Burundi
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Zwei Jahre nach dem Friedensabkommen, das den mehr als ein Jahrzehnt währenden Bürgerkrieg in Burundi beendet, starten die Rebellen der Nationalen Befreiungsfront (FNL) im April 2008 eine Offensive gegen die Hauptstadt Bujumbura. Damit kehren Befürchtungen zurück, der Krieg könne wiederaufflammen. Im Juni unterzeichnen die Regierung und die Rebellen jedoch einen Waffenstillstand.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Der jahrelange Bürgerkrieg hat das Gesundheitssystem des Landes geschwächt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen überprüfen daher regelmäßig, ob es zu akuten gesundheitlichen Notfällen, wie Epidemien oder Ernährungsengpässen, kommt.
- Im Juni eröffnen die Mitarbeiter ein neues Zentrum für geburtshilfliche Notfälle in Kabezi. Die Stadt liegt in der riesigen Provinz Bujumbura Rural, die rund 565.000 Einwohner zählt. Jeden Monat werden in dieser Fachklinik rund 100 Frauen medizinisch versorgt, bei denen es während der Schwangerschaft oder Entbindung zu Komplikationen kommt, die in den Gesundheitszentren nicht behandelt werden können. Dazu gehören auch Kaiserschnitte. Die Komplikationen tauchen zu 15-20 Prozent bei den Entbindungen auf. Die medizinische Hilfe von Ärzte ohne Grenzen ist in diesen Fällen sehr wichtig, da geburtshilfliche Notfälle für Mutter und Kind lebensgefährlich sein können. In der Folge kann es zur Sterilität oder zu Fisteln zwischen Scheide und Blase kommen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sorgen rund um die Uhr dafür, dass Frauen mit geburtshilflichen Notfällen im Krankenwagen von einem Dutzend Gesundheitszentren in die 35-Betten-Fachklinik nach Kabezi transportiert werden. Ärzte ohne Grenzen möchte mit diesem Projekt die Aufmerksamkeit auf die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit in Burundi lenken und hervorheben, wie wichtig es ist, dass Schwangere Zugang zu kostenloser Gesundheitsversorgung erhalten. Ein Präsidentschaftserlass aus dem Jahr 2006 garantiert Schwangeren und Kindern unter fünf Jahren kostenlose medizinische Hilfe in Burundi. Doch dieser freie Zugang bleibt für die Bevölkerung der Provinz Bujumbura Rural pure Theorie, da die Straßen in einem schlechten Zustand sind und es an Fachpersonal, Material und Medikamenten fehlt.
- Obwohl der jahrelange Konflikt beendet ist, bleibt sexuelle Gewalt in Burundi ein Problem. Im Jahr 2008 leistet das Seruka-Zentrum von Ärzte ohne Grenzen medizinische und psychologische Hilfe für Opfer sexueller Gewalt in der Hauptstadt Bujumbura. "Seruka" bedeutet in der nationalen Sprache Kirundi soviel wie "Die aus der Dunkelheit kommen". Seit der Öffnung dieses Zentrums im Jahr 2003 sind mehr als 7.000 Betroffene hier behandelt worden. Dabei stellen die Mitarbeiter fest, dass immer mehr junge Patienten betroffen sind. Im Jahr 2008 sind 60 Prozent der Opfer nicht einmal 19 Jahre alt. Die Hälfte von ihnen ist unter zwölf Jahren. Die Statistiken zeigen deutlich, dass viele Täter Zivilisten sind und aus dem Umfeld des Opfers stammen. Das Seruka-Zentrum ist in Burundi einzigartig. Es ist schwer für die Opfer sexueller Gewalt, angemessene Hilfe zu finden, obwohl Vergewaltigung als medizinischer Notfall gilt. 2008 gründen lokale medizinische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die "Seruka Initiative für Vergewaltigungsopfer", die 2009 alle Aktivitäten des Seruka-Zentrums von Ärzte ohne Grenzen übernehmen wird.
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1992 in Burundi präsent.
Juli 2009
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