Äthiopien 2008: Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen im Süden des Landes. © Eymeric Laurent-Gascoin / MSF
 
Äthiopien 2008: Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen im Süden des Landes.


Äthiopien

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im Jahr 2010 leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe in den vier Regionen Somali, Oromia, Amhara und Gambella.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Die Region Somali ist eine der am wenigsten entwickelten im Land, verfügt über eine schlechte Gesundheitsversorgung und ist besonders anfällig für Nahrungsmittelunsicherheit. Hinzu kommt, dass militärische Konfrontationen zwischen Regierungstruppen und Aufständigen den Zugang zu medizinischer Hilfe erschweren. Im Distrikt Ost-Imey unterstützt Ärzte ohne Grenzen seit 2009 eine Klinik mit 15 Betten. Im Dezember starteten die Teams zudem ein TB-Behandlungsprogramm, in das noch im selben Monat 15 Patienten aufgenommen wurden. Im Gesundheitszentrum in West-Imey boten die Teams allgemeinmedizinische und vorgeburtliche Konsultationen an, behandelten Mangelernährung, führten Impfungen durch und betreuten mobile Kliniken. In den beiden Kliniken in Ost- und West-Imey wurden im Jahr 2010 insgesamt rund 29.300 Patienten behandelt. In Teilen der Zone Warder, im Osten der Region, herrscht ein bewaffneter Konflikt. In drei von vier Distrikten dieser Zone leistete Ärzte ohne Grenzen basismedizinische Versorgung, unterstützte die Geburtshilfe und behandelte Mangelernährung und TB. Zudem wurden 1.400 Patienten stationär versorgt. Insgesamt gaben die Teams 63.700 Sprechstunden, halfen bei 342 Geburten, nahmen 158 TB-Patienten auf und behandelten 1.200 Personen, die an Masern erkrankt waren. Neben umfassender Gesundheitsversorgung in der nördlichen Zone Degehabur unterstützte Ärzte ohne Grenzen auch somalische Flüchtlinge mit medizinischer Hilfe im Übergangslager Dolo Ado, im Süden der Region.
  • Im Distrikt Anchar, Region Oromia, fehlt es selbst bei guter Ernte an Nahrung. Ärzte ohne Grenzen belieferte daher regelmäßig 25 öffentliche Ernährungszentren mit Medikamenten und Nahrung. Im Jahr 2010 behandelten die Teams 533 schwer mangelernährte Kinder ambulant. Zudem wurden 147 schwer mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen stationär versorgt. Ärzte ohne Grenzen startete auch ein ergänzendes Ernährungsprojekt, in das 1.000 Kinder und 680 Schwangere oder stillende Frauen aufgenommen wurden.
  • Während der Saat- und Erntezeit suchen viele Äthiopier Arbeit in der nördlichen Region Amhara. Viele Wanderarbeiter leiden unter Kala-Azar, Tuberkulose und HIV/Aids. Da es in der Region nur wenige Kliniken gibt, behandelt Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Abdurafi Patienten, die an Kala-Azar erkrankt sind. Die durch den Biss einer Sandfliege übertragene Infektionskrankheit führt unbehandelt zum Tod. Die Teams untersuchten im Jahr 2010 etwa 1.500 Personen auf Kala-Azar und behandelten 394 Patienten. Außerdem erhielten 416 HIV-Positive antiretrovirale Medikamente, und 600 Personen wurden ins Ernährungsprogramm aufgenommen. Im Distrikt Telemt versorgten die Mitarbeiter rund 960 schwer mangelernährte Kinder. Dieses Projekt wurde zum Jahresende an die Behörden übergeben.
  • Im Mai 2010 eröffnete Ärzte ohne Grenze eine neue Klinik in der westlichen Region Gambella. Die Teams gaben insgesamt 29.000 Konsultationen, versorgten 873 Patienten stationär, halfen bei zehn Geburten monatlich und hielten von April bis Dezember etwa 6.800 Sprechstunden in mobilen Kliniken. Zu den wichtigsten Krankheiten gehörten Atemwegsinfektionen, Durchfall und Malaria.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Infektionskrankheit
Krankheit, die durch das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst wird.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte  ohne Grenzen arbeitet seit 1984 in Äthiopien.

 

31. Mai 2011
Fotos: Eymeric Laurent-Gascoin / MSF



Länderinformationen

Äthiopien
Äthiopien
Fläche:1 133 380 km²
Einwohner:80,713 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,05/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
80/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):42 J.
Lebenserwartung (Frauen):43 J.
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