Afghanistan

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Anzahl der Menschen, die in den Krankenhäusern von Ärzte ohne Grenzen lebenswichtige medizinische Hilfe erhält, hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. Dies zeigt deutlich den großen medizinischen Bedarf im Land.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Im Jahr 2013 hat der anhaltende Krieg mit all seinen Folgen weiterhin den Zugang zu hochwertiger medizinischer Hilfe für viele Menschen eingeschränkt, insbesondere zu fachmedizinischer Versorgung. Für die meisten Afghanen sind private Kliniken unerschwinglich. Viele öffentliche Krankenhäuser sind jedoch personell unterbesetzt und überfordert. Viele ländliche Gesundheitszentren funktionieren zudem nicht gut, da das medizinische Fachpersonal die unsicheren Gebiete verlassen hat und der Nachschub an Medikamenten und medizinischem Material unregelmäßig ist oder ganz fehlt. Die Unsicherheit im Land verhindert auch manchmal, dass ganze Dorfgemeinschaften von Hilfe abgeschnitten sind, da sie nicht zu den Krankenhäusern gelangen können. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge gehört Afghanistan noch immer zu den Ländern mit einigen der schlechtesten Gesundheitsindikatoren weltweit. Vor allem für Schwangere und kleine Kinder birgt das Land ein hohes Risiko zu sterben. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich darauf, den Menschen in einigen der konfliktreichsten Regionen einen besseren Zugang zu kostenloser und hochwertiger medizinischer Versorgung sicherzustellen.
  • Die Anzahl der in Kabul lebenden Menschen ist aufgrund von Migration, Vertreibung und Repatriierung stark gestiegen. Im Osten der Hauptstadt hat Ärzte ohne Grenzen das Hospital „Ahmad Shah Baba“  zu einem verlässlichen Bezirkskrankenhaus aufgebaut und das Gesundheitspersonal so trainiert, dass es rund um die Uhr die Notaufnahme und Geburtshilfe betreuen kann. 2013 wurden zudem größere Bauarbeiten beendet, die eine neue Wartezone einschlossen sowie einen neuen Standort für die ambulante Versorgung von Frauen. Außerdem wurde eine neue  Geburtshilfe-Station mit 21 Betten eröffnet. Im Jahr 2013 halfen die Teams bei rund 1.000 Geburten monatlich. Das Krankenhaus bot auch Hilfe für mangelernährte Kinder an. 500 Kinder wurden in das therapeutische Ernährungsprogramm aufgenommen, das medizinische Hilfe einschließt.
  • Im Januar 2013 startete Ärzte ohne Grenzen eine mobile Klinik, um Vertriebene zu unterstützen, die unter dem harten Winter in Kabul gelitten hatten. Das Team arbeitete in sechs Camps und hielt in rund drei Monaten mehr als 2.000 Sprechstunden ab. Ab April betrieb Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken im Einzugsgebiet des Ahmad Shah Baba-Krankenhauses, um vor- und nachgeburtliche Untersuchungen sowie Impfungen für Kinder durchzuführen.
  • In der nördlichen Provinz Kundus bot das Unfallkrankenhaus, das Ärzte ohne Grenzen 2011 eröffnet hatte, weiterhin kostenlose chirurgische Hilfe an für allgemeinmedizinische Fälle wie Unfallopfer und für kriegsbedingte Verletzungen wie Schusswunden. Seit dem Jahr 2014 nimmt das Krankenhaus auch Patienten mit moderaten und schweren Kopfverletzungen auf. Dafür wurde es zuvor technisch und personell entsprechend ausgestattet. Insgesamt behandelten die Mitarbeiter 17.000 Patienten, von denen rund zehn Prozent unter kriegsbedingten Verletzungen litten. Zudem führten die Teams 4.500 Operationen durch, dreimal so viel wie 2012.
  • Das Krankenhaus in Khost verfügt über 83 Betten und ist die einzige Fachklinik für Geburtshilfe in der Region. Ziel ist es vor allem, bei komplizierten Geburten zu helfen und die hohe Anzahl von Todesfällen von Müttern und Neugeborenen in der Provinz zu senken. Die Teams halfen bei 12.000 Geburten und unterstützten mehr als 2.000 Frauen mit Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Wehen.
  • Ärzte ohne Grenzen betreute auch weiterhin das Boost-Krankenhaus, das zu den beiden einzigen funktionierenden Referenzkrankenhäusern in der südlichen Provinz Helmand gehört. Es verfügt über 250 Betten und nahm monatlich rund 1.300 Patienten auf. Insgesamt wurden 66.000 Patienten in der Notaufnahme behandelt und 5.600 chirurgische Eingriffe durchgeführt. 2013 wurden außerdem 3.200 mangelernährte Kinder behandelt sowie rund 200 Kinder monatlich kinderärztlich auf der Station versorgt. Ärzte ohne Grenzen schloss Ende 2013 nach einer Evaluierung die ambulante Abteilung des Krankenhauses, da es andere Anbieter für Basisgesundheitsversorgung gab.
  • Im Februar 2014 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen den Bericht „Between Rhetorik and Reality: The Ongoing Struggle to Access Healthcare in Afghanistan“, der auf Informationen aus der Projektarbeit des Jahres  2013 basiert.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals 1981 in Afghanistan.

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