Kolumbien

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Aussagen von 4.400 Patienten von Ärzte ohne Grenzen ergaben, dass 67 Prozent der Menschen, die in Kolumbien psychologische Hilfe in Anspruch nahmen, zumindest einmal eine gewaltbedingte Erfahrung gemacht haben.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien hat die Gesundheit der Menschen schwer belastet. Neben den bereits seit Langem bestehenden Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Widerstandsgruppen der FARC und ELN sind in den vergangenen Jahren neue paramilitärische Gruppen und Drogenkartelle aufgetaucht. Dies führt zu diversen Gewaltdynamiken. Die meisten bewaffneten Aktivitäten gibt es in den südlichen Provinzen Caquetá, Cauca, Putumayo und Nariño. Dort werden Zivilisten Zeugen von Massakern und erleben Drohungen, Erpressungen, Vertreibung, Minenverletzungen, Folter, sexuelle Gewalt, Zwangsarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen. In einem solchen Kontext sind medizinische und psychologische Hilfe wichtig, doch der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist in diesen geografisch entlegenen Regionen oft eingeschränkt. Ärzte ohne Grenzen betreut ein langfristiges Programm, das mobile Kliniken und Gesundheitsposten zur medizinischen Versorgung sowie psychologische Hilfe für Menschen in Not umfasst. Die Mitarbeiter leisten Basismedizin, überweisen Notfälle an Krankenhäuser und bieten sexuelle sowie reproduktive Gesundheitsversorgung inklusive Familienplanung, vorgeburtliche Konsultationen, Impfungen und medizinische Kontrolluntersuchungen für Kinder an. Im Juli 2013 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen den Bericht „The Less Visible Wounds: Mental Health, Violence and Conflict in Southern Colombia“, der auf Zeugenaussagen von Patienten basiert, die im Jahr 2012 in den psychologischen Projekten von Ärzte ohne Grenzen behandelt worden waren. Der Bericht belegt die kräftezehrende Wirkung von Gewalt und die Tatsache, dass Menschen, die unter bewaffneten Konflikten und anderen Formen brutaler Gewalt leiden, kaum staatliche Unterstützung für ihre seelischen Probleme erfahren.
  • Tuberkulose (TB) ist zu einem großen öffentlichen Gesundheitsproblem geworden, vor allem in der überfüllten Hafenstadt Buenaventura, wo 9,5 Prozent der neuen Fälle zu einer resistenten TB-Form gehören. Ärzte ohne Grenzen arbeitete in zwei Gesundheitseinrichtungen, zu denen 15 weitere medizinische Stationen gehören. 2013 begannen 218 Patienten mit herkömmlicher Tuberkulose ihre Behandlung. 47 Patienten wurden in das Programm für resistente TB aufgenommen. Ärzte ohne Grenzen unterstützte die Nationale Strategie, um Tuberkulose aufzuspüren und zu behandeln. Darüber hinaus starteten die Mitarbeiter Lobby-Initiativen und Diskussionen mit Partnern und Behörden, um „Bedaquilin“ als Medikament für Patienten mit extrem resistenten TB-Formen einzuführen. Dazu laufen weiterhin Workshops und Verhandlungen.
  • Im Februar 2013 beendete Ärzte ohne Grenzen ein Projekt zur reproduktiven Gesundheitsversorgung in Buenaventura, da sich das Gesundheitssystem in der Region verbessert hatte. Im Dezember wurden die Aktivitäten in der ländlichen Provinz Nariño an lokale Behörden übergaben, da mehr medizinische Hilfe verfügbar war.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1985 in Kolumbien.

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