Südafrika

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Südafrika ist weiterhin im Mittelpunkt der weltweiten HIV/Aids-Epidemie. Mehr als sechs Millionen Menschen landesweit leben mit HIV.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Im vergangenen Jahrzehnt wurden innovative Behandlungsmodelle eingeführt. Rund 90 Prozent der HIV-Patienten erhalten zurzeit ihre Therapie durch den öffentlichen Sektor. Die Projekte, die Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2013 durchführte, unterstützten weiterhin die Stärkung der mit HIV lebenden Menschen, indem die Behandlungsansätze flexibler wurden und die Patienten Medikamente und Unterstützung in ihren Herkunftsgemeinden erhielten.
  • Khayelitsha ist ein armes Stadtgebiet am Rande von Kapstadt. Dort wurde 1999 das erste antiretrovirale Behandlungsprogramm (ARV) der ersten Therapielinie in Südafrika durchgeführt. Seitdem kam es zu zahlreichen Innovationen, u.a. zu den ARV-Treue-Clubs, die von Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2011 eingeführt wurden: Einzelsprechstunden im Gesundheitszentrum sind zeitraubend für die Patienten, die keine Zeit haben, um stundenlang für ihre Medikamente anzustehen. Sie sind zudem eine zusätzliche Belastung für die medizinischen Fachkräfte eines Landes, in denen die Gesundheitseinrichtungen personell chronisch unterbesetzt sind. Als Alternative führte Ärzte ohne Grenzen die ARV-Treue-Clubs ein, die HIV-Infizierten die Gelegenheit geben, sich alle zwei Monate zu treffen. Sie erhalten dann gleichzeitig Peer-Unterstützung, medizinische Kontrolluntersuchungen sowie neue Medikamente. Dieses Modell wurde sehr gut angenommen: Zwischen Januar 2011 und September 2013 wurden 231 ARV-Clubs in zehn Einrichtungen in Khayelitsha eingerichtet. Monatlich nahmen daran 7.733 Patienten teil.
  • Forschungsergebnisse von Ärzte ohne Grenzen haben ergeben, dass 97 Prozent der Mitglieder von ARV-Treue-Clubs ihre Behandlung durchgehalten haben im Vergleich zu 85 Prozent der HIV-Infizierten, die zwar die Bedingungen für die Aufnahme in einen Club erfüllten, aber weiterhin die übliche Versorgung in einer Klinik erhielten. Bei Club-Mitgliedern war es zudem zu 67 Prozent weniger wahrscheinlich, dass sie Behandlungsfehler erlebten.Im September 2013 wurden die Clubs an die lokalen Gesundheitsbehörden übergeben. Sie werden derzeit dank eines 15 Millionen US-Dollar-Darlehens des Globalen Fonds sogar ausgebaut. Gemeindebasierte Clubs werden gegenwärtig getestet.
  • KwaZulu Natal hat das höchste Tuberkulose-Vorkommen aller Provinzen in Südafrika. Tuberkulose bleibt die Haupttodesursache für Menschen mit HIV. Die Provinz ist zudem das landesweite Epizentrum der HIV-Epidemie: Jeder vierte Erwachsene ist infiziert. Das Projekt „Kurve kriegen“, das 2013 eingeführt wurde, zielt darauf, vielfache Strategien anzuwenden, um die hohe Koinzidenz von HIV und TB zu bekämpfen und die Höhe des Vorkommen gemäß dem südafrikanischen Nationalen Strategieplan zu senken. Zu diesen Strategien gehören die schnelle Ausweitung von gemeindebasierten Tests, eine größere Kontinuität bei der ARV- und TB-Behandlung, eine schnellere TB-Diagnose und –Behandlung sowie eine aggressive Präventions-Aufklärung, die auch die freiwillige männliche Beschneidung und eine frühere Behandlung von HIV einschließt.
  • Unverzichtbar für diese Ziele sind mobile Läden im Herzen der Gemeinde, in denen die Menschen gleichzeitig schnelle HIV-Tests und Behandlung erhalten. Im Jahr 2013 starteten die Teams von Ärzte ohne Grenzen ein ambulantes Programm für HIV-Tests und Gesundheitsaufklärung. Zielgruppe waren vor allem Wander-Farmarbeiter nahe Eshowe und Mbongolwane. Außerdem konzentrierten sich die Teams stärker auf den Nachweis der HIV-Viruslast, um die Wirksamkeit der antiretroviralen Behandlung zu überprüfen, sowie auf die Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten durch Pflegekräfte und die Aufklärung über ARV-Treue-Clubs.
  • Ärzte ohne Grenzen beteiligt sich gegenwärtig aktiv an der Kampagne zur „Veränderung der Patentgesetze“ in Südafrika. Ziel ist es, das Gesetz zu verschärfen, damit nur Patente auf Medikamente erlaubt werden, die wirklich innovativ sind. Das würde die Produktion und/oder den Import von Generika erleichtern und sie so erschwinglicher für die Patienten machen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1999 in Südafrika.

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