Unsere Hilfe in Syrien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Die Not von Millionen Menschen im Syrien-Konflikt würde eines der größten Hilfsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in der 44-jährigen Geschichte der Organisation erwarten lassen. Doch diese Hilfe wurde der Organisation 2014 verwehrt – unsere Arbeit konnte nur mit starken Einschränkungen durchgeführt werden.

Unsere Hilfe im Syrien Konflikt: Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Zu den größten Hindernissen für ein umfassendes medizinisch-humanitäres Hilfsprogramm im Syrien-Konflikt gehören die Gewalt und Unsicherheit, Angriffe auf medizinische Einrichtungen und auf das Gesundheitspersonal, das Fehlen staatlicher Genehmigungen und keine Sicherheitsgarantien für die Teams von Ärzte ohne Grenzen durch die bewaffneten Gruppen. 2014 ging der Krieg im Land ins vierte Jahr und zeichnete sich weiterhin durch brutale Gewalt aus, die nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschied. Rund 200.000 Menschen wurden getötet, und die Hälfte der Bevölkerung lebte als Vertriebene in Syrien oder als Flüchtlinge in den Nachbarländern. Ganze Gemeinden wurden belagert und waren von externer Hilfe abgeschnitten. Tausende Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker und Paramediziner wurden getötet, entführt oder gewaltsam vertrieben, so dass durch den Syrien-Konflikt ein riesiger Engpass an medizinischer Expertise und Erfahrung entstand. Am 2. Januar 2014 entführte die Gruppe ISIS, die später in Islamischer Staat (IS) umbenannt wurde, 13 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Unter ihnen waren acht syrische Kollegen, die einige Stunden später freigelassen wurden. Die restlichen fünf internationalen Mitarbeiter wurden bis zu fünf Monate festgehalten. Diese Entführung führte zum Rückzug von Ärzte ohne Grenzen und zur Schließung der Projekte in den Gebieten, die vom IS kontrolliert wurden. Dazu gehörten das Lazarett in der gebirgigen Region Jabal-Al-Akrad, im Westen des Regierungsbezirks Idlib, sowie zwei Gesundheitszentren in der Umgebung.
  • Während des Syrien-Konflikts betreute Ärzte ohne Grenzen 2014 drei Gesundheitseinrichtungen im Regierungsbezirk Aleppo, in dem einige der intensivsten Kämpfe stattfanden und der für die Syrer zu den wichtigsten Fluchtkorridoren in die Nachbarländer zählt. Eines der Hospitäler verfügte über 28 Betten, eine Notaufnahme, Geburts- und ambulante Hilfe. Zu den Angeboten gehörten Impfungen, orthopädische Untersuchungen und die Behandlung chronischer Krankheiten. Zudem stabilisierte das Team die Patienten im Krankenhaus, bevor sie bei Bedarf an andere Einrichtungen überwiesen wurden. Von diesem Krankenhaus aus lieferte Ärzte ohne Grenzen zudem Medikamente und medizinisches Material an zehn Lazarette, neun Erste-Hilfe-Stationen und drei Kliniken. Ein zweites Krankenhaus im Gebiet von Aleppo musste im August 2014 aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Am Rand von Aleppo unterstützte Ärzte ohne Grenzen ein drittes Hospital, das über zwölf Betten verfügte. An diesem Ort führten die Teams rund 22.000 ambulante Konsultationen  und mehr als 12.300 Notaufnahmen durch, nahmen mehr als 500 chirurgische Eingriffe vor und 1.200 Patienten stationär auf. Zudem leisteten sie vorgeburtliche Untersuchungen sowie psychologische Hilfe und führten Impfungen und bei Bedarf Überweisungen an andere Krankenhäuser durch.
  • Der Syrien-Konflikt hat zu massiven Engpässen an Gütern aller Art geführt. So hat das Benzin, das Familien für ihre Heizungen und Öfen benutzen, eine schlechte Qualität, was häufig Explosionen und somit Verbrennungen zur Folge hat. Im Regierungsbezirk Idlib betreute Ärzte ohne Grenzen im einzigen Krankenhaus für Verbrennungen im Norden Syriens die Notaufnahme. Die Teams boten die Versorgung von Wunden an, nahmen den Wechsel von Wundverbänden unter Betäubung sowie Hauttransplantationen vor und boten Physiotherapie sowie psychologische Hilfe an. 2014 kamen mehr als 1.800 Verbrennungsopfer in das Krankenhaus, rund 5.800 Patienten wurden in der Notaufnahme behandelt und 3.800 Patienten operiert. In Dörfern und Camps mit rund 100.000 Vertriebenen entlang der türkischen Grenze impfte Ärzte ohne Grenzen im August 2014 etwa 11.000 Kinder gegen Masern. Zudem boten die Teams Routineimpfungen für Kinder unter drei Jahren an, da diese aufgrund des Krieges eingestellt worden waren und in der Folge vermeidbare Kinderkrankheiten vermehrt auftraten.
  • Die Gesundheitszentren und Hospitäler im Regierungsbezirk Ar-Raqqah kämpften 2014 damit, Nachschub für Medikamente und medizinisches Material zu erhalten, genügend Fachkräfte zu beschäftigen und die Arzneimittel bei den richtigen Temperaturen lagern zu können. Der Syrien-Konflikt führte in Ar-Raqqah zu etwa 40.000 Menschen, die aus ihren Wohnungen und Häusern fliehen mussten. Die Gemeinden, die Vertriebene aufnahmen, spürten den zusätzlichen Druck auf Schulen und Gesundheitszentren. Ärzte ohne Grenzen unterstützte daher ein Gesundheitszentrum und die pädiatrische Station im Krankenhaus in Tal Abyad. Mobile Teams boten zudem Nothilfe für Vertriebene in diversen Ortschaften an und halfen bei Impfaktivitäten. Die Mitarbeiter führten mehr als 5.200 ambulante Konsultationen durch, impften 7.000 Kinder gegen Masern und übergaben diese Aktivitäten im Mai 2014 an das Gesundheitsministerium und die lokalen Behörden.
  • Im Nordosten des Landes, im Regierungsbezirk Al Hasakah, kam es durch den Syrien-Konflikt zu einem Engpass an Medikamenten, medizinischem Material und qualifizierten Fachkräften. Ärzte ohne Grenzen entsandte Personal und Arzneimittel, um die prä- und postoperative Versorgung auf der Unfallstation eines Krankenhauses zu unterstützen. Zudem renovierte ein Team die Geburtshilfestation und richtete sie mit neuen Geräten ein. Die Mitarbeiter führten auch ambulante Konsultationen sowie Mutter-Kind-Aktivitäten in zwei Kliniken durch. Seit 2013 bot Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken für die lokale Bevölkerung und Vertriebene in der Grenzregion zum Irak an. Die Teams konzentrierten sich auf die Basisgesundheitsversorgung für Mütter und Kinder. Sie impften die Kinder zudem gegen Polio, da im Oktober 2013 erstmals nach 14 Jahren wieder ein Polio-Fall aufgetreten war. Nachdem im Juni die Grenze zum Irak einseitig geöffnet wurde, flohen im August Zehntausende Iraker vor der Gewalt im irakischen Regierungsbezirk Ninewa nach Syrien. Ärzte ohne Grenzen leistete auf beiden Seiten der Grenze medizinische Hilfe.
  • Trotz zunehmender Restriktionen während des Syrien-Konflikts gelang es Ärzte ohne Grenzen, heimlich medizinische Einrichtungen zu unterstützen, die im Regierungs- und im Oppositionsgebiet lagen. Mehr als 100 improvisierte und im Untergrund operierende Einrichtungen in zwei Ortschaften entlang der syrischen Grenze sowie in sechs Regierungsbezirken erhielten so umfassende Hilfe. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich dabei zunehmend auf Einrichtungen, die in umkämpften Gebieten lagen. Die Teams schickten wichtige Arzneimittel sowie medizinisches Material, leisteten technische Hilfe und boten Trainings an. In einigen Gebieten stellten sie auch Rettungswagen zur Verfügung.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe im Syrien Konflikt an.

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