Unsere Hilfe in Sierra Leone

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen versorgte in Sierra Leone Ebola-Patienten. Ende Mai 2014 wurden erste Ebola-Fälle im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Guinea, offiziell bestätigt.

Unsere Hilfe in Sierra Leone: Ebola-Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Schon bevor in Sierra Leone Ebola ausbrach, hatte die Bevölkerung nur einen beschränkten Zugang zu medizinischer Hilfe. Das Gesundheitssystem war sowohl unterfinanziert als auch überlastet. Ärzte ohne Grenzen arbeitete vor dem Ausbruch in Gondama, nahe der Stadt Bo, in einem Pädiatrie- und Geburtshilfekrankenhaus. Außerdem betreuten die Mitarbeiter eine Geburtshilfeklinik, um der verheerenden Mütter- und Kindersterblichkeit im Land zu begegnen.
  • Als die ersten Ebola-Fälle bestätigt wurden, bat das Gesundheitsministerium Ärzte ohne Grenzen um Hilfe. Die Teams eröffneten am 26. Juni 2014 ein Ebola-Versorgungszentrum am Rande der Stadt Kailahun. Dort konnten sich Kranke testen und behandeln lassen. Die Mitarbeiter starteten auch Gesundheitsaufklärung, epidemiologische Überwachungsaktivitäten und trainierten das lokale Personal. Sie bildeten auch Dorfgesundheitshelfer aus, die die Bevölkerung darüber aufklärten, wie sie sich vor Ebola schützen können und was sie tun sollen, wenn sie erste Krankheitssymptome bei sich entdecken. Ein Psychologe von Ärzte ohne Grenzen unterstützte zudem die Patienten und ihre Familien, die Angehörige verloren hatten.
  • Als sich in Sierra Leone Ebola rasch ausbreitete, wurden die Patienten aus Ortschaften, die mehr als zehn Stunden entfernt waren, mit Rettungswagen ins Versorgungszentrum gebracht. Das Zentrum in Kailahun hatte eine maximale Kapazität von 100 Betten. Außerdem bauten die Teams im Oktober eine kleine Geburtshilfeklinik, wo schwangere Ebola-Patientinnen innerhalb der Hochrisikozone versorgt werden konnten.
  • Im September eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein zweites Ebola-Versorgungszentrum fünf Kilometer außerhalb der Stadt Bo mit einer Aufnahmekapazität von 104 Betten für Patienten. Die Teams starteten Gesundheitsaufklärung, epidemiologische Überwachungsaktivitäten, trainierten das lokale Personal und unterstützten die Gesundheitsbehörden.

  • Ein weiteres Ebola-Projekt bot Trainings für andere Organisationen an, die ebenfalls Ebola-Versorgungszentren betreuen wollten. Die Trainingseinheiten fanden in den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen oder bei den entsprechenden Organisationen statt. Insgesamt wurden Mitarbeiter von sechs Organisationen fortgebildet.

  • Als Anfang Dezember die Gesundheitseinrichtungen in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, Ebola-Patienten nicht mehr aufnehmen konnten, weil sie überfüllt waren, eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Versorgungszentrum in der zentral gelegenen Schule „Prince of Wales“. Dort standen 30 Räume und 70 Betten für verdächtige Fälle bereit. Hier war es möglich, die Intensivstation mit einer Plexiglas-Wand zu versehen, so dass die Patienten von außen überwacht werden konnten, ohne dass die Mitarbeiter bei der Hitze ständig die Schutzanzüge tragen mussten. Ärzte ohne Grenzen führte auch hier Gesundheitsaufklärung und epidemiologische Überwachung in neun Bezirken von Freetown durch, um das Nationale Ebola-Reaktionszentrum (NERC) dabei zu unterstützen, alle Ebola-Kontakte aufzuzeichnen und zu verfolgen. Epidemiologen besuchten das Gebiet und trafen sich täglich mit Mitarbeitern der Weltgesundheitsorganisation, dem Gesundheitsministerium und NERC, um die Hilfe zu verbessern. Ärzte ohne Grenzen trainierte zudem lokales Personal darin, die Wohnungen von Ebola-Patienten oder -Kontaktpersonen zu desinfizieren.

  • Am 15. Dezember 2014 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein viertes Ebola-Versorgungszentrum in Magburaka, Bezirk Tonkolili, mit den entsprechenden Begleitmaßnahmen wie Gesundheitsaufklärung, epidemiologischer Überwachung und Training von lokalen Mitarbeitern. Darüber hinaus stellte Ärzte ohne Grenzen in Magburaka ein schnelles Einsatzteam zusammen, das dorthin entsandt werden konnte, wo immer in Sierra Leone Ebola-Fälle gemeldet wurden.

  • Im Oktober beendete Ärzte ohne Grenzen das Pädiatrie- und Geburtshilfe-Projekt in Gondama. Der Ebola-Ausbruch erforderte so viele Ressourcen, dass es nicht möglich war, die sehr hohe medizinische Qualität in diesem Projekt aufrechtzuerhalten und die Mitarbeiter gleichzeitig vor einer möglichen Ebola-Infektion zu schützen. Viele Frauen mit Geburtskomplikationen und Patienten, die unter Malaria oder anderen Krankheiten litten, vermieden es in dieser Zeit, aus Angst vor einer Ebola-Ansteckung in öffentliche Krankenhäuser zu gehen. Es wird daher vermutet, dass unzählige Menschen 2014 an Krankheiten starben, die nichts mit Ebola zu tun hatten.

  • Da die anfänglichen Ebola-Symptome denen der Malaria ähneln, trainierte Ärzte ohne Grenzen im Dezember 6.000 Freiwillige, die vier Tage lang von Tür zu Tür gingen und Medikamente gegen Malaria verteilten. Diese Aktion lief in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium. Rund 1.5 Millionen Menschen in der Umgebung von Freetown wurden so erreicht. Eine zweite Verteilungskampagne startete im Januar 2015.

  • Viele medizinische Fachkräfte aus Sierra Leone, die während des Ebola-Ausbruchs den Patienten halfen, haben sich selbst infiziert, weil ihnen nicht die notwendige Schutzkleidung zur Verfügung stand und sie die Ansteckungswege nicht kannten. Bis zu zehn Prozent der lokalen Gesundheitsarbeiter sind schätzungsweise gestorben. Dies hat dazu geführt, dass die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen heute über noch weniger Personal verfügen als vor der Epidemie. Wie in den Nachbarländern hat in Sierra Leone Ebola das bereits schwache Gesundheitssystem enorm beschädigt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1984 Hilfe in Sierra Leone an.

Aktuelle Informationen zum Stand von Ebola in Sierra Leone finden Sie hier.

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