschnittlich zwölf Notoperationen pro Tag durch. Im vergangenen Monat wurden 50 Patienten mit Schusswunden behandelt. Die Grad an Gewalt ist weiterhin hoch, da bewaffnete Männer immer wieder Diebstähle, Überfälle und sogar Morde begehen. Ihre Zielgruppe sind diejenigen, die Wertsachen wie Geld und Mobiltelefone besitzen. Es herrscht ein Klima der Angst.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1992 in der Region Kivu im Osten der D.R. Kongo. Die Organisation hat in der Region Nordkivu in den Orten Rutshuru, Nyanzale, Kitchanga, Mweso, Masisi, Kabizo und Kanya Kliniken und Gesundheitszentren und in Südkivu in den Orten Chifunzi, Kirotshe, Chambucha, Baraka und Lulingu. Die Teams führen in den Vertriebenenlagern und für die einheimische Bevölkerung auch mobile Kliniken durch, in denen sie spezielle Hilfe für Opfer sexueller Gewalt anbieten und schwere Fälle mit einem Krankenwagen in die Krankenhäuser der Organisation bringen.
Ärzte ohne Grenzen hat in den Regionen Nord- und Südkivu fast 1.400 nationale und 115 internationale Mitarbeiter.
| Kongo Dem.Rep. | |
|---|---|
| Fläche: | 2 344 885 km² |
| Einwohner: | 64,205 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,1/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 129/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 43 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 45 J. |