Viele Personen sind direkte oder indirekte Opfer von Gewalt. Sie wurden verletzt, bedroht oder aus ihren Häusern vertrieben. Ihre genaue Zahl lässt sich nur schwer schätzen. Andere haben ihr Zuhause wegen von Zusammenstößen oder Machtstreitigkeiten zwischen Clans oder extremistischen Gruppen verlassen. Andere sind geflohen ehe sie zwischen die Konfliktlinien kommen konnten. Manche Frauen sind nach dem Tod ihrer Männer die Alleinernährer der Familie und suchen Schutz in Äthiopien, weil sie fürchten, bewaffnete Gruppen in Somalia könnten ihnen verbieten zu arbeiten.
Ein Großteil der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder, man sieht praktische keine Männer. Um nach Dolo Ado zu gelangen, sind sie fast einen ganzen Tag zu Fuß unterwegs. Sie haben nicht genug zu Essen, wenig Schutz und tragen nur wenige Habseligkeiten bei sich. Auch wenn sie nicht von weit her kommen, sind viele von ihnen schon wochenlang unterwegs, weil bewaffnete Gruppen sie aufhielten und zu überreden versuchten, das Land nicht zu verlassen. Den Flüchtenden wird erzählt, dass sie nie wieder zurückkehren können, wenn sie das Land einmal verlassen haben. Viele fliehen bei Nacht, wenn es leichter ist den bewaffneten Gruppen aus dem Weg zu gehen. Aber alle haben Angst, von ihnen entdeckt zu werden.
Die Zahl der Schutzsuchenden, die die äthiopische Grenzstadt Dolo Ado erreichen, hängt von der Situation in Somalia ab. Während in einer Nacht vielleicht nur 10 oder 20 Personen ankommen, können es in einer anderen 2.000 sein. Das Durchgangslager in Dolo Ado kann 1.000 Menschen aufnehmen. Wenn mehr Flüchtlinge ankommen, werden die Menschen in die zwei anderen Lager überwiesen. Zurzeit sind etwa 17.000 Menschen in Boqolmayo und fast 15.000 in Malkadida. Trinkwasser, Latrinen und Duschen müssen jederzeit ausreichend zur Verfügung stehen, was für die Leitung der Lager eine große Herausforderung ist. Oft teilen sich mehrere Flüchtlingsfamilien ein Zelt.
Bei der Ankunft haben die meisten Flüchtlinge medizinische Probleme, die auf die beschwerliche und lange Flucht zurückzuführen sind: Durchfall, Hautinfektionen, Erschöpfung, weil sie zu wenig Nahrung und Wasser hatten, und so weiter.
Manche verlassen die Lager wieder, wegen der beengten Verhältnisse oder weil sie Familie oder Freunde in der Region haben, die ihnen helfen können. Andere wollen lediglich eine begrenze Zeit bleiben; sie wollen in der Nähe der Grenze sein, jedoch nicht gleich in ihre Heimat zurückkehren. Alle aber wollen auf der äthiopischen Seite der Grenze bleiben, weil sie sich hier durch die wachsende Zahl äthiopischer Soldaten in der Grenzregion sicher fühlen.
Wir haben vor mehr als einem Jahr mit der Arbeit in dem Durchgangslager begonnen. Außerdem versuchen wir, allen Flüchtlingen, die über die Grenze kommen, medizinische Versorgung anzubieten. Wir führen ambulante Behandlungen durch, begleiten lebensnotwendige Überweisungen und impfen Kinder unter 15 Jahren gegen Masern. Seit mehr als sechs Monaten gibt es unser Ernährungsprogramm. Wir würden unser Angebot gerne ausweiten und sekundäre Gesundheitsversorgung anbieten.
Wen Sie mit den Flüchtlingen sprechen, sagen die Ihnen, dass der Grund für ihre Flucht nach Äthiopien, das Bedürfnis nach einem Leben in Frieden war. Wir hoffen, ihnen so lange helfen zu können, solange ihre Lebensumstände weiter so schwierig sind. Die Menschen brauchen anhaltende Hilfe, solange der Flüchtlingsstrom anhält.
| Äthiopien | |
|---|---|
| Fläche: | 1 133 380 km² |
| Einwohner: | 80,713 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,05/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 80/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 42 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 43 J. |