Angola 2007: Der Gesundheitsposten in Samba wird im Frühjahr 2007 an die angolanischen Behörden übergeben. © Michael Bader
 
Angola 2007: Der Gesundheitsposten in Samba wird im Frühjahr 2007 an die angolanischen Behörden übergeben.


Angola

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach 24 jähriger kontinuierlicher Arbeit in Angola zog sich Ärzte ohne Grenzen im August 2007 vollständig aus dem Land zurück. Zu Beginn der achtziger Jahre ging es vor allem um medizinische Nothilfe in den umkämpften Regionen des Bürgerkriegslandes. Diese Arbeit wurde in den Folgejahren um Basisgesundheitsprojekte erweitert. Auch Krankheiten wie Tuberkulose, HIV/Aids oder die Schlafkrankheit wurden behandelt. Darüber hinaus reagierte Ärzte ohne Grenzen auf den Ausbruch zahlreicher Epidemien wie Meningitis, Masern, Cholera oder hämorrhagisches Fieber. Hinzu kamen Projekte gegen Unterernährung.

Nach dem Friedensabkommen im Jahr 2002, das den 27-jährigen Bürgerkrieg in Angola beendete, startete die Regierung den allmählichen Wiederaufbau des Gesundheitssystems. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen begannen daraufhin im Jahr 2006, erste Projekte zu schließen oder an andere Hilfsorganisationen und die Regierung zu übergeben.

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.
Schlafkrankheit
Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Noch im Jahr 2006 reagierten die Mitarbeiter auf den schwersten Choleraausbruch, der bislang in der Geschichte des Landes dokumentiert wurde. Das rasche Anwachsen der Städte, mangelhafte Trinkwasser- und Sanitärsysteme sowie eine unorganisierte öffentliche Gesundheitsversorgung trugen dazu bei, dass bei sehr heftigen Regenfällen im Februar 2006 Cholera ausbrach. Die Teams behandelten mehr als 26.000 Menschen während ihres Einsatzes, der bis September dauerte.
  • Im November 2006 kam es erneut zu einem Choleraausbruch in der Provinz Huila. Dieses Mal versorgten die Teams bis Januar 2007 rund 6.000 Patienten.
  • In Kuito, Provinz Bié, beendete Ärzte ohne Grenzen die Arbeit im Provinzkrankenhaus, in dem die Mitarbeiter zuvor rund 500 Tuberkulosepatienten versorgt hatten. Darüber hinaus übergaben sie ein Malariaprojekt an die lokalen Behörden.
  • Ebenfalls in der Provinz Bié übergaben die Teams die Betreuung des 80-Betten-Krankenhauses in Camacupa sowie vier Gesundheitsposten an das Gesundheitsministerium. Die medizinischen Aktivitäten konzentrierten sich hier zuvor auf die Behandlung von Tuberkulose, Malaria und Unterernährung. Das Ministerium übernahm auch die Verantwortung für ein städtisches Hospital in Cuemba, das für die Versorgung von rund 84.000 Einwohner und Rückkehrer zuständig war. Ärzte ohne Grenzen übergab beide Projekte zum Jahresende 2006.
  • In Mavinga, Provinz Cuando Cubango, engagierte sich schließlich das Gesundheitsministerium in dem lokalen Krankenhaus, das Ärzte ohne Grenzen seit dem Waffenstillstand im Jahr 2002 unterstützt hatte.
  • Im Mai 2007 übergaben die Teams von Ärzte ohne Grenzen auch das Projekt in der Stadt Malanje an die Behörden. Seit 2003 waren hier vor allem Patienten mit HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria behandelt worden.
  • In der Provinz Lunda Norte behandelten die Mitarbeiter zwischen Januar 2006 und April 2007 rund 270 Schwangere. Seit Mai 2007 liegt die Verantwortung für dies Aktivitäten in den Händen des Ministeriums.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

August 2007
Fotos: Michael Bader



Länderinformationen

Angola
Angola
Fläche:1 246 700 km²
Einwohner:18,021 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
154/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):40 J.
Lebenserwartung (Frauen):43 J.
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