D.R. Kongo

"Nur die Frontlinien ändern sich, nicht aber der Konflikt" - Bericht aus Goma

Elke Felleisen ist gerade aus Goma zurückgekehrt. In den vergangenen zehn Monaten hat sie als medizinische Koordinatorin in der umkämpften Kivu-Region gearbeitet, im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Ihr Projekteinsatz ist beendet, der Konflikt aber hält an.

D.R. Kongo 2008: Vertriebene im Mungote Camp bei Kichanga. © Ärzte ohne Grenzen
D.R. Kongo 2008: Vertriebene im Mungote Camp bei Kichanga.

"Es ist mir nicht leicht gefallen, meinen Einsatz zu beenden. Denn zeitgleich hat die Gewalt in der Kivu-Region zugenommen. Was wir allerdings in diesen Tagen in und um Goma herum beobachten, ist nicht neu für uns. Vertreibungen in großem Umfang und anhaltende Gewalt sind im Kongo traurige Wirklichkeit geworden. Nur die Frontlinien ändern sich, nicht aber der Konflikt. Er dauert nun schon länger als 15 Jahre. Genauso lange hält die Tragödie der Menschen an, die in diesem Konfliktgebiet leben", so Elke Felleisen.

Die jüngste Zunahme der Gewalt zeigt nur, wie dringend in der Region gehandelt werden muss, in der Elke und ihr Team täglich die Opfer des Konflikts versorgen.

 

Leben in ständiger Angst

"Die Menschen in der Kivu-Region leben in ständiger Angst. Tausende wurden bereits vor Jahren vertrieben. Die jüngsten Kämpfe haben damit nichts zu tun. An vielen Orten fürchten sich die Menschen aber noch immer, in ihre Dörfer zurückzukehren. Nicht wenige sind sogar mehrfach geflohen.

Und immer nehmen sie nur das mit, was sie tragen können.", erklärt die Koordinatorin. "In einem Ort sind die Menschen sogar aus dem Krankenhaus geflohen, weil sie sich dort nicht sicher fühlten. Das ist empörend. Es zeigt, wie tief die Angst sitzt und wie sie die Menschen in der Kivu-Region belastet. Hinzu kommt, dass die ständige Unsicherheit den Zugang zu medizinischen Einrichtungen unglaublich erschwert. Wer Schüsse in den Straßen hört, überlegt sich natürlich zwei Mal, ob er das Risiko eingeht, ein Gesundheitszentrum aufzusuchen."

Elkes Felleisens Projekt deckt das Gebiet zwischen Goma und Saké ab, einschließlich Kitchanga und Mweso. Ärzte ohne Grenzen versucht hier, den Bedürftigen durch ländliche Gesundheitsposten und mobile Kliniken zu helfen.

Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.

 

Lebensbedingungen sind katastrophal

"In Kitchanga", erklärt sie, "haben wir Gesundheitsposten außerhalb von zwei Vertriebenencamps eröffnet. Wir bieten dort basismedizinische Versorgung an. Die Lebensbedingungen innerhalb der Camps sind katastrophal. Kitchanga liegt sehr hoch in den Bergen. Es regnet dort täglich und wird ziemlich kalt. Die Menschen bauen sich kleine Hütten aus Bananenblättern. Nur wenige haben das Glück, sie mit Plastikplanen schützen zu können. Der Boden ist steinig und uneben, und die meisten haben nur die Kleidung, die sie am Leib tragen."

Das größte Problem ist aber, dass es zu wenig Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen gibt. Regelmäßig brechen daher Epidemien aus. 2008 haben die Mitarbeiter bereits mehr als 2.000 Cholera-Patienten behandelt. Um Seuchen zu verhindern, sind Gesundheits- und Hygieneaufklärung wichtig, aber auch Masernimpfungen für Neuankömmlinge. "Wir sehen täglich in beiden Lagern 100 bis 200 Patienten. Glücklicherweise haben wir großartige kongolesische Mitarbeiter. Trotzdem ist es unglaublich schwierig. Es gibt so viel zu tun. Aber uns fehlen Partner, die sich um Trinkwasser, Sanitäranlagen und Ernährung kümmern", so Elke Felleisen.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

5. November 2008

Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Kongo Dem.Rep.
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Fläche:2 344 885 km²
Einwohner:64,205 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
129/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
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