Unsere Hilfe in Indien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Viele Inder haben keinen Zugang zu medizinischer Hilfe, da sie arm sind, aus sozialen Gründen diskriminiert werden oder das Gesundheitssystem unterfinanziert ist. Ärzte ohne Grenzen versucht, mit der Hilfe in Indien einige Engpässe zu beheben und Gesundheitspersonal auszubilden, um die medizinische Versorgung auszuweiten.

Unsere Hilfe in Indien im Einzelnen (Auszug):

  • Hochwertige medizinische Versorgung steht für Menschen mit finanziellen Ressourcen zur Verfügung, doch ein großer Teil der indischen Bevölkerung kann sich nicht einmal basismedizinische Hilfe leisten. Die Behandlung für Krankheiten wie HIV, Tuberkulose (TB) und Kala-Azar (viszerale Leishmaniose) gibt es nicht für alle. Für die Hilfe in Indien kooperiert Ärzte ohne Grenzen mit den Gesundheitsbehörden, um den Zugang zur Behandlung für mangelernährte Kinder im Bezirk Darbhanga, Bundesstaat Bihar, zu erweitern. Die meisten Kinder stammen aus verarmten Familien und leben in Dörfern, in denen die Gesundheitsversorgung unzureichend ist. Das Team von Ärzte ohne Grenzen behandelte 2014 jede Woche schwer mangelernährte Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren in zwölf Gesundheitszentren. Mehr als 3.500 Patienten wurden ambulant versorgt und mehr als 300 Kinder mit kleineren Komplikationen an das Stabilisierungszentrum von Ärzte ohne Grenzen überwiesen, wo sie stationär betreut wurden. Diese Art der Hilfe in Indien ist neu, denn die Intensivstation für mangelernährte Kinder ist die einzige derartige Einheit im Land. Sie wurde im März 2014 eröffnet, ist im Medical College Hospital in Darbhanga untergebracht und wird von Ärzte ohne Grenzen verantwortet. Behandelt wurden dort schwer mangelernährte Kinder bis zu fünf Jahren, die ernsthafte medizinische Komplikationen haben. Im Verlauf des Jahres wurden mehr als 250 Kinder stationär behandelt. Ärzte ohne Grenzen setzte sich auch weiterhin bei den Behörden dafür ein, dass Ernährungshilfe in das öffentliche Gesundheitssystem integriert wird.
  • Die Tropenkrankheit Kala-Azar ist im Bezirk Vaishali, Bundesstaat Bihar, endemisch. Übertragen durch den Biss einer Sandfliege, ist diese parasitäre Erkrankung beinahe immer tödlich, wenn sie unbehandelt bleibt. 2014 versorgte Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.000 Kala-Azar-Patienten. Ziel der staatlichen Behörden ist es, die Krankheit bis 2015 in Indien auszumerzen. Dafür hat die Regierung im Oktober 2014 die Einmaldosis „Liposomal Amphotericin B“ als Medikament der ersten Therapielinie genehmigt. Die Änderung im Behandlungsprotokoll wurde nach intensiver Lobbyarbeit von Ärzte ohne Grenzen möglich. Darüber hinaus konzentrierte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Indien auch auf die Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften in den Gebieten, in denen Kala-Azar weit verbreitet ist.
  • Der anhaltende niedrigschwellige Konflikt zwischen der Regierung und maoistischen Gruppen erschwert es der Bevölkerung in Chhattisgarh, Andhra Pradesh und Telangana, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen leisteten auch 2014 medizinische Hilfe durch mobile Kliniken in Dörfern im südlichen Chhattisgarh sowie für Vertriebene in Andhra Pradesh und Telangana. Im Bezirk Bijapur betreuten die Teams in einer Klinik die Geburtshilfe und behandelten Neugeborene sowie kleine Kinder. Mit mobilen Kliniken boten sie zudem allgemein- und fachmedizinische Hilfe für die Bevölkerung an. 2014 wurden insgesamt 63.200 Konsultationen durchgeführt  und 14.657 Malaria-Patienten behandelt.
  • Die Hilfe in Indien konzentrierte sich für Ärzte ohne Grenzen in Mumbai auf die medizinische und psychologische Hilfe für Patienten mit resistenter Tuberkulose, HIV und Hepatitis B oder C sowie auf Patienten, die mit einer dieser Erkrankungen koinfiziert sind. Diese Patienten benötigen eine spezielle Diagnose, Versorgung und Therapie, die im öffentlichen Gesundheitssystem so nicht verfügbar sind. Ärzte ohne Grenzen gibt das Wissen an lokale Organisationen und professionelle Fachkräfte weiter, um die Personalkapazitäten zu erweitern.
  • In den Bezirken Churanchandpur und Chandel, im nordöstlichen Bundesstaat Manipur, betreute Ärzte ohne Grenzen weiterhin Kliniken, die HIV und Tuberkulose diagnostizieren und behandeln. Die HIV-Raten in diesen Bezirken gehören landesweit zu den höchsten. Die Hilfe in Indien umfasste auch die Kooperation mit lokalen Nichtregierungsorganisationen, um HIV-Patienten stationär zu versorgen. Die Teams boten zudem Opium-Substitution für intravenöse Drogengebraucher an. Nachdem sie Patienten auf Hepatitis C untersucht hatten, stellten sie fest, dass mehr als 25 Prozent der HIV-Patienten koinfiziert waren.
  • Seit 2001 betreut Ärzte ohne Grenzen psychologische Programme in Kaschmir. 2014 gab es Projekte in Srinagar, Baramulla, Pattan und Sopore. Die Patienten werden normalerweise von Krankenhauspsychiatern an Ärzte ohne Grenzen überwiesen. Um die Bevölkerung über psychologische Probleme aufzuklären, kooperierten die Teams mit einer lokalen Produktionsfirma, um eine 13-teilige TV-Soap mit dem Titel „Aalav Baya Aalav“ zu drehen. Die erste Sendung wurde am 18. Dezember 2014 ausgestrahlt und führte umgehend zu 80 Telefonanrufen und zahlreichen Besuchen in der Klinik von Ärzte ohne Grenzen. Im September 2014 umfasste die Hilfe in Indien auch Aktivitäten zugunsten der Flutopfer im Kaschmirtal. Die Überschwemmungen erforderten zunächst die Schließung der psychologischen Kliniken für etwa einen Monat. Allerdings wurden die Beratungsdienste später auf Kliniken in Pulwama, Kakapora und Bandipora ausgeweitet. Als direkte Nothilfe verteilten die Teams Hilfsgüter wie Nahrungsmittel, Trinkwasser, Decken und Waschutensilien.
  • Mitte des Jahres 2014 kam es in verschiedenen Gebieten des Bundesstaates Tripura zu mehr als 50.000 Malaria-Fällen. Umgehend weitete Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Indien auf die Versorgung von Malaria-Patienten aus. Die Teams trainierten Gemeindegesundheitshelfer im Aufspüren von Erkrankten, in der Behandlung von einfachen Malariafällen und in der Überweisung von komplizierten Fällen an Intensivstationen. Ärzte ohne Grenzen führte mehr als 5.200 diagnostische Schnelltests durch und behandelte rund 2.300 Patienten in einigen sehr abgelegenen Gebieten des Bundesstaats.
  • Im nordöstlichen Bundesstaat Nagaland spielte Ärzte ohne Grenzen eine Schlüsselrolle, da es das Mon-Bezirkskrankenhaus mit medizinischer Ausrüstung ausstattete und Trainings für das Gesundheitspersonal anbot. Mitte des Jahres 2014 übergab das Team das vierjährige Projekt erfolgreich an die Gesundheitsbehörden.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in Indien an.

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