Pakistan

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Umfassende medizinische Nothilfe für Menschen in ländlichen Regionen Pakistans zu leisten, ist für Ärzte ohne Grenzen eine Priorität. Die Erreichbarkeit und die unsichere Lage im Land stellen jedoch Hürden für Ärzte ohne Grenzen und die Patienten dar.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Neben den allgemeinen Engpässen im Gesundheitssystem leiden Vertriebene, direkte oder indirekte Konfliktopfer sowie Menschen in entlegenen Gebieten vor allem unter dem Mangel an medizinischen Angeboten, insbesondere in Bezug auf Notaufnahmen, Geburtshilfe und kinderärztliche Versorgung. Ärzte ohne Grenzen betreut Programme, die diese Lücken schließen.
  • Der Bezirk Hangu grenzt an drei Stammesgebiete: Nord-Wasiristan, Orakzai und Kurram. Diese Gebiete werden am stärksten von den Militäroperationen beeinträchtigt, die die Regierung als Reaktion auf die aggressive Kampagne der pakistanischen Taliban startete, die 2007 begann. Ärzte ohne Grenzen betreute 2013 die Notaufnahme und Chirurgie im Tehsil-Krankenhaus in Hangu. Die Teams nahmen 25.000 Patienten in die Notaufnahme auf und führten 1.407 chirurgische Eingriffe durch. Zudem halfen Hebammen dem öffentlichen Krankenhauspersonal bei schwierigen Geburten und führten Trainings zu Geburtshilfe-Abläufen und Hygiene-Protokollen durch.
  • Ärzte ohne Grenzen betreut in Peschawar ein privates Krankenhaus für Frauen mit 32 Betten, das 2011 eröffnet wurde. Es bietet kostenlose Geburtsnothilfe an sowie chirurgische Eingriffe. Ein Drittel der 3.717 Aufnahmen im Jahr 2013 waren Vertriebene oder Flüchtlinge. Außerdem wurde eine Säuglingsstation mit fünf Betten eröffnet. Zehn weitere Betten sollen 2014 folgen.
  • Im Bezirk Lower Dir kam es in der Notaufnahme und im Wiederbelebungsraum des Bezirkskrankenhauses in Timurgara zu einem dramatischen Anstieg der Patientenzahlen. Mehr als 100.000 Patienten wurden in der Notaufnahme registriert, was einem Anstieg von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Rund 22.000 Patienten wurden im Wiederbelebungsraum behandelt. Ärzte ohne Grenzen bot zudem Geburtshilfe mit einem Fokus auf komplizierte Entbindungen an. Die Teams halfen bei rund 7.000 Geburten im Jahr 2013, unterstützten die Blutbank, verbesserten die Sterilisation sowie die Abfallentsorgung. Sie führten zudem etwa 56.000 Gesundheits- und Hygieneaufklärungssitzungen durch. Darüber hinaus gaben sie 5.300 psychologische Beratungen und 26.900 Mutter-Kind-Konsultationen.
  • In Kurram Agency gaben lokale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen kinderärztliche Konsultationen in den Krankenhäusern der sunnitischen Enklave Sadda und der schiitischen Gemeinde von Alizai. In Bajaur Agency betreute ein lokales Team von Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken in Talai, Kotkay und Derakai.
  • Balutschistan ist Pakistans größte Provinz. Sie ist ländlich, abgelegen und beherbergt viele afghanische Flüchtlinge. In Quetta bot Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe in einem Kinderkrankenhaus an, behandelte mangelernährte Kinder ambulant und stationär, versorgte Neugeborene und führte Beratungen durch. In Kuchlak  betreuten die Mitarbeiter ein Mutter-Kind-Gesundheitszentrum inklusive Geburtshilfe. Komplizierte Fälle wurden nach Quetta überwiesen. Die Teams boten auch psychosoziale Hilfe und Beratung an. Außerdem wurden Patienten auf kutane Leishmaniose untersucht und bei Bedarf behandelt. Im Bezirkskrankenhaus in Chaman bot Ärzte ohne Grenzen umfangreiche Maßnahmen zur Geburtshilfe, Neugeborenen-Versorgung und Notaufnahme an. In den östlichen Bezirken Jaffarabad und Nasirabad konzentrierten sich die Teams im Krankenhaus von Dera Mura Jamali und in vier Gesundheitszentren weiterhin auf die Mutter-Kind-Versorgung. Sie führten eine Masern-Impfkampagne für 7.500 Kinder sowie 6.000 vorgeburtliche Untersuchungen durch und behandelten 9.600 mangelernährte Kinder.
  • Am Stadtrand von Karachi, im Armenviertel Machar Colony, leben viele Migranten ohne Papiere, die keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Ärzte ohne Grenzen betreute gemeinsam mit der Organisation „SINA Health, Education & Welfare Trust“ eine basismedizinische Klinik. 2013 wurden dort mehr als 35.000 Konsultationen durchgeführt und 7.600 Kinder auf Mangelernährung untersucht. Rund 80.000 Personen nahmen an Gesundheitserziehungs-Aktivitäten teil.
  • Ärzte ohne Grenzen behandelte im Mai 110 Personen, die bei Bombenexplosionen während der Wahlen in Khyber Pakhtunkhwa und FATA verletzt worden waren. Nothilfeteams reagierten zudem auf den Ausbruch von Dengue-Fieber und wässrigem Durchfall in Timurgara und Swat, auf Masern in Upper Dir und auf ein Erdbeben im Bezirk Mashkel, Bundesstaat Balutschistan.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1986 in Pakistan.

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