Das Team von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Dungu, die 70 Kilometer von der jüngst attackierten Stadt Tora entfernt liegt, ist sehr besorgt um die Bevölkerung: Die Angreifer bewegen sich immer mehr in Richtung Dungu, das letztmals Anfang November vergangenen Jahres überfallen wurde.
In den Tagen vor dem Angriff auf Tora am 17. Januar wurden die Dörfer Sambia, Subani, Akwa und Tomati nacheinander überfallen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind den ersten Vertriebenen dieser Angriffe begegnet. Sie sind zunächst in die kleine Stadt Ndedu geflohen, die etwa dreißig Kilometer südlich von Dungu liegt. Nach den ersten Attacken im vergangenen Oktober war Ndedu Sammelpunkt für Vertriebene aus Dungu und anderen Orten im Norden, wie Duru und Bangadi.
Zehntausende Menschen befinden sich südlich des Garamba-Parks auf der Flucht nach Dungu. „Für das Team ist es immer schwieriger, diese Orte zu erreichen, um die Situation der Vertriebenen einzuschätzen, mobile Kliniken einzurichten und gegebenenfalls Überweisungen von Verletzten in das Krankenhaus von Dungu durchzuführen“, erklärte Charles Gaudry, Projektverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen vor Ort.
Die Hilfe ist aufgrund der angespannten Sicherheitslage eingeschränkt. Sogar Flüge können gefährlich sein, da nicht vorhersehbar ist, was die LRA in den angeflogenen kleinen Orten als nächstes tun wird. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen können daher immer nur ein paar Stunden an einem Ort bleiben, um rasch die Lage der Patienten in den Gesundheitseinrichtungen abzuschätzen, die am schwersten Verletzten zu evakuieren und Medikamente und medizinisches Material in die oft geplünderten Gesundheitszentren zu bringen.
Für Ärzte ohne Grenzen wie für die anderen wenigen Hilfsorganisationen ist es sehr schwierig, eine so große Region mit verstreut liegenden Dörfern und kleinen Städten einzuschätzen, in der die Angriffe und die Zahl der Vertriebenen und Ermordeten ständig zunehmen. Einer Untersuchung von „Human Rights Watch“ zufolge sind allein in der Weihnachtszeit mehr als 600 Männer, Frauen und Kinder ermordet sowie mehr als 500 Jugendliche entführt wurden.
„Wir verstärken unsere Teams. Allerdings müssen wir zugeben, dass es in der gegebenen Situation sehr schwierig ist, den Menschen zu helfen, die Hilfe, Schutz und Sicherheit so dringend brauchen“, betonte Marc Poncin, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen in Genf.
Die Mitglieder des Teams von Ärzte ohne Grenzen vor Ort erinnern sich noch genau an den Morgen des 1. November 2008: Beim Angriff auf Dungu ist das MONUC-Kontingent mit mehreren hundert Männern in den Kasernen geblieben und hat die Region den Angreifern überlassen. Ein lächerlicher Schutz angesichts ihrer Entschlossenheit und Gewalt.
| Kongo Dem.Rep. | |
|---|---|
| Fläche: | 2 344 885 km² |
| Einwohner: | 64,205 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,1/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 129/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 43 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 45 J. |