Unsere Hilfe in Pakistan

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Die Hilfe in Pakistan konzentrierte sich 2014 für Ärzte ohne Grenzen auf die Mutter-Kind-Versorgung. Frauen und Kinder litten ganz besonders unter dem mangelnden Zugang zur Gesundheitsversorgung. Überwältigende Engpässe gab es vor allem bei der Pflege von Früh- und Neugeborenen. Doch auch Vertriebene, marginalisierte und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen benötigten medizinische Hilfe.

Die Hilfe in Pakistan im Einzelnen (Auszug):

  • Beschränkungen durch die Regierung, bürokratische Prozesse, Unsicherheit und sporadische Gewalt stellten für die Projektarbeit von Ärzte ohne Grenzen Herausforderungen dar. Die Präsenz militärischer Gruppen und die anhaltende Terrorismusbekämpfung behinderten den Zugang zu humanitärer Hilfe. Aber auch das allgemeine Misstrauen Helfern gegenüber wirkte sich nachteilig aus. Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen wurden ausschließlich über private Spenden finanziert, ohne jegliche Beiträge von Institutionen oder Regierungen.
  • Die Hilfe in Pakistan erfolgte in der Provinz Balutschistan, der am wenigsten entwickelten Provinz Pakistans, da hier Tausende afghanischer Flüchtlinge leben. Zur Zielgruppe gehörten vor allem Frauen und Kinder in Quetta und Kuchlak. Die Mitarbeiter behandelten mangelernährte Patienten, gaben Ernährungshilfe an schwer untergewichtige Kleinkinder, jüngere Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Sie führten 2014 rund 3.361 psychosoziale Einzel- und Gruppenberatungen mit Frauen und Männern durch und boten zusätzlich psychosoziale Gruppen an, wie Spielaktivitäten für Kinder. Die Teams behandelten zudem 697 Patienten, die unter der kutanen Leishmaniose litten, einer häufig in dieser Region vorkommenden parasitären Erkrankung. Sie wird durch den Biss einer Sandfliege übertragen und kann zu Hautgeschwüren führen. Insgesamt führte Ärzte ohne Grenzen in Quetta und Kuchlak rund 59.690 Konsultationen durch und half bei 3.598 Geburten. Im Rahmen der Hilfe in Pakistan kooperierte Ärzte ohne Grenzen mit dem Gesundheitsministerium auch im östlichen Balutschistan. Hier lag ein besonderer Fokus auf Mangelernährung sowie fachmedizinischer Hilfe für Neugeborene, Kleinkinder und Kinder, die unter akuten medizinischen Komplikationen litten. Die Mitarbeiter arbeiteten im Bezirkskrankenhaus in Dera Murad Jamali. In der gesamten Region waren die Mangerernährungsraten hoch,  insbesondere in der Zeit zwischen Mai und Oktober, als die Nahrungsmittelvorräte vor der nächsten Ernte zur Neige gingen. Ein ganzjähriges ambulantes Ernährungsprogramm wurde in diesen Monaten in acht Ortschaften der Bezirke Jaffarabad und Nasirabad verstärkt, in denen mehr als 8.800 Personen unterstützt wurden. Die Aktivitäten zur Geburtshilfe und Mütterversorgung in Nasirabad und Jaffarabad wurden Ende Oktober wieder an die Behörden übergeben. Ärzte ohne Grenzen beendete Ende Mai auch die basismedizinische Hilfe in Sohbat Pur und Mir Hassan sowie im Oktober die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung.
  • Die Hilfe in Pakistan erstreckte sich ebenso auf die Stammesgebiete unter pakistanischer Bundesverwaltung (FATA). Hier leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe für Vertriebene und gefährdete Bevölkerungsgruppen in Bajaur Agency, dem nördlichsten Stammesgebiet. Die Teams unterstützten zwei Gesundheitszentren in Talai und Bilot. Sie verbesserten zudem die Angebote auf der ambulanten Station und für die vorgeburtliche Versorgung. Kinder wurden auf Mangelernährung untersucht und geimpft. Die Mitarbeiter arbeiteten auch im zivilen Krankenhaus in Nawagai, wo sie die ambulante Station, die Notaufnahme und die Mutter-Kind-Station unterstützten. Zu den pädiatrischen Angeboten gehörten Impfungen und Ernährungshilfe für mangelernährte Kinder. Komplizierte Fälle brachten die Teams nach Khar, Timurgara oder Peschawar. In der sunnitischen Enklave Sadda, Kurram Agency, betreute Ärzte ohne Grenzen eine pädiatrische ambulante Station für Kinder bis zu fünf Jahren innerhalb des Zentralen Krankenhauses in Tehsil. Für diese Zielgruppe gab es dort auch ein stationäres Ernährungsprogramm. Neugeborene und Kinder unter zwölf Jahren, die stationäre Hilfe benötigten, wurden auf der von Ärzte ohne Grenzen unterstützten pädiatrischen Station versorgt und bei Bedarf an andere Einrichtungen überwiesen. Die Teams unterstützten ebenso die vor- und nachgeburtliche Station und behandelten 160 Patienten mit kutaner Leishmaniose. In Alizai, einer schiitischen Gemeinde in Kurram Agency, betrieben die Mitarbeiter eine pädiatrische ambulante Station für Kinder unter zwölf Jahren. 59 Prozent der Patienten waren 2014 unter fünf Jahren.
  • Ärzte ohne Grenzen fokussierte die Hilfe in Pakistans Hauptstadt Peschawar auf ein 35-Betten-Krankenhaus für Mütter. Hier wurden 2014 mehr als 3.700 Patienten aufgenommen und rund 3.268 Babys entbunden. Die Mutter-Kind-Gesundheit stand auch im Regierungskrankenhaus in Hangu im Mittelpunkt. Die Teams betreuten hier rund um die Uhr die Notaufnahme, den Operationssaal und die chirurgische Station. Außerdem leisteten sie technische Unterstützung für die Geburtshilfe, nahmen Überweisungen vor und betreuten die Blutbank sowie die Röntgenabteilung. Im Bezirkskrankenhaus in Timurgara, Lower Dir, leistete Ärzte ohne Grenzen fachmedizinische Hilfe in der Notaufnahme, in der 2014 insgesamt 114.957 Patienten aufgenommen wurden. Die Teams unterstützten zudem den Wiederbelebungsraum, in dem 27.576 Patienten behandelt wurden, sowie den Beobachtungsraum. Sie boten umfassende Aktivitäten zur  Geburtshilfe an, inklusive Geburtschirurgie bei komplizierten Entbindungen, und halfen bei 7.369 Geburten. Im Mai 2014 eröffnete Ärzte ohne Grenzen eine Säuglingsstation für Frühchen und untergewichtige Säuglinge und unterstützte im Krankenhaus die Blutbank, die Sterilisation und das Abfallsystem.  Nach dem Ausbruch von akutem wässrigen Durchfall und Masern richteten die Teams Isolierstationen für die Patienten ein. Darüber hinaus führten sie ein Präventions- und Aufklärungsprogramm für Dengue-Fieber in Gemeinden und Schulen durch. Mehr als 8.000 Schüler und Lehrer nahmen daran teil.
  • 2012 hatte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Pakistan auf Karachi ausgeweitet. Der Slum Machar Colony liegt am Rand von Karachis Fischereihafen, ist überfüllt und ohne angemessene Sanitärversorgung. Gemeinsam mit der lokalen Organisation „SINA Health, Education and Welfare Trust“ leisteten die Mitarbeiter Basismedizin und Nothilfe und übernahmen ambulante Konsultationen sowie die Triage, Stabilisierung und Überweisung von Notfällen. Zudem unterstützten sie die Geburtshilfe, organisierten Gesundheitsaufklärung für Eltern und Kinder und boten psychologische Beratungen an. Diese Angebote führten dazu, dass der Patientenzulauf stieg, da immer mehr Menschen von der kostenlosen und qualitativ hochwertigen Hilfe von Ärzte ohne Grenzen erfuhren.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Pakistan an.

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