Irak

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Tausende Iraker leiden unter der schlechten Basisgesundheitsversorgung. Der Zugang zu medizinischer Hilfe wird durch die chronisch schlechte Sicherheitslage noch verschlimmert. Der Krieg hat die medizinische Infrastruktur in einigen Gebieten sehr beeinträchtigt.

Die Aktivitäten 2013 im Einzelnen (Auszug)

  • Im Laufe des Jahres kam es zu einem dramatischen Anstieg der Gewalt im Irak. Dies schwächte erneut die Kapazität der Gesundheitseinrichtungen, adäquat auf den medizinischen Bedarf zu reagieren. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich darauf, in einigen Krankenhäusern Engpässe in der Versorgung auszugleichen, Personal zu trainieren und Fachwissen auszutauschen.
  • Ärzte ohne Grenzen startete eine Kooperation mit dem Allgemeinen Krankenhaus in Kirkuk, um auf der Neugeborenen-Station Training anzubieten und die Standard-Versorgung für Säuglinge und ihre Mütter zu überprüfen.
  • Das Al-Zahra Krankenhaus ist das wichtigste Referenzhospital für Geburtshilfe, Gynäkologie und kinderärztliche Versorgung im Regierungsbezirk Najaf. Die Mitarbeiter boten für Ärzte und Pflegekräfte Training an, führten Behandlungsprotokolle ein sowie Dokumentations- und Analysemethoden. Besonderes Augenmerk legten sie auf die Infektionskontrolle, die Standardisierung der Apotheke, Sterilisationsabläufe und auf die Datensammlung. 2013 wurden  23.627 Geburten im Krankenhaus registriert. Mehr als 6.000 Säuglinge benötigten eine Intensiv-Versorgung.
  • Im Krankenhaus in Hawijah wurden monatlich mehr als 300 Notoperationen durchgeführt. Es ist das einzige Hospital im Bezirk, das fachärztliche Dienste anbietet. Ärzte ohne Grenzen bot rund um die Uhr chirurgische Nothilfe an und führte Trainings zur Versorgung von Notfällen und zur Infektionskontrolle durch. Im Bezirk Hawijah besuchten die Mitarbeiter außerdem mehrere Gesundheitszentren, um festzustellen, ob für die ländlichen Gemeinschaften medizinische Basisversorgung zur Verfügung steht. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung neuer Aktivitäten ein.
  • Die Syrien-Krise führte zu einem massiven Flüchtlingsstrom in den Irak. Dem UN-Flüchtlingshochkommissariat zufolge flohen mehr als 200.000 Syrer in der zweiten Jahreshälfte 2013 in die kurdische Region Iraks. In der Provinz Erbil eröffnete Ärzte ohne Grenzen im September eine Klinik in einem Lager in Kawargosk, in dem 12.500 Flüchtlinge lebten, sowie eine mobile Klinik für das kleinere Lager Qushtapa. Letztere wurde im Dezember an die Behörden übergeben. Insgesamt gaben die Mitarbeiter rund 18.900 Konsultationen. Rund ein Drittel der Flüchtlinge waren Kinder unter fünf Jahren. Atemwegsinfektionen waren in allen Altersstufen die häufigste Ursache für die Sprechstunde.
  • Ärzte ohne Grenzen war 2013 der größte Gesundheitsanbieter im Lager Domiz, in dem rund 45.000 Menschen lebten. Die Mitarbeiter führten wöchentlich rund 2.400 medizinische Konsultationen durch. Viele Patienten litten unter  Atemwegsinfektionen und akutem wässrigen Durchfall. Ärzte ohne Grenzen behandelte auch chronische Krankheiten, leistete reproduktive Gesundheitsversorgung und bot psychologische Hilfe an. In der ersten Jahreshälfte wurden zudem Waschutensilien verteilt sowie Wasser- und Sanitäraktivitäten unternommen, um die Hygienestandards zu verbessern.
  • Viele Patienten mit Verbrennungen und anderen Verletzungen haben keinen Zugang zu fachärztlicher Hilfe im Land. Ärzte ohne Grenzen betreut 2013 daher ein Netzwerk von medizinischen Verbindungspersonen in Bagdad, An-Najaf, Kirkuk, Ninewa, Erbil, Al-Qadissiyah, Al-Anbar, Salah ad-Din, Al-Basrah und Diyala. Sie identifizieren und überweisen Patienten an das rekonstruktive Chirurgie-Programm von Ärzte ohne Grenzen in der jordanischen Hauptstadt Amman. Dieses bietet Gesichts- und Kiefer- sowie plastische und orthopädische Chirurgie an, verbunden mit Physiotherapie und psychologischer Beratung. Das Verbindungsnetz organisierte im Jahresverlauf die Aufnahme und Entlassung von 185 Patienten und garantierte die Nachversorgung für fast 400 Patienten im Irak.
  • Seelische Probleme werden im Irak weder offen angesprochen noch behandelt. Ärzte ohne Grenzen bietet seit 2009 psychologische Hilfe in Bagdad und Fallujah an und versucht, das mit psychischen Problemen begleitete Stigma zu verringern. In beiden Städten wurden Einzelgespräche angeboten, und es wurde eine telefonische Hotline eingerichtet.  2013 behandelten Psychologen 775 Patienten in 2.027 Sitzungen. Das Programm wurde im Juni an das Gesundheitsministerium übergeben.
  • Ärzte ohne Grenzen unterstützte das Nationale Vergiftungs-Kontrollzentrum in Bagdad durch die kostenlose Vergabe von Gegengiften und den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Mitarbeiter reagierten auch auf eine Anfrage des Gesundheitsministeriums, die eine mögliche Kooperation im Bereich Physiotherapie betraf. Ärzte ohne Grenzen besuchte mehrere Reha-Zentren in Bagdad und begann, Fortbildungen zu stationärer Physiotherapie zu organisieren.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 2003 im Irak.

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