Unsere Hilfe im Irak

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Die schnelle Eskalation im Irak-Konflikt verursachte 2014 massive Vertreibungen. Beinahe zwei Millionen Menschen mussten aus ihren Wohnungen fliehen, um irgendwo anders Zuflucht zu suchen.

Unsere Hilfe im Irak-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Der Irak-Konflikt zeichnete sich 2014 durch anhaltende Kämpfe aus. Diese behinderten die humanitäre Hilfe für die Vertriebenen im Norden und Zentrum des Irak. Ärzte ohne Grenzen startete Nothilfeaktivitäten und fand heraus, dass die meisten Gesundheitsprobleme auf schlechte sanitäre Bedingungen zurückzuführen waren. Insbesondere mangelte es an Latrinen und sauberem Trinkwasser. Regelmäßig behandelten die Mitarbeiter Patienten mit Atemwegs- und Blaseninfektionen, Magen-Darm-Problemen sowie Haut-und chronischen Erkrankungen.
  • Die Gruppe Islamischer Staat (IS) und ihre Verbündeten starteten im Juni 2014 große Offensiven in Samarra und Mossul sowie im August nahe Sindschar, nahe der syrischen Grenze. In dieser Zeit flohen die Menschen hauptsächlich in den irakischen Teil Kurdistans. Ärzte ohne Grenzen startete Nothilfeaktivitäten, um die vertriebenen Familien in mehreren Ortschaften mit medizinischer Hilfe und Hilfsgütern zu versorgen.
  • Der Irak-Konflikt führte dazu, dass Ärzte ohne Grenzen im Juni vier mobile Kliniken für die Versorgung mit basis- und fachmedizinischer Hilfe im Regierungsbezirk Dohuk startete. Zudem verteilten die Teams mehr als 1.000 Waschutensilien mit Seife und Shampoo und starteten Wasser- und Sanitäraktivitäten in Dabin, um minimale Hygienestandards zu gewährleisten.
  • In der Stadt Kirkuk und ihrer Umgebung betreuten die Teams zwei mobile Kliniken in fünf Ortschaften. Sie leisteten Basismedizin mit einem besonderen Augenmerk auf chronische Krankheiten und die Versorgung von Müttern und Kindern. Zudem verteilten sie mehr als 20.000 Decken und 2.200 Waschutensilien an die vertriebenen Familien. Mobile Kliniken wurden auch zwischen Juni und August auf der Strecke zwischen Mossul und Erbil eingesetzt. Zudem war Ärzte ohne Grenzen die erste Hilfsorganisation, die im Lager Bharka eine Klinik für Vertriebene eröffnete. Sie wurde einige Wochen später an die Organisation „Medical Corps“ übergeben.
  • Im Oktober boten die Mitarbeiter basismedizinische Hilfe in einer Klinik im Regierungsbezirk Diyala an, um Vertriebene zu versorgen. Sie führten mehr als 4.700 Konsultationen durch. Kurz vor Wintereinbruch verteilten sie zudem Hilfsgüter, wie Decken, Zelte und Material zum Bau von Unterkünften an mehr als 400 Familien, die in Notunterkünften und informellen Siedlungen im Norden Diyalas lebten.
  • Zwischen November 2014 und Januar 2015 weitete Ärzte ohne Grenzen die Hilfe aus. Der Irak-Konflikt führte zu Vertreibungen aus dem Norden des Landes sowie aus den Regierungsbezirken Najaf, Karbala, Babil, Wassit und Al-Qadisiyyah. Die Teams betreuten mobile Kliniken, führten 1.387 Konsultationen durch und verteilten 14.000 Pakete mit Hilfsgütern wie Decken, Koch- und Hygieneutensilien.
  • Als sich die Kämpfe in den Regierungsbezirken Anbar, Ninewa, Salah ad-Din, Diyala und Kirkuk intensivierten, konnten viele Menschen nicht mehr fliehen, da sie festsaßen. Ärzte ohne Grenzen forderte wiederholt, dass Schutz, Zugang zu medizinischer Hilfe und das Recht zur Flucht in sichere Gebiete für alle Bevölkerungsgruppen von den Konfliktparteien garantiert werden müssen.
  • Nur einen Tag, nachdem Ärzte ohne Grenzen die basismedizinische Klinik in Tikrit fertiggestellt hatte, wurde sie durch eine Explosion zerstört. Das internationale und irakische Personal wurde aus dem Gebiet evakuiert. Der IS übernahm die Kontrolle über die Stadt, was eine Rückkehr von Ärzte ohne Grenzen bislang unmöglich machte.
  • Seit 2010 hatten die Mitarbeiter im Krankenhaus von Hawijah gearbeitet und die Notaufnahme unterstützt. Im August mussten sie die Arbeit einstellen, da das Krankenhausgelände bei Kämpfen schwer beschädigt wurde. Die Mitarbeiter mussten im August auch aus dem Krankenhaus in Sindschar fliehen, als IS-Truppen die Stadt einnahmen. Im Dezember 2014 zog sich Ärzte ohne Grenzen aus dem Krankenhaus in Heet zurück, nachdem IS-Truppen die Stadt erobert hatten. Tausende Vertriebene aus dem Regierungsbezirk Al-Anbar, die bereits von dort geflohen waren, mussten sich erneut auf die Flucht begeben.
  • Der Irak-Konflikt führte 2014 nicht nur zur Vertreibung Tausender Iraker, die im Norden des Landes Zuflucht suchten. Dorthin strömten auch mehr als 200.000 syrische Flüchtlinge, vor allem in den Regierungsbezirk Erbil. Ärzte ohne Grenzen gehörte zu den wichtigsten Gesundheitsanbietern für die basismedizinische Versorgung in den Flüchtlingslagern Darashakran und Kawagosk. Im November und Dezember wurden die Aktivitäten an die Organisation „Medical Corps“ übergeben. Bis dahin hatten die Teams mehr als 64.000 ambulante Konsultationen durchgeführt. Da es bei den Flüchtlingen einen großen Bedarf an psychologischer Unterstützung gab, um die Gewalterlebnisse, die Angst und Unsicherheit zu verarbeiten, setzte Ärzte ohne Grenzen diese Aktivitäten fort. Bis zum Jahresende führten die Mitarbeiter 1.100 Sprechstunden durch.
  • Im Regierungsbezirk Dohuk versorgte Ärzte ohne Grenzen 2014 rund 60.000 syrische Flüchtlinge im Lager Domeez. Die Angebote umfassten die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, die Behandlung von chronischen Krankheiten und psychologische Hilfe. Die Teams stellten auch die Versorgung von Notfällen sicher und überwiesen Patienten rund um die Uhr an das Krankenhaus in Dohuk. Im August eröffneten sie zudem eine Geburtshilfestation und halfen bei 571 Entbindungen bis zum Jahresende.
  • Der Irak-Konflikt verursachte viele Kriegsopfer, die im Irak keine rekonstruktiven chirurgischen Eingriffe aufgrund der Kosten und der Sicherheitslage in Anspruch nehmen konnten. Zudem mangelte es dort an postoperativer Versorgung, wie Physiotherapie. Ärzte ohne Grenzen bot auch 2014 kriegsverwundeten Irakern rekonstruktive chirurgische Eingriffe an und leistete psychosoziale sowie physiotherapeutische Unterstützung in der jordanischen Hauptstadt Amman. Ein Netzwerk von acht medizinischen Fachkräften überweist die Patienten. Mehr als 150 irakische Gewaltopfer erhielten 2014 auf diese Weise die notwendige chirurgische Hilfe.
  • Im Februar 2014 beendete Ärzte ohne Grenzen die Unterstützung der Säuglingsstation im Allgemeinen Krankenhaus in Kirkuk. Das Trainingsprogramm und die Unterstützung des Al-Zahra-Krankenhauses im Regierungsbezirk Najaf wurden im Oktober 2014 eingestellt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2003 Hilfe im Irak-Konflikt an.

Teilen

Vervielfältigen