Niger

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Erstmals wandte Ärzte ohne Grenzen 2013 in Niger die saisonale Malaria-Chemoprävention an. Kombiniert mit einem Screening und der Behandlung von mangelernährten Kindern zielt diese Strategie darauf, das Leid und die Sterblichkeitsrate von Kindern zu mindern.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In den Monaten zwischen den Ernten, wenn die Vorräte knapp werden, gibt es eine Phase, in der die Anzahl der Kinder mit akuter Mangelernährung stark ansteigt. Kinder unter fünf Jahren sind besonders betroffen, da sie besondere Nährstoffe für ihr körperliches Wachstum und ihre geistige Entwicklung benötigen. Die Regenzeit, in der sich die Stechmücken verbreiten, die Malaria übertragen, fällt genau in diese Phase. Kleine Kinder sind also doppelt gefährdet: Mangelernährung schwächt ihr Immunsystem, und dies macht sie anfälliger für Malaria, die wiederum Blutarmut, Durchfall und Erbrechen verursacht. Die Kombination von Malaria und Mangelernährung endet für kleine Kinder oft tödlich. Ziel von Ärzte ohne Grenzen ist es daher, von der Malaria-Behandlung zur Vorbeugung umzuschwenken. 2013 weiteten die Teams deshalb ihre präventiven Aktivitäten aus: Die Malaria-Chemoprävention wurde bereits erfolgreich im Tschad und in Mali angewendet. Vier Monate lang erhielten die Kinder während der Regenzeit Antimalaria-Medikamente in den Bezirken Guidan Roumdji und Madarounfa (Region Maradi), in Bouza und Madaoua (Region Tahoua) sowie in Magaria (Region Zinder). Bei jeder der vier Behandlungsrunden wurden durchschnittlich 225.000 Kinder behandelt. Je nach Ort wurden damit 94 bis 99 Prozent der Kinder abgedeckt. Klassische Präventionsmethoden wie Moskitonetze oder Spritzmittel bleiben aber die Basis. Die Chemoprävention schützt Kinder davor, an schwerer Malaria zu erkranken, wenn der Zugang zur Gesundheitsversorgung eingeschränkt ist. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen starteten zeitgleich zur Prävention auch Aktivitäten gegen Mangelernährung bei Kindern. So boten sie in den drei Regionen mobiles Screeing und ambulante Behandlung an sowie eine stationäre Versorgung für schwer mangelernährte Kinder. Ziel von Ärzte ohne Grenzen ist es, die Gesundheitsversorgung näher zu den Menschen zu bringen. In den Bezirken Bouza und Madaoua, Region Tahoua, führten daher Gesundheitshelfer in 111 Gesundheitsposten die Malaria-Diagnose und –Behandlung bei Schwangeren und Kindern durch. Sie prüften auch den Ernährungs- und Impfstatus der Kinder. Nach einem Masern-Ausbruch im März in Madaoua und Sabon Guida impften die Teams 84.460 Kinder unter 14 Jahren.
  • Im Bezirk Madaounfa, Region Maradi, betreute Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit der nigrischen Organisation „Forum Santé Niger“ (FORSANI) ein kinderärztliches Programm. Zudem lief dort ein Malaria-Präventionsprogramm für Kinder unter zwei Jahren in drei der fünf Gesundheitszonen. Die Kinder erhielten Nahrungsmittel, Moskitonetze und Routine-Impfungen. Nach heftigen Regenfällen verteilten die Teams weitere Moskitonetze, Wasserkanister, Seife und Decken an 6.630 Personen.
  • In Magaria, Region Zinder, dezentralisierte Ärzte ohne Grenzen die Gesundheitsversorgung, um den Behandlungszugang für mangelernährte Kinder zu erleichtern. Das seit vielen Jahren betreute stationäre Ernährungsprogramm im Krankenhaus in Zinder wurde Ende 2013 an die Behörden übergeben. Die Teams sind aber darauf vorbereitet, ein zusätzliches Behandlungszentrum mit 450 Betten zu eröffnen, wenn die Mangelernährungsphase den Höchststand erreicht.
  • Der bewaffnete Konflikt in Mali, der 2012 begann, führte zur Massenvertreibung der Bevölkerung. Die Menschen überquerten nationale Grenzen auf der Suche nach Sicherheit. Ärzte ohne Grenzen leistete basis- und fachmedizinische Hilfe, Geburtshilfe und führte Impfungen durch, um den malischen Flüchtlingen und der ansässigen Bevölkerung in der Region Tilabéri zu helfen. Insgesamt führten die Teams 57.500 Konsultationen durch. Sie reagierten auch auf einen Cholera-Ausbruch im Mai. 1500 Patienten wurden behandelt. Die Versorgung dieser Flüchtlinge wurde im September an andere Organisationen übergeben. Ärzte ohne Grenzen arbeitete darüber hinaus im Camp Abala, das rund 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Niamey liegt. 140.000 malische Flüchtlinge und 33.000 lokale Bewohner erhielten dort basis- und fachmedizinische Hilfe. Geburtshilfliche und chirurgische Fälle wurden an das Bezirkskrankenhaus überwiesen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1985 in Niger.

 

Teilen

Vervielfältigen