Brasilien

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Haitianische Erdbebenopfer erreichten erstmals im März 2010 die kleine Stadt Tabatinga, die an der Grenze zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru liegt. Die Hilfe für sie entwickelte sich zu einem Schwerpunkt der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Brasilien und wurde erst im Februar 2012 beendet.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Mehr als 1.200 Haitianer, die nach der Verwüstung durch das Erdbeben im Januar 2010 außer Landes geflohen waren, suchten in Brasilien Asyl. Ohne offizielle Erlaubnis durften sie weder in Tabatinga arbeiten noch die Stadt verlassen. Doch bis sie diese Erlaubnis erhielten, vergingen Monate. Viele Haitianer lebten daher unter extrem ärmlichen Bedingungen. In einigen Fällen mussten sich bis zu 40 Personen eine Latrine teilen. In einer Unterkunft lebten bis zu fünf Personen in kleinen Räumen ohne Tageslicht und ausreichender Lüftung. Das Leben unter solchen Bedingungen wirkt sich oft nachteilig auf die Gesundheit aus. Viele Haitianer litten unter Mageninfektionen und psychischen Problemen. Mitte November bot Ärzte ohne Grenzen ihnen psychologische Hilfe an und verteilte Waschutensilien. Die Teams agierten zudem als Mediatoren und Übersetzer für Haitianer, die brasilianische Gesundheitseinrichtungen aufsuchten. Zudem setzten sie sich bei den Lokal- und Provinzbehörden für einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung ein. Am 11. Januar 2012 kündigte das brasilianische Justizministerium an, dass etwa 4.000 Haitianer, die nach dem Erdbeben ins Land gekommen waren, eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erhalten würden. Die Bundesregierung kündigte zudem klare Maßnahmen an, um die Situation der Haitianer in Brasilien zu normalisieren. Sie eröffneten auch legale Einwanderungsmöglichkeiten von Haiti aus. In der Folge sank die Zahl der Neuankömmlinge in Tabatinga dramatisch. Ärzte ohne Grenzen beendete daher das Projekt im Februar 2012.
  • Viele Haitianer verließen Tabatinga, um nach Manaus zu gelangen. Ärzte ohne Grenzen setzte sich dort bei den städtischen Behörden dafür ein, dass die Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung erhielten. Zudem unterstützten die Teams die Mitarbeiter und Sozialarbeiter in Manaus, indem sie Fortbildungen zu psychologischer Hilfe und Gesundheitsaufklärung gaben.
  • Im Januar kam es zu Überschwemmungen und Erdrutschen in einem Gebiet nördlich von Rio de Janeiro. Tausende Menschen wurden in der Folge obdachlos. Nach einer Erkundung entschied Ärzte ohne Grenzen, 150 Psychologen in vier Städten darin zu trainieren, wie sie Überlebende von Naturkatastrophen unterstützen können. Die Teams setzen sich auch dafür ein, die psychologische Hilfe in die allgemeine Katastrophenhilfe zu integrieren.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Brasilien.

Nachrichten aus Brasilien

Seiten

Teilen

Vervielfältigen