Unsere Hilfe in Niger

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte 2014 die Hilfe in Niger  darauf, integrierte Gesundheitsprogramme zu verbessern und auszuweiten, um Krankheits- und Todesfälle von Kindern zu verringern.

Die Hilfe in Niger im Einzelnen (Auszug):

  • Mangelernährung bei Kindern nimmt in Niger epidemische Ausmaße an, vor allem zwischen Mai und September, wenn die Nahrungsmittelvorräte der Familien zur Neige gehen und den Bedarf nicht mehr decken. Dieser Engpass fällt mit der Regenzeit zusammen und damit mit einer Verbreitung der Mücken, die Malaria übertragenen. Für kleine Kinder ist dies eine tödliche Kombination. Denn ein mangelernährtes Kind ist anfällig für Krankheiten wie Malaria, und ein krankes Kind ist anfällig für Mangelernährung.
  • Im Rahmen der Hilfe in Niger kooperierte  Ärzte ohne Grenzen mit den nationalen Gesundheitsbehörden und Nichtregierungsorganisationen (FORSANI, Befem/Alima), um die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren in mehreren Regionen zu senken. Dabei lag der Fokus auf Kindern mit schwerer Mangelernährung und Malaria. 2014 unterstützte Ärzte ohne Grenzen sechs stationäre und mehrere ambulante Zentren in Madarounfa und Guidan Roumdji (Region Maradi), Bouza und Madaoua (Region Tahoua) und Magaria (Region Zinder). Ziel war es zudem, gleichzeitig vorbeugend und behandelnd zu arbeiten. Die Mitarbeiter führten daher eine zweijährige saisonale Malaria-Chemopräventions-Kampagne in der Sahel-Region durch (Tahoua, Zinder und Maradi). Sie erreichten damit 447.500 Menschen. Diese Kampagne beinhaltete die Verteilung von Medikamenten gegen Malaria. Darüber hinaus wurden übliche Präventionsmaßnahmen wie die Verteilung von Moskitonetzen angewendet. Beides zusammen verringert erwiesenermaßen beträchtlich die Häufigkeit von Neuerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren.
  • Die Hilfe in Niger umfasste 2014 auch ein Behandlungs- und Ernährungsprogramm für Kinder unter fünf Jahren in Magaria, Region Zinder. Der Fokus lag auf der pädiatrischen Station des Krankenhauses in Magaria sowie auf sieben Kliniken und 21 Gesundheitsposten während des Höhepunkts der Mangelernährungsperiode.  2014 erhielten mehr als 65.000 Kinder Nahrungsergänzungsmittel  in Form einer hochkalorischen Erdnusspaste.
  • In Madarounfa betreute Ärzte ohne Grenzen zwei ambulante und ein stationäres Ernährungsprojekt, um Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung zu behandeln. Außerdem überwachten die Mitarbeiter die Arbeit in vier ambulanten Einrichtungen der nationalen Nichtregierungsorganisation FORSANI. Mehr als 137.000 Kinder wurden auf Mangelernährung untersucht und 14.500 Kinder behandelt. Ärzte ohne Grenzen unterstützte 2014 auch das Gesundheitsministerium auf der pädiatrischen Station des Krankenhauses in Madarounfa sowie elf Gesundheitszentren während des jährlichen Malaria-Höhepunkts. Präventive Maßnahmen schlossen die saisonale Malaria-Chemoprävention ein: Die Teams impften 54.400 Personen und verteilten 7.850 Moskitonetze. Eine temporäre Versorgungseinheit in Dan Issa nahm den Druck von den Zentren in Madarounfa während des Höhepunkts der Malaria-Epidemie. Dort wurden die am schwersten erkrankten Kinder behandelt. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte die Hilfe in Niger zudem auf fünf Gesundheitszentren in Guidan Roumdji. Die Mitarbeiter gaben Konsultationen und impften Kinder bis zum Alter von fünf Jahren. Schwer mangelernährte Kinder wurden in ambulanten Ernährungszentren behandelt, während mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen oder Begleiterkrankungen auf die pädiatrische Station des Bezirkskrankenhauses aufgenommen wurden, die Ärzte ohne Grenzen unterstützte. 2014 wurden mehr als 125.800 Kinder ambulant behandelt und rund 10.000 stationär aufgenommen. Auf dem Höhepunkt der Malaria-Übertragung zwischen Juni und Dezember belieferte Ärzte ohne Grenzen zudem sechs Kliniken mit Medikamenten, bildete Personal fort und überwachte die medizinischen Aktivitäten. Fast 9.300 pädiatrische Malariafälle wurden behandelt und die saisonale Malaria-Chemoprävention an rund 67.000 Kinder zwischen drei und 59 Monaten verabreicht.
  • Im Bezirk Madaoua, Region Tahoua, unterstützte Ärzte ohne Grenzen 2014 sechs integrierte Gesundheitszentren, um Kinderkrankheiten und schwere akute Mangelernährung zu behandeln. Mehr als 4.800 Kinder mit akuter Mangelernährung wurden stationär aufgenommen und rund 13.660 Kinder ambulant behandelt. Zudem fanden mehr als 2.000 psychologische Konsultationen für Mütter und Kinder statt. Zur Hilfe in Niger gehörte auch die Unterstützung des Bezirks Bouza. Ärzte ohne Grenzen arbeitete im Krankenhaus der Stadt Bouza sowie in sechs Kliniken der Umgebung. Die Mitarbeiter kümmerten sich um pädiatrische Fälle und leisteten Ernährungshilfe für Kinder unter fünf Jahren. Darüber hinaus wurde die basismedizinische Versorgung an drei Gesundheitszonen delegiert. Kinder und Schwangere konnten somit an den dortigen Gesundheitsposten behandelt werden und mussten nur ins Krankenhaus, wenn sie dorthin überwiesen wurden. Ärzte ohne Grenzen weitete die Hilfe in Niger auf die Behandlung von Kindern mit HIV und Tuberkulose in Madaoua und Bouza aus. In Bouza fand zudem ein Basistraining für Krankenhauspersonal statt, um das Stigma zu verringern, das mit einer HIV-Erkrankung verbunden ist. Zudem wurde die saisonale Malaria-Chemoprävention auf diese beiden Bezirke ausgedehnt, so dass alle Gesundheitsgebiete abgedeckt waren und 237.000 Kinder zwischen drei und 59 Monaten behandelt wurden.
  • Die gewalttätigen Aktivitäten von Boko Haram im nigerianischen Bundesstaat Borno führten zur Flucht der Bevölkerung in die Nachbarländer. Die Flüchtlinge kamen auch in der südöstlichen Region Nigers an. Ärzte ohne Grenzen unterstützte Anfang Dezember die Kliniken in N´Garwa und Gueskerou mit kostenloser medizinischer Hilfe und verteilte Hilfsgüter an die Neuankömmlinge. Die Mitarbeiter reagierten auch auf einen Cholera-Ausbruch unter den Flüchtlingen und in der lokalen Bevölkerung in Diffa. Die ersten Fälle tauchten in Diffa-Stadt und Chatimari auf. Die Teams bauten Cholera-Behandlungszentren und orale Rehydratationsposten auf. Die Hilfe in Niger erstreckte sich im September 2014 auch auf einen Cholera-Ausbruch in Tamaske, Madaoua, Bouza, Tahoua, Maradi und Madarounfa. Nothilfeteams von Ärzte ohne Grenzen behandelten rund 1.000 Patienten innerhalb weniger Wochen.
  • Das Gesundheitsprojekt für malische Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung in Abala, Region Tillabéri, wurde im Juni 2014 an den Roten Halbmond von Katar übergeben. Zuvor hatten die Teams etwa 20.777 Konsultationen durchgeführt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1985 Hilfe in Niger an.

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