Unsere Hilfe in Kenia

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte 2014 die medizinische Hilfe in Kenia auf einige der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen des Landes: auf die Bewohner von Armenvierteln und Flüchtlingslagern, auf Patienten mit HIV/Aids und Tuberkulose (TB)  sowie auf Opfer sexueller Gewalt.

Die Hilfe in Kenia im Einzelnen (Auszug):

  • Rund 350.000 Menschen, die meisten von ihnen Somalier, lebten unter prekären Bedingungen in Dadaab, der weltweit größten Flüchtlingsansiedlung. 2014 kam es zu einer Vereinbarung zwischen dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und den Regierungen von Kenia und Somalia über eine freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge: Die Menschen können seitdem selbst entscheiden, ob sie in das kriegsgeschundene Somalia zurückkehren oder in den Lagern mit minimaler Hilfe in Kenia ausharren wollen. Das Risiko von Entführungen, Diebstählen und sexueller Gewalt belastet die Flüchtlinge in den Lagern sehr. Die Unsicherheit schränkt auch die Arbeit der Hilfsorganisationen in den Camps stark ein.
  • Aufgrund der zunehmenden Unsicherheit in den Lagern in Dagahaley, die rund 80 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt liegen, hatte Ärzte ohne Grenzen dort seit 2011 keine ständige Präsenz von internationalem Personal mehr. Nationale Mitarbeiter betreuten auch 2014 ein 100-Betten-Krankenhaus und ein stationäres Ernährungszentrum. Sie führten ambulante und stationäre Behandlungen für Kinder und Erwachsene durch. Dazu gehörten die Unterstützung der Geburtshilfe, der Notchirurgie sowie die Behandlung von HIV/Aids und TB. Vier Gesundheitsposten in Dagahaley boten zudem basismedizinische und psychologische  Konsultationen an. Monatlich gaben sie rund 15.000 ambulante Sprechstunden, 1.000 vorgeburtliche Beratungen und nahmen durchschnittlich 1.000 Patienten stationär auf.
  • 2014 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen ein Dokument, das die unangemessenen und unsicheren Bedingungen in Dagahaley kritisierte und die Regierungen sowie die Geberländer zu mehr Hilfe in Kenia für die Flüchtlinge in den Dadaab-Camps aufforderte.
  • In Homa Bay behandelte Ärzte ohne Grenzen seit 2001 HIV-Infizierte mit antiretroviralen Medikamenten. Homa Bay war das erste öffentliche Krankenhaus, das diese Behandlung kostenlos anbot. Dieses Projekt befindet sich im Übergabeprozess an die Behörden. Mehr als 7.400 Menschen erhielten 2014 antiretrovirale Arzneimittel.
  • Zudem starteten die Mitarbeiter ein neues Projekt in Ndhiwa, wo das HIV-Vorkommen bei 24 Prozent liegt und es besorgniserregende Neuinfektionsraten von zwei Prozent jährlich gibt. Ziel ist es daher, ein vereinfachtes und integriertes Behandlungsmodell in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen und Gemeinden einzuführen. Dadurch sollen mehr HIV-infizierte Menschen diagnostiziert und ihre Viruslast reduziert werden. Ärzte ohne Grenzen wird die Gesundheitsbehörden dabei unterstützen, den Zugang zu HIV-Tests zu verbessern, Männer freiwillig zu beschneiden und die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Unser Fokus für die Hilfe in Kenia liegt auf der medizinischen Nachsorge und Behandlungstreue sowie auf der besseren Versorgung der Patienten auf den Krankenhausstationen in Ndhiwa und Homa Bay, da dort die Sterblichkeitsrate unter HIV-Patienten hoch ist.
  • In den Eastlands-Armenvierteln der Hauptstadt Nairobi tragen Armut, Drogenkonsum, Verbrechen und Straflosigkeit zu einem hohen Gewaltaufkommen bei. Dazu gehört auch sexuelle Gewalt. Die Opfer haben jedoch nur einen sehr beschränkten Zugang zu medizinischer Nothilfe in diesem Teil der Stadt. Ärzte ohne Grenzen arbeitete 2014 in der Lavender-House-Klinik in Mathare, die umfassende Versorgung für Opfer sexueller und genderbasierter Gewalt anbot. Dazu gehörte auch eine Hotline rund um die Uhr und ein Rettungswagen-Service. Die Teams gaben Sprechstunden, behandelten und beugten der Übertragung von HIV und sexuell übertragbaren Infektionen vor. Sie verabreichten Schwangerschaftstests bei Bedarf, machten Abstriche für rechtliche Zwecke, gaben psychologische Hilfe und überwiesen Patienten für rechtliche und soziale Unterstützung. Im Jahr 2014 erhielten 200 Patienten monatlich diese nachsorgende Hilfe in Kenia. Rund die Hälfte von ihnen waren Jugendliche, ein Viertel sogar jünger als zwölf Jahre.
  • Zudem gab es in der Lavender-House-Klinik eine ambulante Notfallversorgung, und Patienten konnten hier stabilisiert oder bei Bedarf an andere Einrichtungen überwiesen werden. Etwa 300 Patienten nahmen diese Hilfe monatlich in Anspruch, die Mehrheit aufgrund von Angriffen. Da es der Bevölkerung auch an basis- und fachmedizinischer Hilfe mangelte, stellten die Mitarbeiter zwei Rettungswagen für die Bewohner in Mathare und Eastleigh zur Verfügung. Während der ersten sechs Wochen des Projekts  wurden 141 telefonische Hilferufe registriert. Die Teams unterstützten auch die Unfall- und Notaufnahme des Krankenhauses Mama Lucy Kibaki, dem einzigen Hospital für die zwei Millionen Bewohner von Eastlands, mit Personal, Ausrüstung, Training und Fachaufsicht. Darüber hinaus konzentrierte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Kenia auf das Aufspüren und die Behandlung von Menschen mit resistenter Tuberkulose (TB) im Green House in Mathare. Hier wurde auch der erste Patient mit extrem resistenter TB behandelt. Für die Tuberkulose-Therapie wurde das neue Medikament Bedaquilin eingesetzt.
  • Im Armenviertel Kibera war Ärzte ohne Grenzen der einzige Anbieter von kostenloser Gesundheitsversorgung. Die Mitarbeiter betreuten zwei Kliniken zur Behandlung von HIV/Aids, TB und chronischen Krankheiten sowie ein umfassendes Nachsorgeprogramm für Opfer sexueller Gewalt. In Kibera South wurde außerdem eine neue Klinik eröffnet, die Basismedizin und Geburtshilfe anbot. Die Behandlung von Krankheiten wie HIV, Diabetes oder Asthma wurde ebenso integriert, um die Patientenversorgung zu verbessern und eine frühere Diagnose, Behandlung und Nachsorge zur Verfügung zu stellen. Gesundheitsaufklärung, Beratungen und soziale Unterstützung rundeten das Angebot ab. Mehr als 60 Prozent aller Konsultationen in den Kliniken in Kibera entfielen auf Atemweginfektionen, Durchfall- und Hauterkrankungen, allesamt Krankheiten, die auf die Situation in überfüllten Armenvierteln mit schlechten Hygiene- und Sanitärbedingungen zurückzuführen sind.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1987 Hilfe in Kenia an.

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