Burundi
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist zwar für Kinder und Schwangere in Burundi kostenlos, wird aber vor allem durch den medizinischen Fachkräftemangel beschränkt. Die Folgen tragen vor allem Frauen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben jährlich etwa 4.000 Frauen bei der Geburt, und rund 1.000 Frauen entwickeln eine geburtshilfliche Fistel.
Zwei Jahre nach dem Friedensabkommen, das den mehr als ein Jahrzehnt währenden Bürgerkrieg in Burundi beendet, starten die Rebellen der Nationalen Befreiungsfront (FNL) im April 2008 eine Offensive gegen die Hauptstadt Bujumbura. Damit kehren Befürchtungen zurück, der Krieg könne wiederaufflammen. Im Juni unterzeichnen die Regierung und die Rebellen jedoch einen Waffenstillstand.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Im Jahr 2008 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Zentrum für gynäkologische und geburtshilfliche Notfälle in der Stadt Kabezi, in der westlich gelegenen Provinz Bujumbura Rural. Dieses Zentrum bietet medizinische Hilfe für Schwangere, die bei der Geburt Komplikationen erwarten, und deren Neugeborene. Ärzte ohne Grenzen betreut auch einen Rettungswagen-Service, um Frauen bei Bedarf von den 23 Gesundheitszentren nach Kabezi zu bringen.
- Geburtshilfliche Fisteln sind Verletzungen des Geburtkanals, die oft entstehen, wenn es bei der Entbindung zu Komplikationen kommt. Frauen mit Fisteln sind inkontinent und werden oft von ihrer Gemeinschaft verstoßen. Im Juli 2010 eröffnete Ärzte ohne Grenzen das Zentrum Urumuri in der Stadt Gitega, die im Zentrum Burundis liegt. Es ist das einzige Zentrum landesweit, das kostenlos rund um die Uhr Frauen mit Fisteln behandelt. Die Teams planen, in den nächsten drei Jahren jährlich rund 350 Frauen zu versorgen. Gleichzeitig sollen burundische Ärzte die spezielle Operationstechnik für Fisteln erlernen.
- Malaria ist die Haupttodesursache und häufigste Krankheit in Burundi. Sie ist verantwortlich für 48 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. 2010 behandelten die Teams von Ärzte ohne Grenzen 175.000 Malaria-Patienten und verteilten 134.000 Moskitonetze in den Provinzen Kayanza, Ngozi und Karuzi.
- Ärzte ohne Grenzen überwacht und evaluiert zudem den Ausbruch von Epidemien. Im Jahr 2010 unterstützten die Teams die nationalen Gesundheitsbehörden dabei, auf den Ausbruch von Cholera oder Masern zu reagieren. Sie behandelten die Patienten und stellten die Nachversorgung sicher. Außerdem nahmen sie an einer Masernimpfkampagne teil.
- Cholera
- Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Masern
- Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1992 in Burundi aktiv.
31. Mai 2011