Unsere Hilfe in Nigeria

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen leistete 2014 medizinische Hilfe in Nigeria. Allerdings mussten einige Kliniken zeitweilig geschlossen werden, da sich die Sicherheitslage in vielen Regionen verschlechterte. Gewalt und Vertreibungen wirkten sich nachteilig auf die Gesundheit der Bevölkerung und ihren Zugang zu medizinischer Versorgung aus.

Die Hilfe in Nigeria im Einzelnen (Auszug):

  • Die politische Instabilität, zahlreiche Angriffe durch die Gruppe Boko Haram und Sicherheitsoperationen der nigerianischen Armee zwangen Tausende Menschen zur Flucht. Mehr als 400.000 Vertriebene ließen sich nahe Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, nieder. Sie kamen bei Gastfamilien unter oder in Lagern, die im Juli eingerichtet wurden. Es gab dort kaum medizinische Hilfe und fast keine Ärzte.
  • Im August startete Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe in Nigeria für die Vertriebenen des größten Camps.  Wöchentlich wurden die Campbewohner auf Mangelernährung untersucht. Schwangere erhielten  vorgeburtliche Konsultationen. Bis zum Jahresende hatten die Mitarbeiter rund 10.000 Sprechstunden gegeben und ein epidemiologisches Überwachungssystem eingerichtet, um bei Bedarf auf den Ausbruch von Krankheiten zu reagieren und Impfkampagnen zu starten. Ende September kam es zu einer Cholera-Epidemie, in deren Verlauf innerhalb eines Monats 4.500 Fälle behandelt wurden. 70 Patienten starben in Maiduguri. Die Mitarbeiter bauten ein Cholera-Behandlungszentrum mit 120 Betten auf sowie fünf orale Rehydratationsposten. Bis Dezember 2014 versorgte Ärzte ohne Grenzen 6.833 Patienten, von den 40 Prozent Vertriebene waren.
  • Im Bundesstaat Jigawa, dessen Müttersterblichkeitsrate zu den höchsten weltweit gehört, arbeitete Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus in Jahun. Im Rahmen der Hilfe in Nigeria unterstützten die Mitarbeiter die Geburtsnothilfe, die 2014 insgesamt 7.980 Frauen aufnahm, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Teams halfen bei mehr als 5.700 Geburten und führten die Känguru-Methode ein, bei der die Mütter ihre Kinder an der warmen Haut tragen. Diese Methode stammt ursprünglich aus Niedrigeinkommensländern, die für Frühgeborene keine Inkubatoren hatten und stattdessen die Kinder an der Haut der Mutter wärmten. Im Jahun-Krankenhaus wurden mit Hilfe von Ärzte ohne Grenzen auch Fistel-Behandlungen durchgeführt. Geburtshilfliche Fisteln sind Verletzungen des Geburtskanals, die durch komplizierte oder verlängerte Geburten verursacht werden. Sie führen zu Schmerzen, Inkontinenz und häufig zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Ärzte ohne Grenzen bot 2014 chirurgische Eingriffe sowie psychologische Hilfe an, um den Frauen bei der Reintegration zu helfen. 264 Frauen profitierten von der Fistel-Chirurgie im Jahr 2014.
  • Die Hilfe in Nigeria erstreckte sich auch auf das Noma-Kinderkrankenhaus in Sokoto. Ärzte ohne Grenzen behandelte Kinder, die unter der Noma-Krankheit litten. Dabei handelt es sich um eine schwere bakterielle Erkrankung, die Entstellungen im Gesicht verursacht. Oft sind Kinder unter sechs Jahren betroffen. Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt, aber Mangelernährung, schlechte Hygiene und unsauberes Trinkwasser gehören zu den Risikofaktoren. Psychosoziale Berater führten 2014 rund 90 Gruppensitzungen und zwölf Einzelberatungen durch. 50 Kinder wurden stationär ins Krankenhaus aufgenommen. Sie erhielten psychologische Hilfe und Ernährungsunterstützung. Korrektive Chirurgie ist für 2015 geplant. Ohne medizinische Behandlung liegt die Todesrate bei rund 90 Prozent. Jedes Jahr werden etwa 140.000 neue Fälle gemeldet, vor allem in Subsahara-Afrika. Die Teams setzten auch die Behandlung von Kindern mit Bleivergiftung im Bundesstaat Zamfara fort. Bleivergiftungen können Gehirnschäden und Nierenprobleme verursachen und tödlich enden. Da die Patientenzahlen 2014 abnahmen, schloss Ärzte ohne Grenzen drei Gesundheitszentren. Die Teams setzten allerdings die Lobbyarbeit mit der nigerianischen Regierung fort, damit betroffene Dörfer weiterhin Hilfe erhalten. Die Mitarbeiter untersuchten zudem Kinder auf Masern, Meningitis und Gelbfieber. Sie behandelten mehr als 3.560 Malaria-Patienten und führten etwa 7.680 ambulante Konsultationen durch.
  • Ärzte ohne Grenzen ergänzte die Hilfe in Nigeria mit einem Nothilfeteam, das schnell auf saisonale Epidemien und infektiöse Krankheiten in den nordwestlichen Bundesstaaten Zamfara, Kebbi, Sokoto und Niger reagieren kann. Von Juni bis Dezember 2014 behandelte dieses Team rund 6.066 Cholera-Patienten in Goronyo (Bundesstaat Sokoto), in Aliero (Bundesstaat Kebbi) und in Mada, Anka und Shagari (Bundesstaat Zamfara). Etwa 330 Patienten wurden gegen Meningitis behandelt. Banditentum und Angriffe auf Dörfer, vor allem im Bundesstaat Zamfara, schränkten die Bewegungsfreiheit des Nothilfeteams zeitweilig ein.
  • Letztlich umfasste die Hilfe in Nigeria auch technische Unterstützung in Sachen Ebola  für die Gesundheitsbehörden in Lagos und Port Harcourt. Von Juli bis Oktober 2014 halfen die Mitarbeiter bei der Isolation von Patienten, beim Aufspüren von Kontaktpersonen und boten Trainings und Aufklärungsaktivitäten an. In Lagos und Port Harcourt gab es 20 bestätigte Fälle. Acht Patienten starben. Der Ausbruch in Nigeria wurde am 20. Oktober für beendet erklärt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1971 Hilfe in Nigeria an.

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