Unsere Hilfe in Afghanistan

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Nach mehr als zehn Jahren internationaler Hilfe bleibt der Zugang zu basismedizinischer Hilfe und Nothilfe in Afghanistan sehr eingeschränkt. Die Gesundheitsversorgung ist aufgrund des anhaltenden Konflikts nur schlecht an den wachsenden Bedarf der Bevölkerung angepasst. Ärzte ohne Grenzen setzte im Jahr 2014 daher die Hilfe in Afghanistan unvermindert fort.

Unsere Hilfe in Afghanistan im Einzelnen (Auszug):

  • Im Februar 2014 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen die Studie „Between Rhetoric and Reality: The Ongoing Struggle to Access Healthcare in Afghanistan”. Sie zeigte die oft tödlichen Risiken auf, die die Menschen im Land in Kauf nehmen müssen, um medizinische Hilfe zu erhalten. Die meisten der 800 interviewten Patienten konnten dringend benötigte medizinische Hilfe aufgrund der Unsicherheit, der Entfernung zur nächsten Klinik oder der Kosten nicht in Anspruch nehmen. 40 Prozent derjenigen, die es in ein Krankenhaus schafften, wurden auf dem Weg dorthin mit Kämpfen, Landminen, Kontrollposten und Schikanen konfrontiert. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich daher bei der Hilfe in Afghanistan darauf, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erweitern.
  • Ende November 2014 eröffnete Ärzte ohne Grenzen im Westen Kabuls, im Bezirkskrankenhaus von Dasht-e-Barchi, eine Geburtshilfestation, um die hohe Mütter- und Neugeborenensterblichkeit zu verringern. Die Teams boten kostenlos rund um die Uhr Hilfe für Frauen an, bei denen es während der Schwangerschaft oder Geburt  zu Komplikationen kam. Zudem versorgten sie schwerkranke Säuglinge. Schon nach einem Monat hatte die Station ihre maximale Kapazität erreicht. Bis Ende Dezember 2014 wurden 627 Geburten verzeichnet, von denen 33 Kaiserschnitte waren.  Die Station umfasst 46 Betten, einen Entbindungsraum, einen Intensivraum für Frauen und Säuglinge sowie einen Operationssaal. Impfungen, Laboruntersuchungen und eine Blutbank rundeten diese Hilfe in Afghanistan ab.
  • Im Osten Kabuls setzte Ärzte ohne Grenzen den Ausbau des Ahmad-Shah-Baba-Krankenhauses fort, indem die Bettenkapazität erhöht und das Personal trainiert wurde. Das Team bot dort kostenlos hochwertige medizinische Versorgung an und konzentrierte sich vor allem auf die Notaufnahme und Geburtshilfe.  Das Krankenhaus ist heute im Bezirk Bagrami und den umliegenden Bezirken die wichtigste medizinische Einrichtung: Die Chirurgie ist rund um die Uhr besetzt. 2014 betreute das Team 14.968 Geburten, nahm 949 chirurgische Eingriffe vor und führte 10.094 vorgeburtliche Beratungen durch.
  • Ärzte ohne Grenzen leistete auch chirurgische Hilfe in Afghanistan: In der nördlichen Provinz Kundus  boten die Teams im Traumazentrum kostenlose chirurgische Hilfe für Konfliktopfer sowie für Unfallopfer und Menschen mit leichten oder schweren Kopfverletzungen an. Die Bau- und Sanierungsarbeiten wurden 2014 fortgesetzt, die Intensivstation ausgeweitet und die Kapazität auf 70 Betten erhöht. Die Patientenzahl stieg 2014 an. Die Mitarbeiter behandelten 22.193 Verletzte und führten 5.962 Operationen durch. Rund 54 Prozent der Patienten mit einer längeren Behandlungszeit wiesen konfliktbedingte Verletzungen auf, die durch Explosionen, Schüsse oder Granatenangriffe verursacht wurden. Da es sich um das einzige Traumazentrum in der nördlichen Region handelt, kommen die Patienten aus allen umliegenden Provinzen, wie Baghlan, Takhar und Badakstan. In den Phasen intensiver Kämpfe laufen die Patienten Gefahr, auf dem Weg zum Krankenhaus ins Kreuzfeuer zu geraten oder an den Kontrollpunkten aufgehalten zu werden. Dabei kann es für einige Patienten entscheidend sein, innerhalb kürzester Zeit im Traumazentrum versorgt zu werden, um ihr Leben oder ihre Gliedmaßen zu retten. In der 2014 veröffentlichten Studie von Ärzte ohne Grenzen wurde deutlich, dass jeder fünfte Verletzte mehr als zwölf Stunden warten musste, bevor ein Besuch im Krankenhaus möglich war.
  • Aufgrund der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit hat Ärzte ohne Grenzen schon vor Jahren die Hilfe in Afghanistan auf die Versorgung von Schwangeren ausgeweitet. Das Krankenhaus in Khost ist das einzige auf Geburtshilfe spezialisierte Krankenhaus in der Region. Das Team konzentrierte sich auf  Frauen mit komplizierten Entbindungen. Im Jahr 2014 wurden 15.204 Geburten betreut. Fast jedes dritte Kind, das in der Provinz Khost geboren wurde, erblickte das Licht der Welt in diesem Krankenhaus.
  • Zu Sommerbeginn flohen Zehntausende Menschen vor einer Militäroffensive in der pakistanischen Region Nord-Wasiristan. Sie suchten Schutz in den afghanischen Provinzen Khost, Paktia und Paktika. Im Flüchtlingslager Gulan, das 18 Kilometer von Khost entfernt liegt, versorgte Ärzte ohne Grenzen die Menschen von Juli bis September mit medizinischer Hilfe, Wasser und Sanitäranlagen. Zudem wurden 2.900 Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren gegen Masern geimpft. Im September wurden die Aktivitäten an andere Organisationen übergeben.
  • Die Hilfe in Afghanistan umfasste auch Aktivitäten in der konfliktreichen Provinz Helmand. Ärzte ohne Grenzen unterstützte dort weiterhin das Boost-Krankenhaus. Das Team betreute die Chirurgie, die Innere Medizin, die Notaufnahme sowie die Geburtshilfe, die Kinderheilkunde und die Intensivstation. Das Krankenhaus mit 285 Betten nahm 2014 rund 2.480 Patienten auf und führte rund 300 chirurgische Eingriffe monatlich durch. Die Geburtshilfestation wurde um 20 Betten erweitert, und 9.207 Babys wurden entbunden. Zudem behandelte das Team im Ernährungszentrum 2.200 schwer mangelernährte Kinder.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1981 Hilfe in Afghanistan an.

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